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Kultur „Die Kirchenorgel hat ausgedient“
Nachrichten Kultur „Die Kirchenorgel hat ausgedient“
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00:15 29.08.2015
Ganz schön eigentlich: Die Kirchenorgel des Passauer Doms. Quelle: dpa
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Frau Koll, bei Ihrer Tagung wollen Sie untersuchen, wie Jazz und Kirche sich gegenseitig inspirieren. Geht es da etwa um den Pseudo-Swing in den neueren Kirchenliedern?
Die Lieder, die Sie meinen, sind je gar mehr neu. In den Fünfziger- und Sechziger Jahren gab es die Bewegung, neue geistliche Lieder zu schaffen. Viele davon, die es in Gesangbuch geschafft haben, sind an die Rhythmik des Jazz angelehnt. Aber außer „Danke für diesen guten Morgen“ wird ja kaum noch etwas davon gesungen. Der Jazz hat aber weit darüber hinaus eine Menge mit der Kirche zu tun. Wir können zum Beispiel beobachten, dass Kirchen immer häufiger von Jazzmusikern als Konzertorte nachgefragt werden.

Zur Person

Julia Koll ist Pastorin und Studienleiterin für Theologie und Ethik an der Evangelischen Akademie Loccum. Im Rahmen der Tagung mit dem Titel „Changing Places: Wie Jazz und Kirche einander inspirieren“ gibt es auch ein Konzert: Am 4. September, 19.30 Uhr, spielt der norwegische Pianist Tord Gustavsen mit seinem Trio in der Stiftskirche Loccum. Am 5. September lädt die Akademie um 19.30 Uhr zu einem Jazz-Gottesdienst in die Stiftskirche: Er wird musikalisch von Tord Gustavsen, Uwe Steinmetz und Daniel Stickan gestaltet.

Warum?
Jazz trägt ohnehin viel Religiöses in sich. Nicht nur wegen seiner Wurzeln im Gospel und Spirituals. Es ist schon auffällig, dass große Musiker wie Duke Ellington, John Coltrane oder Ella Fitzgerald immer auch ihre Glaubenserfahrung mit in die Musik geholt haben. Das trifft auch auf den Pianisten Tord Gustavsson zu, der bei uns spielen wird, zu. Er ist wie viele Jazzmusiker auch biografisch in die Kirche eingebunden: Er stammt aus einer Kirchenmusikerfamilie.

Kann der Jazz die Kirchenmusik verändern?
Das ist umstritten und gerade deshalb Thema bei uns. Wie gut passt das zusammen? Kann man da noch mitmachen? Das ist bei Kirchenmusik immer wichtig. Es gibt seit rund 15 Jahren die Gospelbewegung, das war eine ungeheuere Welle, die sich jetzt ein bisschen beruhigt hat. Aber es war ein Aufbruch, andere Formen in die Kirchenmusik zu bringen. Vielleicht auch Musik, die körperlicher ist und leicht Emotionen anspricht. Und dann gibt es seit einiger Zeit die Pop-Kantoren, die Popularmusik in der Kirche stärken wollen. 

Heißt das, dass die Kirchenorgel bald ausgedient hat?
Man muss sich schon ernsthaft fragen, welchen Stellenwert die Orgel in der Kirche wirklich noch hat. Allerdings setzt die Ausbildung von Kirchenmusikern noch immer sehr stark auf diese Richtung.

Ist das ein Grund, warum die Kirche Nachwuchsprobleme bei ihren Musikern hat?
Zum einen sitzt die Kirchenmusik mit der Kirche in einem Boot. Das gibt es gemeinsame Probleme. Auf der anderen Seite hat die Kirchenmusik aber längst den Anschluss an die allgemeine Musikentwicklung verloren. Wir wollen nun fragen, welche Art von Musik die Menschen stärker macht und sie zu ihrer eigenen Stimme finden lässt. Von seiner Anlage hat der Jazz das Zeug dazu, eine solche Musikkultur zu stärken.

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