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Ohrwürmer für alle

„Candide“ in der Staatsoper Ohrwürmer für alle

Jan Viethen und Daniel Drewes wirbeln in Bernsteins „Candide“ als Schauspieler über die Opernbühne. Am Sonnabend feiert das Stück Premiere.

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Die beste aller möglichen Welten: Die Schauspieler Jan Viethen (links) und Daniel Drewes in der hannoverschen Staatsoper.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Klar, der Weg zum Foyer: kein Problem. Entschieden treten Daniel Drewes und Jan Viethen den Weg vom Personaleingang durch die Katakomben des hannoverschen Opernhaus an. Links die Treppe hoch, dann scharf rechts und immer geradeaus. Schon stehen sie mitten auf der Bühne gegenüber dem jetzt leeren Zuschauerraum. Hier fühlen sich die beiden sichtlich wohl. Aber der richtige Weg war es leider nicht. Leicht widerstrebend steigen sie eine Stiege in der Ecke hinab und überlassen die Führung jetzt anderen. Es ist schließlich alles andere als ein Heimspiel, das die beiden Künstler hier absolvieren. Nicht nur, dass sie als Gäste nur für die Produktion von Leonard Bernsteins Oper „Candide“ hier engagiert sind; sie sind auch Schauspieler – in einem Opernhaus eine überaus exotische Spezies.

Ein seltener Gast im Spielplan ist auch Bernsteins Stück von 1956, dessen Untertitel „Comic Operetta“ ahnen lässt, dass es hier anders zugeht als bei Mozart oder Verdi. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Voltaire, in dem dieser sich über seinen Kollegen Leibniz lustig macht: Der Lehrsatz des hannoverschen Gelehrten von der Welt als der besten aller möglichen Welten provozierte die Autoren dazu, ihren Titelhelden Candide von einer Katastrophe in die nächste schlittern zu lassen.

Auf seiner absurden Reise um die halbe Welt begegnet Candide einer Vielzahl von Gestalten, die unmöglich alle singen können. Für diese kleinen Rollen gibt es in dem Stück Schauspieler. In Hannover teilen sich Drewes und Viethen sämtliche Nebenrollen – und müssen sich entsprechend oft umziehen. Dutzende Male werden die Kostüme gewechselt: Vom Baron über den Kellner zum Schaf und wieder zurück. „Die Ausstatter haben die verrücktesten Sachen ausprobiert“, sagt Drewes, der sich besonders über die abschraubbare Hand einer Figur freut, „erst am Ende wurde alles auf Seriosität überprüft.“

Die Welt der Oper erscheint den beiden freien Schauspielern nach sieben Wochen Probenzeit nicht mehr fremd. „Sänger sind im Grunde genauso seltsame Existenzen wie wir Schauspieler auch“, sagt Viethen. Aber ein paar Unterschiede gibt es doch: Vor allem die Masse der an einer Opernproduktion Beteiligten kann die beiden noch immer überwältigen: „Wenn Chor und Orchester richtig loslegen – Halleluja! Das ist schon was anderes als bei Schauspielproduktionen“, sagt Drewes. Und Viethen ist aufgefallen, dass die emotionale Auflösung einer Szene in der Oper meist nicht in der Szene selbst liegt, sondern in die Musik verlagert wird.

Gerade Bernstein kann binnen Sekunden von frechem Musicalsound zu hochemotionalen Klängen umschalten. Einen Teil dieser handlungstragenden Musik werden auch die Zuhörer mitnehmen, ist Drewes überzeugt: „Ohne Ohrwurm geht hier keiner nach Hause.“

Premiere von Bernsteins „Candide“ ist an diesem Sonnabend um 19.30 Uhr in der Staatsoper, Kartentelefon: (05 11) 99 99 11 11.

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