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Kultur „Nichts zu verzollen“ ist ein Film für unsere Zeit
Nachrichten Kultur „Nichts zu verzollen“ ist ein Film für unsere Zeit
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08:32 28.07.2011
Von Karl-Ludwig Baader
Der neue Film des französischen Regisseurs Dany Boon, „Nichts zu verzollen“, belustigt mit belgisch-französischen Querelen. Quelle: dpa
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Wer es überdreht mag, Humor der deftigeren Art schätzt, ein Freund des Slapsticks ist und sich an karikaturenhaften Personenzeichnungen nicht stört, der wird hier bestens bedient. Dany Boon, der mit „Willkommen bei den Sch’tis“ einen fulminanten Überraschungserfolg verzeichnet hatte, legt mit „Nichts zu verzollen“ eine neue rasante Komödie vor, die sich am Erfolgsrezept des Vorgängerfilms orientiert. Mit der gewünschten Folge: Der Film hat einen unglaublichen Zuspruch an den Kinokassen in Frankreich erzielt – zehn Millionen Besucher wollten ihn sehen.

Wieder geht es Boon, der Regie führte, das Drehbuch schrieb und die Rolle des französischen Zollbeamten Mathias spielt, um irrsinnige Vorurteile und rassistische Beschränktheiten – und als bewährter Running Gag das Spiel mit sprachlichen Eigenheiten des belgischen Französisch.

Die Geschichte spielt diesmal in einem französisch-belgischen Grenzörtchen namens Courquain. Die Grenze geht mitten durchs Dorf, zwischen den französischen und belgischen Schlagbäumen gibt es eine Kneipe namens „No Man’s Land“. Das Schengener Abkommen hat hier vieles verändert.

Für den belgischen Beamten Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde) ist das eine Katastrophe, weil es sein Selbstverständnis unterminiert. Er sieht sich als aufopferungsvoller Grenzwächter, der das Königreich Belgien vor Eindringlingen schützt. Diese Camemberts und Froschfresser jenseits der, wie er immer wieder betont, belgisch-französischen Grenze, kann er partout nicht leiden. Er behandelt jeden Franzosen, der die Grenze überquert, als Eindringling, der zumindest schikaniert werden muss, wenn man ihm den Grenzübertritt schon nicht verbieten kann. Poelvoorde gibt den Choleriker mit dem giftigen Temperament eines Louis des Funès und lässt Boon etwas blass wirken.

Dessen Mathias ist schüchtern, freundlich harmlos, Boon besetzt damit das schon von den Sch’tis her bekannte Rollenfach. Der französische Zöllner und Rubens Schwester Olivia (Christel Pedrinelli) verheimlichen ihre Liebesbeziehung, um den Wutausbrüchen des belgischen Wüterichs zu entgehen. Mathias versucht erst mal, dessen Sympathie zu gewinnen.

Boon, der Sohn eines algerischen Vaters und einer Französin, nimmt sich des Themas mit lustvoller Ausgelassenheit an. Es gibt immer mal wieder sehr witzige Dialoge und gelungene Szenen, wenn Mathias etwa bei Rubens Vater, auch er ein unverbesserlicher belgischer Chauvinist, zu Besuch ist und sich als Belgier ausgibt – und sich deshalb übertrieben des belgischen Tonfalls bedient. Die dabei erzeugte forcierte Peinlichkeit weiß Boon gekonnt zu inszenieren, er ist ein guter Handwerker. Aber auch wenn einiges an die „Sch’tis“ erinnert, diesem neuen Film fehlt das Anrührende, das der Komik seines Vorgängerwerks Wärme, sogar eine gewisse Tiefe verlieh.

Diesmal wirkt alles kalkulierter und konstruierter, das gilt besonders für die Liebesgeschichte mit Olivia. Von ihr und dem gutmütigen Mathias abgesehen, sind die Figuren eindimensional angelegt, sie sind bösartig, verschlagen, schmierig, überwiegend unsympathisch – oder es sind ausgemachte Volltrottel, wie sie in allen Klamotten für Amüsement zu sorgen haben.

Auch fette Übertreibungen werden nicht gescheut: Wenn die verfeindeten Ruben und Mathias, die gemeinsam als Doppelstreife Feldwege im Grenzgebiet überwachen müssen, zunächst mit einem grotesk maroden, dann mit einem grotesk getunten R 4 losgeschickt werden, ist die Grenze zur Albernheit überschritten.

Es geht laut zu und brachial, nicht nur auf der Autobahn, wo Autojagden manche Blechschäden verursachen. Die Figuren gehen auch nicht sonderlich zimperlich miteinander um, es fliegen Kugeln und Fäuste – als würde hier ein Comic verfilmt. Wer’s mag ..

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