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New Model Army mit Wut und Hingabe

Konzert New Model Army mit Wut und Hingabe

New Model Army hatte nie Chart-Erfolge – selbst mit dem Song „51st State of America“ nicht. Dennoch haben sie eine große Fan-Gemeinde. Das wurde auch beim Konzert im Capitol deutlich, als die Band ihr Album „Winter“ vorstellte.

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In Hannover eher mit mit düsteren, treibenden Songs beim Konzert: New Model Army um  Sänger Justin Sullivan.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. New Model Army haben es in 25 Jahren Bandgeschichte nie weit gebracht in den Charts. Selbst ihr Song „51st State of America“, Teil des biografischen Soundtracks vieler, die in den Achtzigerjahren jung waren, war nur ganze zwei Wochen lang auf Platz 71 in Großbritannien. Dennoch ist das Capitol voll mit leidenschaftlichen Fans, solchen, die jede Zeile kennen. Die Band um den charismatischen Sänger Justin Sullivan aus Bradford im Norden Englands hat schon immer polarisiert. Viele fanden keinen Zugang zum wütenden Dagegen des heute Sechzigjährigen, das er in eine eigentümlichen Mischung aus Entrüstung, Melancholie und Hingabe fasst. Sullivan macht nicht viele Worte zwischen seinen Songs. Alles was er zu sagen hat, steckt in höchster poetischer Verdichtung in seinen Texten.

Die Band New Model Army hat ein Konzert im Capitol gegeben.

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So lässt sich der Zustand der Welt ein wenig aus der Auswahl ablesen, die die Band für das Konzert getroffen hat. Ruhige, sehnsüchtige Live-Klassiker wie „Green and Grey“ fehlen fast gänzlich. Stattdessen dominiert düsteres, treibendes Material. Das liegt auch an „Winter“, dem neuen Album, auf dem Sullivan von Krieg und Flucht erzählt, von Menschenjagden und dem Pakt mit dem Teufel. Auch das unterscheidet New Model Army von mit ihnen gealterten Kollegen. Die Musiker zehren nicht vorrangig von alten Hits, sondern entwickeln ihren Sound immer weiter, bleiben auf hohem Niveau aktuell. Dennoch fügen sich alte und neue Songs zu einer atmosphärischen Einheit. Den Sound kann dabei bis heute niemand so recht zuordnen. New Model Army spielten schon hintereinander auf Metal-, Wave- und Folkfestivals als Headliner, von den jeweligen Fans immer als ihre ureigene Band gefeiert.

Teil der Faszination ist zweifellos Justin Sullivan selbst, der international als einer der aufrichtigsten Rokstars gilt. Er vereint noch immer ruhelose Energie mit Fokus und Zugewandtheit, verzichtet auf Bühnenposen zugunsten ehrlich empfundener Inbrunst. Trotz aller Wut über die Menschen findet er Versöhnlichkeit und Optimismus in einem archaischen Vertrauen auf die Welt an sich. Die Songs von New Model Army kommen kleinen Ritualen gleich. Nicht umsonst bezeichnet sich die treuste Gruppe der Fans als „Tribe“. Dieser Stamm reist mit, ist bei jedem Konzert dabei und zelebriert die Geschichten der Songs buchstäblich mit Händen und Füßen.

Die Verbundenheit der Reisenden wird greifbar, als alle nach dem Konzert im Pub gegenüber des Capitol zusammenkommen: Roadies, Musiker und Fans. Eine vielleicht Fünfzehnjährige ist mit ihrer Mutter da. Vor ihr auf dem Tisch liegt die Setlist des Konzertes, von allen Musikern signiert. New Model Army mögen in ihrer Unangepasstheit nie zu Superstars geworden sein. Ihre Anziehungskraft bleibt jedoch ungebrochen.

Von Thomas Kaestle

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