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Ein Fest der Superlative in der Markuskirche

Niedersächsische Musiktage Ein Fest der Superlative in der Markuskirche

Barockes Klangspektakel in der Markuskirche: Verteilt auf 53 Stimmen gab es bei den Niedersächsischen Musiktagen die „Missa Salisburgensis“ von Heinrich Ignaz Biber zu hören – ein aufwändiges und selten gespieltes Werk.

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Musik in jedem Winkel: Martin Dietterie leitet die Aufführung von Heinrich Ignaz Bibers „Missa Salisburgensis“.

Quelle: Siegersbusch

Hannover. Noch vor den ersten Tönen muss man hier ins Staunen geraten. Es reicht zu sehen, wie sich die beiden gewaltigen Chöre, die zahlreichen Solisten und die verschiedenen Gruppen von Streichern und Musikern mit exotischen Instrumenten wie Zinken, Flöten, Laute, Harfe und sogar einer imposanten Basspommer (eine Art tiefergelegten Schalmei) in der ganzen Markuskirche verteilt haben. Die Zuhörer sitzen in immer größeren Kreisen um ein kleines Ensemble in der Mitte des weiten Kirchenraums. In ihren Rücken, über ihren Köpfen: überall Musiker. Sie bevölkern Emporen, Kanzel und Seitenschiffe – wo immer noch ein kleiner Winkel frei ist, wird gleich gesungen und musiziert werden.

Prunk und Herrlichkeit

Die „Missa Salisburgensis“ von Heinrich Ignaz Biber, die derartige Vorbereitungen verlangt, ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Werk. 1682 wurde mit der ersten Aufführung das 1100-jährige Bestehen des Bistums Salzburg gefeiert – ein Anlass, für den der Prunk offenbar nicht groß genug sein konnte. Andere Komponisten begnügten sich damals mit vier oder vielleicht sechs Stimmen, wenn sie eine Messe vertonten. Biber hat seine Musik auf erstaunliche 53 Stimmen verteilt.

Bei den Niedersächsischen Musiktagen war dieses aus naheliegenden Gründen eher selten gespielte Stück nun mit dem Chor der Markuskirche zu hören. Kantor Martin Dietterle hat für die beiden vom Publikum begeistert aufgenommenen Aufführungen zudem die Stadtkantorei Bremerhaven und 16 Solisten eingeladen. Begleitet wurden die Sänger vom hannoverschen Barockensemble La festa musicale, das alle Kräfte aufbieten musste, um eine Partitur zu realisieren, die allein acht Trompeten vorschreibt.

Natürlich ist die Aufführung eines solchen Werks vor allem ein Spektakel. Die nach venezianischem Vorbild im Raum verteilten Gruppen sorgen für ein 360-Grad-Klangerlebnis, das die Hörer auch nach mehr als drei Jahrhunderten überwältigt und oft wohl auch überfordert: Es ist kaum möglich, diese Fülle in allen Details zu erfassen. Umso erstaunlicher, dass Dirigent Dietterle das Geschehen fast immer fest im Griff hatte. Zwar musste er vor Anstrengung bald das Jackett ablegen – die Präzision, mit der auch weit entfernte Gruppen zusammenspielten, ließ aber im Laufe des Abends nicht nach.

Die Grenzen der Kunst

Kurze Ruhepausen boten kleiner besetzte Instrumentalstücke von Biber-Zeitgenossen, mit denen sich die verschiedenen Gruppen zwischen den einzelnen Abschnitten der Messe präsentierten. So wurden die Hörer sensibilisiert für die Zwischentöne, die Biber dem Stück neben all dem Pauken- und Trompetengetöse auch verliehen hat. Wie er etwa das Totenreich im Credo mit erstaunlichen harmonischen Wendungen und schließlich sogar düsterem Moll schildert, wirkt noch immer fast furchterregend plastisch.

Doch Biber hat auch die Grenzen seiner Kunst erkannt. Wenn er den Satz „Sein Reich wird ohne Ende sein“ vertont, versucht er gar nicht erst, die Unendlichkeit in Töne zu fassen. Die Passage ist auffallend knapp gehalten. Was soll all der Prunk auch ausrichten neben göttlicher Herrlichkeit?

Die Musiktage

Die diesjährige Ausgabe des Festivals endet am Sonntag, 1. Oktober, mit einem Abschlusskonzert um 17 Uhr im hannoverschen Funkhaus. Die Junge Deutsche Philharmonie spielt unter Leitung von Jukka-Pekka Saraste Werke von Prokofjew, Nielsen und Saariaho. Solist ist der Pianist Tzimon Barto. Karten unter Telefon (0800) 4566540.

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