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Philipp Hochmair spielt im Schauspielhaus

Gastspiel in Hannover Philipp Hochmair spielt im Schauspielhaus

Dieser Jedermann gibt alles. Schauspieler Philipp Hochmair trat mit "Jedermann reloaded" im Schauspiel Hannover auf. Er spielte alle Rollen des Mysterienspiels von Hugo von Hofmannsthal. Musikalisch unterstützt wurde er von der "Elektrohand Gottes".

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Goldjunge: Philipp Hochmair

Quelle: Mieth

Hannover. „Mein Haus“, sagt Jedermann und misst stolz mit seinem Blick den ganzen Raum aus. Das ist durchaus doppeldeutig gemeint. Denn einerseits ist spricht hier der Jedermann von Hugo von Hofmannsthal, der reiche Mann, dem all seine Güter und all seine Macht doch nicht helfen, wenn es ans Sterben geht. Und andererseits spricht hier auch der Schauspieler Philipp Hochmair, der auf der Bühne des hannoverschen Schauspiels einige erste Schritte seiner Karriere unternommen hat.

Hochmair hat hier vor 15 Jahren in der Inszenierung von Nicolas Stemann den Hamlet gespielt. Eine große Sache war das. Danach war Hochmair Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater und am Hamburger Thalia Theater.

Und jetzt ist er wieder in Hannover, in „seinem Haus“ und gibt den „Jedermann“. Er spielt das große Stück allein, jedenfalls fast: Tobias Herzz Hallbauer und Jörg Schittkowski, die beiden Musiker, die sich „Die Elektrohand Gottes“ nennen, stehen mit ihm auf der Bühne, aber alle Figuren des Mysterienspiels, den Jedermann, den Armen, den Schuldner, den Tod, die Mutter und die Buhlschaft, spielt Philipp Hochmair.

Er steigt gleich mit viel Saft und Kraft in die Sache ein. Er raucht eine Zigarre (viel zu hastig, viel zu heiß, als dass das ein Geschmackserlebnis sein könnte), trinkt Bier aus der Flasche, fährt mit der Zunge über das Mikrofon.

Die Mikrofonleckerei ist nicht so schlimm, es muss hinterher wahrscheinlich ohnehin gereinigt werden, denn Hochmair spricht, wie es alte Schauspielerart ist: mit erheblichem Speichelfluss. Später gönnt er sich eine Bierdusche auf offener Bühne und am Ende, wenn es heißt, dass Jedermann die Reise antreten und sind Grab steigen muss, schreitet er durch die Reihen des (nicht ausverkauften) Schauspielhauses und umarmt einige Zuschauer. Erstaunlicherweise riecht er kaum nach Bier. Eher nach Nivea.

Hochmair packt das Publikum mit bekannten Mitteln: Verausgabung und Grenzüberschreitung. Mehrfach greift er sich beherzt in den Schritt, abwechselnd küsst er Geldbörse und Kreuz. Er spricht, predigt, beschwört, singt und schreit. Er tanzt und trampelt. Er feiert die Wörter, aber oft sucht er Ausdruck jenseits von Wörtern er brüllt und krächzt und kiekst. Im Hintergrund krächzt und kiekst die E-Gitarre. Hochmair gibt viel. Er überzeichnet, aber in diesem Stück ist Überzeichnung erlaubt. In schlechten Momenten erinnert er an Ben Becker, in guten an Klaus Maria Brandauer (der einer seiner Schauspiellehrer war). Er füllt die Bühne und packt sein Publikum. Und er spielt ein bisschen damit, dass er das kann. Das Ganze ist eine Kraftanstrengung, aber er zeigt immer eine gewisse Lockerheit und einen gewissen Spaß an der Sache. Oft lacht er, das wirkt spitzbübisch und sehr, sehr charmant.

Die Zuschauerinnen applaudierten lange und begeistert.

Bereits am Dienstag gibt es das nächste Gastspiel im hannoverschen Schauspielhaus. Das Nationaltheater Weimar zeigt von 19.30 Uhr an Jan Neumanns Inszenierung von Kleists „Der zerbrochne Krug“.

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