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Kultur Pe Werner im Jazz Club
Nachrichten Kultur Pe Werner im Jazz Club
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02:15 06.04.2017
Die Kunst, es kribbeln zu lassen: Pe Werner mit Frank Chastenier (links). Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Es hat tatsächlich gekribbelt. Nicht lange. Aber immerhin so vier, fünf Minuten. Passiert ist es nach etwa einer Stunde. Ihren großen Hit hat sich Pe Werner nicht für das Finale aufgehoben, was Sänger und Sängerinnen mit einem One-Hit-Wonder in der Regel tun. Nein, sie hat ihr „Kribbeln im Bauch“ einfach mal zwischendurch, so nebenbei, eingestreut. Zwischen Jazz-Ballade und einer sehr entschleunigten Version des Chansonklassikers „Ne me quitte pas“.

Was will sie uns damit sagen? Vielleicht: Seht her, ich habe es nicht nötig, auf Hits zu setzen. Der Schlager gehört jetzt anderen. Ich mache jetzt Jazz und Chansons. Musik mit Anspruch. Auch Gedichte zu rezitieren, passt zu der Frau, die sich auf Kabarettbühnen auskennt. Und sie lässt sich von einem der besten deutschen Jazz-Pianisten begleiten, dem dreifachen Grammy-Gewinner Frank Chastenier. Der, so scheint sie zu sagen, würde das nicht tun, wenn unsere Musik nicht Tiefe hätte.

Diese Botschaft kommt an. Der Jazz Club ist ausverkauft beim Tourauftakt des Werner/Chastenier-Duos, für den sich die beiden mit Bedacht Hannover ausgewählt haben. Der Applaus für das „Kribbeln im Bauch“ ist ungefähr genauso stark wie nach dem Konzerteinstieg für ihre Interpretation von Lionel Richies „Hello“. Oder zur Zugabe mit Paul Simons „50 Ways To Leave Your Lover“; oder dem zum Rezitativ umgeformten Grönemeyer-Hit „Mensch“. Dass Werner jetzt Jazz und Chansons singt, ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für die Werner. Sie macht aus wenig viel. Sie intoniert akkurat, aber nach den Sternen greift sie stimmlich nicht. Ihre lauwarmen Gefühlsdramen gewinnen erst durch Chasteniers subtile Begleitung Tiefe. Er ist einer, der ganz viel weglässt. Und gerade dadurch großartig klingt. Jeder Ton fügt sich in mit wunderbaren Harmonien eingebettete Klangbilder. Über anderthalb Stunden die Spannung aufrechtzuerhalten von Zweien, die auf leisen Sohlen gehen, ist durchaus eine Kunst. Die Kunst, es kribbeln zu lassen.

Von Bernd Schwope

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