Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Philipp Hochmair spielt im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Philipp Hochmair spielt im Schauspielhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 08.06.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Goldjunge: Philipp Hochmair Quelle: Mieth
Anzeige
Hannover

„Mein Haus“, sagt Jedermann und misst stolz mit seinem Blick den ganzen Raum aus. Das ist durchaus doppeldeutig gemeint. Denn einerseits ist spricht hier der Jedermann von Hugo von Hofmannsthal, der reiche Mann, dem all seine Güter und all seine Macht doch nicht helfen, wenn es ans Sterben geht. Und andererseits spricht hier auch der Schauspieler Philipp Hochmair, der auf der Bühne des hannoverschen Schauspiels einige erste Schritte seiner Karriere unternommen hat.

Hochmair hat hier vor 15 Jahren in der Inszenierung von Nicolas Stemann den Hamlet gespielt. Eine große Sache war das. Danach war Hochmair Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater und am Hamburger Thalia Theater.

Und jetzt ist er wieder in Hannover, in „seinem Haus“ und gibt den „Jedermann“. Er spielt das große Stück allein, jedenfalls fast: Tobias Herzz Hallbauer und Jörg Schittkowski, die beiden Musiker, die sich „Die Elektrohand Gottes“ nennen, stehen mit ihm auf der Bühne, aber alle Figuren des Mysterienspiels, den Jedermann, den Armen, den Schuldner, den Tod, die Mutter und die Buhlschaft, spielt Philipp Hochmair.

Er steigt gleich mit viel Saft und Kraft in die Sache ein. Er raucht eine Zigarre (viel zu hastig, viel zu heiß, als dass das ein Geschmackserlebnis sein könnte), trinkt Bier aus der Flasche, fährt mit der Zunge über das Mikrofon.

Die Mikrofonleckerei ist nicht so schlimm, es muss hinterher wahrscheinlich ohnehin gereinigt werden, denn Hochmair spricht, wie es alte Schauspielerart ist: mit erheblichem Speichelfluss. Später gönnt er sich eine Bierdusche auf offener Bühne und am Ende, wenn es heißt, dass Jedermann die Reise antreten und sind Grab steigen muss, schreitet er durch die Reihen des (nicht ausverkauften) Schauspielhauses und umarmt einige Zuschauer. Erstaunlicherweise riecht er kaum nach Bier. Eher nach Nivea.

Hochmair packt das Publikum mit bekannten Mitteln: Verausgabung und Grenzüberschreitung. Mehrfach greift er sich beherzt in den Schritt, abwechselnd küsst er Geldbörse und Kreuz. Er spricht, predigt, beschwört, singt und schreit. Er tanzt und trampelt. Er feiert die Wörter, aber oft sucht er Ausdruck jenseits von Wörtern er brüllt und krächzt und kiekst. Im Hintergrund krächzt und kiekst die E-Gitarre. Hochmair gibt viel. Er überzeichnet, aber in diesem Stück ist Überzeichnung erlaubt. In schlechten Momenten erinnert er an Ben Becker, in guten an Klaus Maria Brandauer (der einer seiner Schauspiellehrer war). Er füllt die Bühne und packt sein Publikum. Und er spielt ein bisschen damit, dass er das kann. Das Ganze ist eine Kraftanstrengung, aber er zeigt immer eine gewisse Lockerheit und einen gewissen Spaß an der Sache. Oft lacht er, das wirkt spitzbübisch und sehr, sehr charmant.

Die Zuschauerinnen applaudierten lange und begeistert.

Bereits am Dienstag gibt es das nächste Gastspiel im hannoverschen Schauspielhaus. Das Nationaltheater Weimar zeigt von 19.30 Uhr an Jan Neumanns Inszenierung von Kleists „Der zerbrochne Krug“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur "Stranger to Stranger" von Paul Simon - Keine Zeit für schwache Songs

Auf Paul Simon ist Verlass. Alle paar Jahre bringt der Mann, den die Sixties-Hits mit dem Softpop-Duo Simon & Garfunkel früh zum Weltstar machten, zehn oder elf neue Songs heraus. Ein schwacher ist auch jetzt wieder nicht darunter.

04.06.2016
Kultur Gregor Meyle im Capitol - Romantik wie am Lagerfeuer

Bodenständig, witzig und den Blick immer nach vorn: Gregor Meyle spielt am Freitagabend bei seinem Konzert im fast ausverkauften Capitol Liebeslieder voller Leichtigkeit. 

06.06.2016

Erstmals seit der Eröffnung der Erweiterungsbaus zeigt sich das Sprengel-Museum jetzt auf allen Ebenen in neuer Aufstellung. Die neue Ausstellung "130% Sprengel" ist die größte in der Geschichte des Museums.

Daniel Alexander Schacht 06.06.2016
Anzeige