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Neues Album der Arctic Monkeys nur Mittelmaß

CD-Kritik Neues Album der Arctic Monkeys nur Mittelmaß

Schritt zurück nach vorn: Die vierte Platte der Arctic Monkeys schwebt zwischen jugendlichem Leichtsinn und großen Kompositionen. „Suck It And See“ ist ein mittelmäßiges Album - weil die Band mehr will, als sie kann.

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Die britische Band Arctic Monkeys.

Quelle: dpa

Vor fünf Jahren lieferten die Arctic Monkeys das bestverkaufte Debütalbum Großbritanniens ab. Mit kostenlosen Downloads sorgte die Band für ausverkaufte Konzerte, noch bevor ihre Platte in den Läden stand – und wurde zum Internetphänomen erklärt. Ihr viertes Album „Suck It And See“, das gerade erschienen ist, ist allerdings nur ein durchschnittliches Album.

Mädchen, Kumpel, Fast Food, Bier, Gitarren, Klubs: „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ war 2006 ein Soundtrack des Heranwachsens. Die Arctic Monkeys rotzten kleine Geschichten mit jugendlicher Verve auf ihr Debüt. Alex Turner und seine drei Kollegen, damals alle um die zwanzig, texteten derartig adrenalingepumpt, dass es eine Freude war. Am Debüt labte sich auch die britische Musikpresse – besonders die Kritiker, die noch nicht verkraftet hatten, dass die Gitarrenrock-Retrowelle im New York der Strokes ausgelöst wurde und eben nicht in Manchester, London oder Liverpool.

Das hier waren die neuen Lads, die wilden Jungs aus der Vorstadt: vier schmächtige Spätpubertierende, gerade mal 20. Rehaugen mit Lederjacken, rotzig, frech und clever.

Dem Album fehlt das Treibende

Das zweite Album „Favourite worst Nightmare“ wurde für immerhin noch gut befunden, das dritte stampfende „Humbug“ nannten dann schon viele nur noch okay. Und jetzt Nummer vier. „Suck It And See“ ist breiter aufgestellt, es gibt komplexere Melodien, die Gitarren sind reduzierter, der Gesang runder. Es sind schöne Stücke unter den zwölf Songs, wie das lustige „Don’t sit down ’cause I’ve moved your Chair“ – Nonsens, aber eine pointiert erzählte kleine Geschichte. Und es gibt schöne Kompositionen wie das bildreiche „She’s Thunder­storms“. Doch die meisten Songs wirken unentschlossen. Turner erzählt in seinen Songs bewusst nicht mehr „wirklich präzise“ aus seinem Leben, wie er sagt. Das Album ist Indie-Rock, es fehlt aber das Treibende.

Was Turner sein will, ist eine große Stimme im musikalischen Kosmos, er will hin zum großen Songwriting. Dafür stehen auch seine Nebenprojekte: Mit The Last Shadow Puppets huldigte er Ennio Morricone, zuletzt schrieb er einen Soundtrack zum Kinofilm „Submarine“, interpretierte dafür einen Leonard-­Cohen-Song. Zudem sind Nick-Cave-­Cover fester Bestandteil von Monkeys-Konzerten.

„Wir wollen besser werden, nicht größer“, sagt Turner zu dem aktuellem Album. Die Arctic Monkeys können beides schaffen. „Suck It And See“ kann sich nicht zwischen jugendlichem Leichtsinn und großen Kompositionen entscheiden. Die Monkeys sind aber auch immer noch ganz schön jung. Und haben das Feld noch nicht gefunden, das sie bearbeiten wollen. Vielleicht dachten sie daran ja bei der Titelgebung: „Suck It And See“ hat nichts Anstößiges – auch wenn in den USA die Supermarktkette Wal-Mart schwarze Klebestreifen auf das „suck“ platzierte. In Großbritannien bedeutet die gängige Redewendung schlicht „Probieren geht über studieren“. Da geht noch was.

Gerd Schild

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