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Wohnen auf dem Mond? Warum nicht?!

Interview mit Physiker Wohnen auf dem Mond? Warum nicht?!

Florian Nebel, 39, hat in Kernphysik promoviert und arbeitet seit fast zehn Jahren als Systemingenieur in der Luft- und Raumfahrtbranche. In seinem neuen Buch „Die Besiedlung des Mondes“ (Landwirtschaftsverlag Münster, 260 Seiten, 19,95 Euro) beschreibt er, was man tun müsste, um Menschen dauerhaft auf dem Mond anzusiedeln – und was das kosten würde.

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„Selbstverständlich möglich“: Von der Besiedlung des Mondes braucht man nicht nur zu träumen – man kann sie auch berechnen.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Herr Dr. Nebel, in Ihrem neuen Buch haben Sie durchgerechnet, was die Besiedlung des Mondes kosten würde. Ihr Ergebnis: zwischen 70 und 257 Milliarden US-Dollar. Das klingt, als wäre so eine Mondsiedlung durchaus machbar.

Ja, ich finde auch, dass es durchaus machbar ist. Im Grunde ist es nicht viel teurer als das, was wir im Moment für die Internationale Raumstation zahlen.

Aber es ist ein gigantisches Projekt. Und man fragt sich: Ist das wirklich nötig?

Die Frage nach der Notwendigkeit ist in der Raumfahrt immer ein schwieriges Thema. Uns Menschen fällt es schwer, für immer an einem Ort zu bleiben. Daher wird es unumgänglich sein, dass wir irgendwann auch andere Himmelskörper besiedeln. Wenn man sich anschaut, was etwa bei den Apollo-Missionen als Spin-off-Technologien herausgekommen ist, dann wird klar, dass viele andere Bereiche jenseits der Raumfahrt auch von einer Mondsiedlung profitieren werden. Deshalb: Ja, für die Entwicklung der Menschheit ist eine Mondsiedlung sicher nötig.

Sie gehen in Ihrem Szenario einer Mondbesiedlung davon aus, dass man kleine Atomreaktoren auf dem Mond installieren wird. Vielen Menschen dürfte es wohl nicht gefallen, dass Raketen von der Erde starten, die Atomkraftwerke transportieren. Warum sollen die zukünftigen Mondbewohner nicht Solarzellen zur Energiegewinnung nutzen?

Der Mondtag dauert etwas mehr als 29 Tage, entsprechend dauert eine Nacht auf dem Mond über 14 Tage. Das macht die Nutzung von Solarenergie an den meisten Stellen sehr kompliziert. Lediglich in den Polregionen gibt es Berge, die die meiste Zeit im Sonnenlicht liegen. Da könnte man eine Station mit Solarenergie versorgen. Der Vorteil des Kernreaktors liegt in der enormen Spezifischen Leistung – und auch darin, dass man die Abwärme zum Beheizen der Station nutzen könnte.

Wie sind Sie darauf gekommen, das Projekt Mondbesiedlung so akribisch durchzurechnen?

Das lag unter anderem an den Verschwörungstheorien, die um 2010 unterstellten, dass die Nasa nie auf dem Mond gewesen sei. Eines der Argumente der Verschwörungstheoretiker war, dass es heute technisch nicht möglich sei, auf den Mond zu fliegen. Also habe ich mich dieser Frage im Detail gewidmet und nachgeprüft, ob und wie eine Reise zum Mond heute technisch möglich ist. Ich habe da keinen Widerspruch gefunden: Selbstverständlich ist es möglich.

Aber Sie haben ja nicht über eine einmalige Reise zum Mond nachgedacht, Sie haben gleich berechnet, wie teuer der Aufbau einer Mondkolonie werden würde.

Genau. Ich fand es immer ein bisschen schade, dass man für die Apollo-Missionen so viel Geld ausgegeben hatte, ohne davon nachhaltig etwas zu haben. Praktischer wäre es, gleich dort zu bleiben und eine Siedlung zu gründen, die sich selbst ernähren und auch wachsen kann. Dann hätte man auch einen Außenposten der Menschheit im All etabliert. Der bietet Vorteile für weitere Reisen.

Sie haben alles sehr genau durchkalkuliert. Und zwar auf Grundlage der technischen Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen. So kommen Sie dann etwa auf die Idee, dass Bergleute zu den ersten Siedlern gehören müssten. Warum rechnen Sie nicht mit weiteren technischen Entwicklungen? Es ist doch sehr wahrscheinlich, dass Roboter besser im lunaren Wohnungsbau wären als Bergleute.

Noch gibt es leider keine Roboter, die das können. Ich glaube nicht, dass man den Menschen so leicht durch einen Roboter ersetzen kann. Bergleute sind wichtig, weil die ersten Siedlungen auf dem Mond zum Schutz der Menschen vor der Strahlung unter der Mondoberfläche sein werden. Ich bin absichtlich nicht von technischen Neuerungen ausgegangen, die wir noch gar nicht kennen. Zukünftige technische Fortschritte würden die Machbarkeit des Projekts der Mondbesiedlung noch erhöhen. Andererseits sollte man aber auch nicht zu viel Hoffnung in zukünftige technische Entwicklungen setzen.

Warum nicht?

Im Rahmen meiner Recherche habe ich auch Literatur aus den Achtziger- und Neunzigerjahren zum Thema Mondsiedlung gelesen. Die Spekulationen von damals haben sich im Wesentlichen als falsch herausgestellt.

Viele Menschen denken heute eher über eine Reise zum Mars nach als über eine Mondmission. Was muss geschehen, damit der Mond wieder attraktiv wird?

Ich hoffe, dass sich da die Vernunft durchsetzt. Ein Mars.Projekt ist zwar sehr spektakulär, da man dort noch die Möglichkeit hat, der Erste zu sein; aber selbst wenn man vom Mars gleich wieder zurück möchte, muss man zwangsweise etwa 500 Tage dort bleiben. Man muss also siedeln. Es wäre sinnvoll, für solch eine Siedlung Erfahrungen auf dem Mond zu sammeln. Denn der ist im Notfall relativ leicht zu erreichen.

Was denken Sie, wird in nächster Zukunft auf dem Mond geschehen?

Ich denke, in naher Zukunft werden wir verstärkt private Missionen zum Mond erleben, sowie ein anhaltendes Interesse von Russland, China und Indien. Auch eine Rückkehr der USA in den Mondorbit ist als Testflug des Orion-Raumschiffs fest geplant.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

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