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Olaf Schubert in Hannover Noch Fragen?

Olaf Schubert, der Comedian aus Dresden, ist alles in allem mehr Kerlchen als Kerl. „Sexy forever“, heißt sein Programm. Einen unpassenderen Titel hätte er kaum finden können.

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Für „Tole, tole, ranz, ranz, ranz“: Olaf Schubert.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Da ist er also, der Olaf - oder wie er sich selbst nennt: „Sexiest Man alive“ und „Vergewaltiger des Bösen“. Gelber Rauten-Pullunder, olle Jeans, imposante Stirnglatze. Er beginnt harmlos. Wunderschön sei das Theater am Aegi. Die Beleidigung folgt sogleich. „Passt eigentlich gar nicht so richtig nach Hannover“, sagt er. „Wenn man nach Hannover reinkommt, denkt man ja erst mal so“, Kunstpause, „schade.“ Olaf Schubert gluckst, das Publikum johlt.

Respekt hat er nicht, Sprachgeschick umso mehr. Schubert ist ein Wortakrobat. Seine Selbstbeschreibung als „Betroffenheitslyriker“ trifft es ganz gut. Seine Worte wirken, als seien sie ihm gerade erst eingefallen. Dass seine oft irrsinnigen Satzgebilde jedes Mal ihr Ziel erreichen, verrät dann doch die Arbeit dahinter. Und immer wieder überschreitet er mit seinen Pointen die Grenze des politisch Erlaubten.

Zum Beispiel Kinderarbeit. Dass sich die Kinder in Bangladesch nicht zu fein seien, um sich an die Nähmaschine zu setzen, verdiene doch mal einen solidarischen Applaus, sagt er. Das Publikum gehorcht und applaudiert. Doch ein bisschen mehr Anstrengung dürfe ja wohl verlangt werden, legt er nach. Die Klamotten seien oft so „lieblos zusammengeschustert“, „das kann man nicht alles auf die Beleuchtungsverhältnisse schieben“. Die Zuschauer wissen nicht recht: Sollen sie klatschen oder nicht?

Olaf Schuberts Pointen sind weder flach noch doof. Jedenfalls nicht alle. Denn Klamauk kann er durchaus auch. Er kaspert rum, singt sogar und spielt Schlagzeug. Begleitet wird er dabei von Bert Stephan am Bass und Jochen Barkas an der Gitarre. Vor allem aber ist Schubert politisch.

Pegida ist für ihn als Dresdner natürlich ein Thema, diese „Pegidisten“, die durch die Stadt marschieren und „Muselmanngruseln“ betrieben. Gegen eine Islamisierung der Gesellschaft müsse sich in der Tat dringend gewehrt werden, sagt er. Es sei ja schon so weit, dass die Kinder in der Schule mit arabischen Zahlen rechnen müssen. Und weiter: „Viele haben Angst vor dem Schleier. Aber ich habe auch so manche Pegida-Anhängerin gesehen, wo ich sagen muss: Da wäre ein Schleier eine elegante Lösung.“

Überhaupt die Rechtsextremisten. „Ich sage ja nicht, dass die blöd sind. Aber sie haben halt ein bisschen Pech beim Denken.“ Er diagnostiziert bei ihnen eine „Schwellkörperfehlfunktion“. Die mangelnde Durchblutung des Gehirns führe bei ihnen zu einer „Wander-erektion“ vom Penis hin zum rechten Arm. Am Ende fordert er „Tole, tole, ranz, ranz, ranz“ und schlägt die Triangel dazu.

„Gibt es Fragen bis hierher?“, fragt er schließlich. Nein, keine Fragen. Stattdessen Beifall und Gelächter. Das Publikum liebt diesen sächselnden, schmächtigen Typen im Pullunder.

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