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Literarischer Salon

Parapsychologe Walter von Lucadou zu Gast in Hannover


Seit vierzig Jahren beschäftigt sich Walter von Lucadou mit Spuk und Spökenkiekerei, mit Telepathie und Telekinese. Während Spötter witzeln, nimmt der Parapsychologe das alles sehr ernst. Am Montag war von Lucadou zu Gast im literarischen Salon in Hannover.
Parapsychologe Walter von Lucadou

Parapsychologe Walter von Lucadou

© dpa (Archiv)

Das Verhältnis der Parawissenschaften zu den Wissenschaften wird durch die Vorsilbe „para“ recht gut charakterisiert: Sie stehen „neben“ den Wissenschaften, der Diskurs der Parawissenschaften folgt anderen Regeln als der wissenschaftliche Diskurs. Dass die Differenz beträchtlich ist, hat der Parapsychologe Walter von Lucadou jetzt im Literarischen Salon (der beim Wohnungsbauunternehmen Gartenheim zu Gast war) eindrucksvoll bestätigt. Von Lucandou leitet die Parapsychologische Beratungsstelle der „Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie“ in Freiburg. Seit vierzig Jahren beschäftigt er sich mit Spuk und Spökenkiekerei, mit Telepathie und Telekinese. Er nimmt das alles sehr ernst. Wer übersinnliche Erfahrungen gemacht hat, kann sich an seine Beratungsstelle wenden und von seinen Erlebnissen berichten. Manchmal kommt der Parapsychologe auch vorbei und schaut sich den Spuk persönlich an.

Im „Salon by Gartenheim“ kamen viele Interessierte vorbei, um sich von Lucadou mal persönlich anzuschauen. Der Parapsychologe ist ein emsiger Autor und ein eloquenter Diskutant. Ausgeprägt ist vor allem seine Fähigkeit, alles Mögliche in sein Denksystem zu integrieren. Selbst Argumente, die seine Überzeugung von der Existenz des Okkulten widerlegen könnten, vermag er in Bestätigungen seiner Theorie umzumünzen.

Kritiker werfen den Anhängern der Parawissenschaften vor, dass die Ergebnisse ihrer Experimente nicht reproduzierbar seien. Findet der eine Wissenschaftler heraus, dass Probanden mit Gedankenkräften Einfluss auf ein Zufallsexperiment nehmen können, klappt die Sache nie, wenn der Versuchsaufbau von einem Kollegen wiederholt wird. Nach den geltenden Regeln des wissenschaftlichen Diskurses wäre das der Tod einer Hypothese. Nicht aber nach den Regeln der Parawissenschaft.

Dass solche Phänomene der einflussnahme nicht reproduzierbar seien, sei kein Wunder, argumentiert von Lucadou, denn wir haben es hier nicht mit Kausalzusammenhängen, sondern mit „Verschränkungskorrelationen“ zu tun, und da spielt der Beobachter eine entscheidende Rolle. Die einzelnen Würfelexperimente seien jedenfalls nicht unabhängig voneinander zu betrachten. Die Erwartung spiele eine wichtige Rolle. Und zu den grundlegenden Eigenschaften solcher Experimente gehört, dass der Effekt verschwindet, sobald er festgehalten werden soll.

Die Parawissenschaftler können das Phänomen mit Effekten aus der Quantenphysik recht gut erklären. Auch hier spielt der Beobachter eine wichtige Rolle, auch hier gibt es spukhafte Fernwirkungen. Aber auffällig ist auch der Umstand, dass sich die Verfechter des Okkulten stets avancierte physikalischer Theorien bedienen, um ihre Welt auszuschmücken: früher war es der Magnetismus, dann die Elektritztät, heute ist es die Quantenphysik.

Die Anhängerschaft ist jedes Mal fasziniert. Auch im Literarischen Salon hingen die Bewunderer an den Lippen des Meisters. Manchmal war die Stille, in der gelauscht wurde, geradezu unheimlich.

Bei der nächsten Ausgabe des Literarischen Salons am 15. März um 20 Uhr im Conti-Hochhaus am Königsworther Platz sprechen Mobilitätsforscher und Futurologen über „Die Zukunft der (Auto-)Mobilität“.

Ronald Meyer-Arlt

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  • Hilfe Tim – 09.03.10
    So, so, "Verschränkungskorrelationen". Macht die HAZ ab sofort Parajournalismus?

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