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„Ich habe gefluchtet“

Theater und Flucht „Ich habe gefluchtet“

Das Thema Flucht beschäftigt auch die Theater. Am Schlosstheater Celle hatte jetzt "Fluchtpunkt Celle" von Peter Schanz Premiere - eine Revue, die Fluchtgeschichten von heute mit denen vom Ende des Zweiten Weltkrieges verknüpft. Das Ganze war vor allem gut gemeint.

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Flüchtlinge im Koffergebirge: v.l.n.r.: Tiana Kruškić, Johanna von Gutzeit, Katrin Steinke-Quintana, Hevi Yusef, Jürgen Kaczmarek, Jasmin Kruškić

Quelle: Benjamin Westhoff

Celle. „Wir schaffen das“, ist auf der Rückseite des Programmheftes zu lesen. Der Optimismus der Kanzlerin wirkt ansteckend. Auch das Schlosstheater Celle will es schaffen und bemüht sich – wie viele andere Bühnen auch - Sinnvolles zum Flüchtlingsthema beitragen. Mit einem guten Plan: Peter Schanz, der als Autor witziger und kluger Revuen in Braunschweig und anderswo bekannt ist, hat ein Theaterprojekt zum Thema Flucht und Vertreibung entwickelt. Auf der Bühne wirken Celler Schauspieler und Flüchtende zusammen – Theater ist ja ein wunderbares Medium der Zusammenarbeit. Man singt miteinander (besonders auffällig ist dabei Tiana Kruskic, die eine grandiose Stimme hat) und erzählt neue und alte Geschichten von den Gefahren der Flucht und den Schwierigkeiten des Ankommens. Nachkriegsgeschichte und aktuelle Situation werden miteinander verknüpft. Das Theater zeigt sich im besten Sinn als Stadttheater: Zeitzeugen aus Celle kommen zu Wort. Und mit den alten und den neuen Geschichten wird klar, dass Deutschland ein Land von Geflüchteten ist.

Ach, es hätte so schön sein können. Doch am Ende war es vor allem: gut gemeint.

Die Probleme fangen mit der Bühne (von Carolin Schwarz) an: ein Gebirge aus alten und nicht ganz so alten Koffern, darauf sitzen traurige Gestalten. Im Hintergrund: Theaternebel. Es sieht aus wie ein Tableaux aus dem Auswandererhaus in Bremerhaven. Fluchtfolklore. Besonders, wenn oben auf den Kofferbergen traurige Lieder aus der alten Heimat gesungen werden.

Und dann die Sprache. Zwar treten auch Migranten auf, aber es sind nur wenige. Also müssen Celler Schauspieler die Texte zu Flucht und Ankunft lesen, die der Autor in der Region gesammelt hat. Da schwärmt dann eine deutsche Schauspielerin vom „Schawimmen lärnen“ und lobt den „Landekrais Celle“ für seine Kursangebote. Ein anderer sagt: „Ich habe gefluchtet“. Das ist eine Art sprachliches Blackfacing – sehr unangenehm.

Eine Utopie des Zusammenlebens wird auch formuliert: Einfach mal was zusammen machen. Und: zusammen singen. Ja, dann. Dann schaffen wir das schon.

Am Ende des zweistündigen Abends dürfen sich die Zuschauer durchaus unterfordert fühlen. Trotzdem gibt es freundlichen bis begeisterten Applaus. Einige wenige Zuschauer haben sich zum Applaudieren erhoben und bleiben geradezu trotzig bis zum Ende stehen.

Das Team des Schlosstheaters hat es nicht geschafft. Am Ende war es auch den Beteiligten klar, Peter Schanz wurde als Regisseur entlassen, irgendwie brachte man die Proben zu Ende. Die Premiere fand trotzdem statt.

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