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Kultur Jury zeichnet Hafven in Hannover aus
Nachrichten Kultur Jury zeichnet Hafven in Hannover aus
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00:29 17.06.2018
Blick ins Blaue –Innenhof des ausgezeichneten Gebäudes Hafven. Quelle: Wilde
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Hannover

Hoch ragt er gen Nordosten auf, abweisend düster ist seine Betonfassade, und wären darin nicht zehn gebäudehohe Fenster, so würde er wohl wie ein monolithischer Bunker wirken. Wer den architektonischen Keil zwischen Weidendamm, Kopernikus- und Sandstraße von außen mustert, kann kaum ahnen, dass darin insgesamt mehr als 1000 Menschen eine Stätte fürs eigene kreative Schaffen finden können, sozusagen einen Heimathafen, genauer gesagt: den Hafven.

Blick ins Blaue

So heißt das ungewöhnliche Gebäude, und wer durch die Tür auf der Straßen- oder durch das Tor auf der Rückseite in diesen Hafen vordringt, entdeckt darin Raum- und Sichtachsen von einladender Offenheit. Die bewirken Fensterfronten zum Innenhof mit jungen Bäumen und kleinen Sitzgruppen ebenso wie die nach Südwesten abfallende Außenfassade, die, ganz ohne dass man dafür den Kopf in den Nacken legen müsste, den Blick ins Blaue öffnet.

Aus den 66 Bewerbungen für den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur hat die Jury zehn Objekte vorausgewählt. Drei davon – der Solarlus Campus in Melle, der Neubau Vollversorgermarkt in Oldenburg und der Hafven in Hannover –wurden nominiert, der Hafven ist Staatspreisträger 2018.

All das hat eine von Regierung und Architektenkammer des Landes gebildete Jury offenbar so sehr beeindruckt, dass sie dem 2016 fertiggestellten Hafven den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur verliehen hat. Der Frankfurter Architekt und Juryvorsitzende Michael Schumacher bescheinigte dem Entwurf der Berliner Architektenduos Anca Timofticiuc und Marius Mensing ausdrücklich „Mut zu sowohl inhaltlich als auch formal neuer und eigenwilliger Architektur“.

Zehn Projekte, drei Nominierungen, ein Preis

Der Staatspreisträger wird aus einer Gruppe von zehn Objekten einer Vorauswahl und drei Nominierungen daraus ausgewählt. Nominiert wurden neben dem Hafven in Hannover der Solarlux Campus in Melle und der Neubau Vollversorgermarkt in Oldenburg. Zur Vorauswahl zählten außerdem das hannoversche Bürohaus Hanova, das Naturparkhaus in Mardorf, das Bürogebäude am Heger-Tor-Wall in Osnabrück, das Avacon-Verwaltungsgebäude in Salzgitter sowie das Labor für Fahrzeugtechnik der Ostfalia Hochschule, der Nordkopf Tower und das Yard Boarding Hotel in Wolfsburg.

Solchen Mutes bedurfte es zweifellos, um eine Idee für das sich nach Westen verjüngende Eckgrundstück in der Nordstadt zu entwickeln. Timofticiuc und Mensing, die beide in Hannover studiert haben, sind gleich in mehrfacher Hinsicht zu einer Keilform gelangt: Gegen die abschüssige Nordostecke des Straßenverlaufs stemmt der Bau sich am höchsten auf, die Grundfläche bildet ein ungleichseitiges Fünfeck aus drei nach außen und zwei nach innen abknickenden Kanten, und zur Rückseite wird die Fassade ein Stockwerk niedriger. Der umbaute Raum ist riesig, die Geschosshöhen reichen teils bis zu sieben Meter, eine Duschzelle im Obergeschoss ist auf diese Weise um ein Vielfaches höher als breit geraten, enge Arbeitswaben waren sichtlich nicht das Ziel. „Man möchte es doch ein bisschen nett haben“, sagt Bauherr Jürgen Pleteit, der den Bau gemeinsam mit den Architekten entwickelt hat.

„Mutige Architektur“

Er ist Eigentümer des Gebäudes und Mitgesellschafter der Hafven GmbH, die gegen Gebühr Plätze für „Coworking“ und Einrichtungen eines „Makerspace“ zur Verfügung stellt. Was so sperrig denglisch oder neudeutsch klingt, dürften die meisten dort Tätigen durchaus mehr als nur ein bisschen nett finden, denn mehr als 1000 Nutzer gibt es bereits. Auf den drei Stockwerken finden Selbständige und Kreative, Startup-Gründer und Berufseinsteiger Platz fürs Arbeiten sowie die nötige Infrastruktur, um ihren Kopfgeburten auch materielle Gestalt zu verleihen: Im Erdgeschoss gibt es dafür außer einem „Cafvé“ eine Holz-, eine Metallwerkstatt und eine 3-D-Druckstätte, die Stockwerke darüber bieten Flächen, die für individuelles Arbeiten ebenso wie für große Meetings taugen. „Dem unkonventionellen Konzept des Hafvens, dem auch die Architektur folgt, ist es gelungen, die Anforderungen für neues Arbeiten, besonders für alternative Arbeitsformen, umzusetzen“, heißt es in der Begründung der Jury.

Die hat in den vergangenen Tagen quer durch Niedersachsen zehn Bauten besichtigt, die für die engere Wahl zur Vergabe des nichtdotierten Staatspreises aus den 66 Projekten ausgewählt worden waren, welche sich beim diesjährigen Thema „Bauen für Wirtschaft und Verwaltung“ beworben hatten. Nominiert wurden davon neben dem Hafven der Solarlux Campus in Melle bei Osnabrück sowie der Neubau Vollversorgermarkt in Oldenburg. Das Gebäude in Melle traf wegen seiner „Schaffung gleichermaßen qualitätsvoller Arbeitsplätze“ von einem Betriebsrestaurant namens „Kostbar“ bis zu Terrassen und Liegedecks auf dem Dach auf das Wohlgefallen der Jury. Der Markt in Oldenburg wurde für seine „organisch beschwingte Gebäudekubatur“ gelobt.

„Alle von der Jury ausgewählten Objekte sind Beispiele für gute Architektur und Städtebau“, sagte Niedersachsens Bauminister Olaf Lies bei der Übergabe der Preisurkunden. „Wir sind sehr stolz, solche Projekte in Niedersachsen zu haben.“ Und Robert Marlow, der Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, betonte, die ausgezeichneten Bauwerke seien in beispielhafter Weise „mutige Architektur“.

Von Daniel Alexander Schacht

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