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Kultur Perfekter Indie-Pop von "Die Höchste Eisenbahn"
Nachrichten Kultur Perfekter Indie-Pop von "Die Höchste Eisenbahn"
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15:36 05.11.2016
Indie-Pop im Musikzentrum: "Die Höchste Eisenbahn". Quelle: Villegas
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Hannover

Das ist schon ein kleiner Singer-Songwriter-Konfetti-Regen, der sich in der Bandformation „Die Höchste Eisenbahn“ zusammengefunden hat. Und das textsichere Publikum in Hannover wusste vermutlich genau von diesem Kaliber, als es sich im gut gefüllten Musikzentrum versammelte. Die Höchste Eisenbahn, das sind Moritz Krämer, vorher wunderbar Solo unterwegs, und Francesco Wilking, Sänger der grad hoffentlich nur pausierenden Band Tele.

Seit 2011 bringen die beiden ihre bis zum Rand gefüllten Liedtexterseelen zusammen. Begleitet werden sie von Max Schröder (Tomte, Olli Schulz und der Hund Marie) und Felix Weigt (Kid Kopphausen, Spaceman Spiff) – das Who is Who der neuen deutschen Liedermacherszene.  Nach „Schau in den Lauf, Hase“ folgte dieses Jahr ihr zweites Album „Wer bringt mich jetzt zu den anderen“, das schon bei den ersten Takten Blitzliebe für die Klavierakkorde und den krämeresken Schnuffelton („Dein Tag ist ein Buch / meiner warst Du“) garantiert. Diese markant gebrochene Stimme vermisst man an dem Abend an mancher Stelle, an der man sie bei den Studioaufnahmen ins Herz geschlossen hat. Egal. Liebe.

Liebevoll gemachten Indie-Pop gab es am Freitag von der Berliner Band "Die Höchste Eisenbahn".

Musikalisch liefert die Band richtig gut gemachten Indie-Pop, eingängige Riffs, sphärische Synthesizer-Momente mit ein bisschen 70er-Jahre Popreminiszenzen mit Keyboard, hier und da Streichereinsätze für die Emphase. Die jahrelangen Erfahrungen jedes Einzelnen in besten Kreisen sind spürbar. Mit Zugabe spielen sie an dem Abend fast zwanzig Stücke vom neuen und alten Album. Man wünschte, es gäbe mehr. „Wir sind gute, gute Leute“, singen sie selbst. Stimmt.

Die Texte zeigen diese feinen Beobachtungen, die einen mit Fragen wie „Vielleicht waren wir ja zu langsam“ mitten in der irrationalsten Empfindung treffen. Texte von naiver Ehrlichkeit  („Ist das Deine Antwort? Klar bin ich enttäuscht, ich hab immer gehofft, dass noch irgendwas kommt“), unvorhersehbar und rauh, und dann wieder mit entwaffnenden Liebeserklärungen voller Leichtigkeit: „Ich lieb dich / jetzt werd nicht rot / seit ich zwölf bin / Jetzt tu nicht so / ja solange schon“.

In jedem Lied merkt man die Hingabe der Sänger, Geschichten erzählen zu wollen, improvisierend und grotesk, mit unerwarteten Wendungen, und manchmal einfach verspielt wie bei dem titelgebenden Timmy, der später auf einer Insel auf den britischen Jungfern in einer 18-Schlafzimmervilla wohnt. „Und im Speisesaal fliegen Aras, die den ganzen Tag schreien“. Diese Nähe zum Lagerfeuer-Storytelling wird auch auf der Bühne deutlich:  Zu einem unterlegten Klangteppich plaudern sie einfach drauf los, verlieren sich fast in ihren Geschichten, bis sie überraschend wieder zurückfinden. Wenn es fernab von der bekannten Kassettennostalgie der Mittdreißiger noch Gutenachtgeschichten gäbe, dann müssten es genau solche sein. Und man könnte nicht schlafen, weil die Texte wach und neugierig auf mehr machen.

Katharina Derlin

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