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Plewka: "Wir müssen nicht mehr die bösen Jungs spielen"

Interview Plewka: "Wir müssen nicht mehr die bösen Jungs spielen"

Selig ist wieder zurück auf Deutschlands Bühnen. Im Interview erzählt Sänger Jan Plewka über Prügeleien am Tour-Bus, das Gefühl von Frieden und einem Leben als Post-Rockstar.

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Selig-Sänger Jan Plewka.

Quelle: Archiv

Herr Plewka, Ihre Band Selig hat sich 1999 aufgelöst – nun sind sie in alter Besetzung plötzlich wieder auf großer Deutschlandtour. Wieso das?
Es ist ein tolles Gefühl, vielleicht reicht das ja schon. Wir haben uns im vergangenen Jahr getroffen, dann haben wir es einfach mal ausprobiert, und es hat sofort wieder funktioniert.

Ihr neues Album „Wir werden uns wiedersehen“ knüpft musikalisch an alte Zeiten an. Was hat sich für Sie nach zehn Jahren Selig-Pause verändert? 
Es ist einiges einfacher geworden. Wir müssen nicht mehr die bösen Jungs spielen, die all die Rocker- klischees noch übertreffen wollen. Heute können wir uns richtig frei fühlen. Das ist eine unfassbar schöne Zeit gerade, wie im Traum.

Das klingt so, als wäre es damals gar nicht so toll gewesen.
In den Neunzigern gab es vor uns nicht viel deutschsprachige Musik: Die Ärzte, Grönemeyer, Die Toten Hosen, das war's. Wir sahen uns damals als die legitimen Erben von Ton Steine Scherben, wir wollten deutschsprachige Musik wieder hörbar machen. Da wollten wir mit dem Kopf durch die Wand, wir haben alles gegeben. Wir waren absolute Workaholics, haben Tag und Nacht an der Karriere gebastelt. Damals konnten wir unseren Erfolg gar nicht genießen, wir waren Getriebene, es hat uns kaputtgemacht.

Zumindest war die Band nach fünf äußerst erfolgreichen Jahren und drei Alben am Ende. Warum?
Wir waren täglich 24 Stunden zusammen. Ich fühlte mich manchmal wie eine Amöbe, die mit den anderen zusammengewachsen war. Schon das dritte Album „Blender“ war mein Abschiedsbrief. Damals wusste ich: Es geht so nicht weiter.

Wie läuft eine Trennung unter Rockstars. Setzt man sich hin, sagt, dass es nicht mehr geht, sortiert die Finanzen?
Bei uns lief das schon stilechter. Der Bruch kam vor einem Konzert in Osnabrück. Wir haben für damals 400 Mark die Hotelbar leer getrunken. Anschließend auf der Bühne gab es ein echtes Desaster. Ich war zugedröhnt, konnte mich nicht mehr an den Text erinnern. Das war der absolute Tiefpunkt. Ich habe mich nach dem Konzert noch mit unserem Gitarristen Christian Neander geprügelt: im Scheinwerferlicht des Tourbusses, total pathetisch. Danach wusste jeder von uns: Es ist vorbei.

Und heute gibt es keine Exzesse mehr?
Nein. Heute genießen wir dieses unendlich schöne Gefühl von Freiheit und Frieden, das einen beschleicht, wenn man vor Hunderten Menschen steht, die unsere Lieder mitsingen. Da braucht man keine Drogen.

Sie sind nun 38 Jahre alt. Ist das schon die Milde des Alters?
Nein, es ist eher das gute Gefühl, alles geschafft zu haben. Deutschsprachige Musik ist heute in den Charts und wird im Radio gespielt, daran hatten wir unseren Anteil. Heute sind wir mit unseren deutschen Texten ganz normale Rockmusiker. Na ja, eigentlich nennt man es wohl heute schon Retrorock.

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