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Kultur Petrenko tritt mit den Berliner Philharmonikern auf
Nachrichten Kultur Petrenko tritt mit den Berliner Philharmonikern auf
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03:00 26.03.2017
Von Stefan Arndt
Geschafft: Kirill Petrenko nach dem Konzert mit den Berliner Philharmonikern. Quelle: Monika Rittershaus
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Berlin

Man könnte denken, Kirill Petrenko sei ein wenig abergläubisch. Bei seinem ersten Auftritt als gewählter Chefdirigent bei den Berliner Philharmonikern sieht es fast so aus, als würde er die letzten Akkorde eines Stücks nicht wie üblich abwinken. Als solle hier bloß nichts zu Ende gehen, ehe es überhaupt begonnen hat. Schließlich tritt der russische Dirigent sein Amt offiziell erst in zwei Jahren an. Nur wenn man ganz genau hinschaut, kann man vage eine Bewegung mit der Fingerkuppe erkennen, die anzeigt, wann der Akkord verklingen soll. Den Musikern dieses imposanten Kollektivs scheint das aber ohnehin klar zu sein. Und auf überflüssige Bewegungen verwendet Petrenko keine Energie.

Keine überflüssige Bewegung

Die verschwendet der Dirigent an anderer Stelle umso reichlicher. In Peter Tschaikowskys emotionale „Pathétique“-Sinfonie etwa geht Petrenko mit so hohem Einsatz hinein, dass man fast Angst um den klein gewachsenen Mann bekommen könnte. Einmal, als die düsteren Akkorde immer lauter drängen, werden seine Bewegungen immer kleiner, sodass es aussieht, als würde er die ganze Gewalt dieser Musik in sich aufsaugen. Dann wieder feuert er die Philharmoniker, die ohnehin stets mit größtem Einsatz bei der Sache sind, mit großen Gesten zu noch größerem Engagement an. Am Schluss des effektvollen dritten Satzes kann so selbst das abgeklärte Berliner Publikum nicht an sich halten und jubelt mitten in der Sinfonie.

Kirill Petrenko wurde 1972 im sibirischen Omsk geboren und hat in Wien studiert. Von 1999 bis 2002 war er musikalischer Hausherr in Meiningen, wo er mit einer spektakulären „Ring“-Produktion für Aufsehen sorgte. Es folgten die Chefposition an der Komischen Oper Berlin und Gastspiele bei großen Orchestern und Festivals wie den Bayreuther Festspielen. Seit 2013 ist er Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München, die er noch bis zum Ende der Spielzeit 2019/2020 leiten wird. 2019 soll er schließlich einen Spitzenposten im europäischen Musikbetrieb übernehmen: Er wird Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

Man ahnt also, was das Orchester bewegt haben mag, Petrenko vor zwei Jahren zum Nachfolger von Simon Rattle zu küren. Überraschend war seine Wahl trotzdem. Erst in einer zweiten Abstimmung konnten sich die Musiker auf den Russen einigen, der damit die hoch gehandelten Favoriten Christian Thielemann und Andris Nelsons leer ausgehen ließ. Anders als diese beiden Dirigenten, die häufig in Berlin zu Gast waren, ist Petrenko dem Orchester nicht einmal besonders gut bekannt. Gerade drei Auftritte haben offenbar genügt, um die anspruchsvollen Philharmoniker zu überzeugen.

Überzeugungsarbeit in Berlin

Dabei ist Petrenko weit entfernt von der selbstbewussten Souveränität eines Thielemann oder der scheinbar mühelosen Natürlichkeit von Nelsons. Bei ihm spürt man ein Risiko in seinem konzentrierten Musizieren. Dazu passt, dass er anders als weithin üblich sämtliche Werke seines Berliner Auftritts - neben Tschaikowsky Mozarts „Haffner“-Sinfonie und „The Wound-Dreser“ von John Adams - vorsichtshalber aus den Partituren dirigiert, deren Seiten er noch dazu oft lautstark umblättert.

Petrenko strahlt nicht die Sicherheit anderer Stardirigenten aus, deren pure Anwesenheit Publikum und Musikern oft schon Großes zu versprechen scheint. Er stürzt sich im Konzert mit Herz und Haut und Haaren in die Musik. Und es erscheint ungewiss, ob er immer heil wieder herauskommen wird. In der Philharmonie wurde der Neue dafür diesmal enthusiastisch gefeiert. Den Berliner Philharmonikern stehen aufregende Zeiten bevor.

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