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New Order stellen neues Album vor

„Music Complete“ New Order stellen neues Album vor

Zurück in die Disco: New Order veröffentlichen mit „Music Complete“ ihr zehntes Album. Die Band hat es im Grünspan in Hamburg vorgestellt; nicht mit einem Konzert, sondern bei einem 50-minütigen Talk vor Medienmenschen und Fans. Die Dance-Pop-Veteranen nutzten das trendige Reeperbahn-Festival als Bühne für ihre PR-Aktion.

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Auf dem Retro-Trip: Tom Chapman, Gillian Gilbert, Bernard Sumner, Stephen Morris und Phil Cunningham von New Order. 

Quelle: Wilson

Hamburg. Wann warst du zuletzt in einem Club?“, fragt der Moderator. Er könne sich gut an einen Abend im Berliner Berghain erinnern, antwortet Bernard Sumner, Sänger und Gitarrist der Electro-Rock-Band New Order. „Ich wurde fast von meiner eigenen Platte getötet.“ Der DJ spielte House, erzählt der 59-Jährige, legte dann aber „Blue Monday“ auf, den großen New-Order-Hit. „Alle drängten auf die Tanzfläche.“ Sumner versuchte seinem Song zu entkommen, flüchtete gegen den Strom, stolperte, fiel und brach sich das Bein. „Das ist 15 Jahre her, oder?“, stichelt der Moderator.

Das neue, zehnte New-Order-Album „Music Complete“ klingt sogar wie 25 Jahre her. Die Band hat es am Freitag im Grünspan in Hamburg vorgestellt; nicht mit einem Konzert, sondern bei einem 50-minütigen Talk vor Medienmenschen und Fans. Die Dance-Pop-Veteranen nutzten das trendige Reeperbahn-Festival als Bühne für ihre PR-Aktion.

Nach zwei Alben mit zu vielen kandierten Gitarren und zehn Jahren ohne neue Songs setzt die Band wieder voll auf ihre sanfte, helle Elektronik. „Music Complete“ hätte auch gut gleich nach „Technique“ von 1989, ihrem vielleicht besten Album, erscheinen können. Mit dieser LP, die auf der Discoinsel Ibiza entstand, prägte die Band den „Madchester“-Sound, gemeinsam mit den Happy Mondays und den Stone Roses, zwei weiteren Gruppen aus der nordenglischen Stadt Manchester.

Bei „People on the High Line“ und „Tutti Frutti“ singt der Electro-Nachwuchs, und zwar Elly Jackson, auch bekannt als La Roux. Bei beiden Songs ließen sich New Order - wie schon in den Achtzigern - von zwei Disco-Giganten inspirieren, dem Chic-Gitarristen Nile Rogers und dem Produzenten Giorgio Moroder, der aus Donna Summer einst eine Dancing Queen formte. Für eine Rockband war das damals innovativ. Heute ist es das nicht mehr, gilt aber zurzeit wieder als ziemlich schick.

Über Peter Hook wird im Grünspan nicht gesprochen. Als Gründungsmitglied der Vorgängerband Joy Division gehörte er zur DNA der Gruppe. 2007 erklärte er New Order für erledigt, stieg aus und attackiert seitdem vor allem Sumner, der unbeirrt weitermacht. Zuletzt rauften die beiden in der Presse, weil New Order für Joy Division einen Twitter-Account einrichteten, ohne Hook zu fragen. Den Bassisten wird noch mehr ärgern, dass sein typisches, melodieführendes Spiel auf „Music Complete“ nicht wirklich fehlt, weil es von seinem Nachfolger Tom Chapman einfach kopiert wird.

Joy Division hatten keinen einzigen heiteren Song. Ihre Musik war nicht bloß melancholisch, sondern depressiv - genauso wie ihr Sänger und Texter Ian Curtis. 1980, gerade einmal 23 Jahre alt, nahm er sich das Leben. Die Band hatte bis dahin 47 Songs geschrieben und zwei Alben aufgenommen. Ihr kalter, düsterer Sound passte perfekt zu ihrer verrottenden Heimatstadt Manchester. Curtis schien stellvertretend für eine vergessene Jugend um Hilfe zu schreien.

Die Übriggebliebenen Sumner, Hook und Schlagzeuger Stephen Morris trauerten, verzweifelten fast. Sie erfanden sich dann aber mit Morris’ Freundin und heutigen Frau Gillian Gilbert an den Keyboards neu. Als New Order wandten sie sich den Maschinen in Form von Synthesizer, Sampler und Drumcomputer zu. Mit dem „Blue Monday“ gelang ihnen 1983 die komplette Verwandlung - auch in eine lebensbejahende Band.

Ian Curtis ist seit 35 Jahren tot. Hook gedachte dem zu einer Kultfigur verklärten Sänger, indem er im Mai alle 47 Joy-Division-Songs in einer Kirche in Macclesfield bei Manchester aufführte. Das Konzert dauerte dreieinhalb Stunden.

Auch New Order scheinen auf dem neuen Album an ihren ehemaligen Frontmann erinnern zu wollen: Sie lassen Iggy Pop bei „Stray Dog“ ein Gedicht verlesen. Pops Album „The Idiot“ lag am 18. Mai 1980 auf dem Plattenteller, als sich Curtis in seinem Haus in der Barton Street erhängte.

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