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Der Spielerfinder

Neues Fußballbuch von Ronald Reng Der Spielerfinder

HAZ-Kolumnist Ronald Reng hat ein neues Fußballbuch geschrieben, „Mroskos Talente“ ein neuer Band seiner Reihe großer Fußballerreportagen. Darin erzählt er vom Leben eines Scouts.

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Ronald Reng.

Quelle: Archiv

Mirko Slomka, damals Trainer bei Tennis Borussia Berlin, wusste, mit wem er es zu tun hatte. Lars Mrosko sollte als Scout für den Verein tätig werden. Zuvor allerdings lebte Mrosko von Sozialhilfe und regelmäßigen Spirituosendiebstählen. Slomka musste irgendetwas davon mitbekommen haben, denn am Ende des Einstellungsgesprächs sagte er zu Mrosko: „Eine Sache noch. Was immer du für Dinger machst, wenn du als Scout bei mir anfängst, musst du mir versprechen, damit aufzuhören.“

Mrosko versprach es. Wenige Wochen später musste er Slomka gestehen, dass er kein Geld habe, um die Bahnfahrtkarte nach Karlsruhe vorzulegen. Dort sollte ein Sichtungslehrgang der Nationalelf stattfinden. Ein wichtiger Termin für einen Talentscout. Was machte Slomka? Er gab Mrosko, dem Pleitier und Kleinkriminellen, seine EC-Karte, nannte ihm die Geheimzahl und ermahnte ihn, sich auf der Fahrt auf jeden Fall etwas zu essen zu kaufen.

Woher weiß er das?

Diese Begebenheit, die ein Licht sowohl auf Slomka als auch auf Mrosko wirft, schildert Ronald Reng in seinem Buch „Mroskos Talente“, dem neuen Band seiner Reihe großer Fußballerreportagen. Ronald Reng, mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller und Sportjournalist und regelmäßiger Kolumnist der HAZ, hat bereits viele Bücher über Fußballspieler geschrieben, darunter - zusammen mit Teresa Enke – auch die Biografie „Robert Enke. Ein allzu kurzes Leben“.

Sein Buch „Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga“, in dem er das Fußballgeschäft aus der Sicht des Trainers Heinz Höher schildert, wurde 2013 zum Fußballbuch des Jahres gewählt und mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis ausgezeichnet.

In allen seinen Fußballbüchern überrascht Reng mit erstaunlichen Innenansichten des Betriebs und fundierten Detailkenntnissen. Wie macht er das? Woher weiß er so genau, was Slomka mit Mrosko besprochen hat? Und woher weiß er, dass Mrosko, nachdem er Jahre später als Spielerberater gescheitert war, bei Slomka anrief, und nachfragte ob er wieder als Scout für ihn arbeiten dürfe? Und dass Slomka einfach nicht zurückrief?

Er weiß es von Mrosko und einigen anderen. Ronald Reng, der Journalist, beherrscht sein Handwerk: Er recherchiert gründlich, fragt nach, ruft an und spricht lange mit den Beteiligten (allerdings nicht mit allen: Slomka antwortete einfach nicht), er notiert und verwertet auch Randständiges.

Reng nimmt den Leser mit in die Hinterzimmer, in die schmuddeligen Kabinen der Jugendmannschaften, in die Diskos und in die Hochhäuser von Neukölln. Er ist nahe dran an den Menschen. Und das Leben der Menschen, die er porträtiert, ist spannend, manchmal auch tragisch.

Nicht nur ein Buch für Fußballfans

Lars Mrosko ist ein Getriebener. Immer breite Brust und dicke Lippe. Einmal ist er beim VfL-Wolfsburg mit Dieter Hoeneß, dem Geschäftsführer, aneinandergeraten. Kopf an Kopf standen die beiden einander gegenüber, wutentbrannt. Und das war’s dann mit Mroskos Karriere als Bundesliga-Scout. Danach versuchte er sich als Spielerberater. Er investierte, knüpfte Kontakte zur türkischen Liga, war an einigen Transfers beteiligt und wartete lange, lange auf den wirklichen großen Deal. Oft war er ganz knapp davor. Oft investierte er Geld, das er nicht gar nicht verdient hatte. Oft hat seine Geschichte eine Fallhöhe wie aus einer Tragödie.

Hoffen, scheitern, weitermachen, wieder hoffen, wieder scheitern, so geht es einige Jahre. Es geht um den richtigen Moment, um Stärke, um Glück und darum, sich nicht unterkriegen zu lassen. Es geht um den Traum vom Glück. Deshalb ist „Mroskos Talente“ nicht nur ein Buch für Fußballenthusiasten und Bundesligakenner. Ronald Reng schafft es, die Sache ins Allgemeingültige zu heben. Auch wer mit Fußball wenig am Hut hat, wird, wenn er sich einmal darauf eingelassen hat, die Mrosko-Geschichte bis zum Schluss nicht aus der Hand legen können.

Am Schluss kommt dann die Hauptperson selbst zu Wort. Lars Mrosko bedankt sich beim Autor für die vielen Gespräche und die kritischen Fragen. Und er stimmt ein Loblied auf seinen Sport an: „Fußball ist Magie, ein Spiel, das Menschen verzaubert.“

Da ist der Sport wie die Literatur. Auch mit „Mroskos Talente“ schafft es Reng, die Menschen zu verzaubern.

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