Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Poesie und Pose
Nachrichten Kultur Poesie und Pose
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:50 05.09.2017
Ananas-Friseur und nackter Damenpo bei Doris Uhlichs Produktion "Mehr als genug". Quelle: Salzmann
Anzeige

Ein blanker, weiblicher Po wirbt für den Abend. Doch solche Nacktheit ist dabei erst später zu besichtigen. Zuvor steht Poesie auf dem Programm. Die österreichische Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich rezitiert in ihrem oberösterreichisch gefärbten Französisch ein Gedicht von Charles Baudelaire – schwärmerische Zeilen über die Schönheit aus dem Gedichtzyklus „Les Fleurs du Mal“, die Blumen des Bösen.

Nachdem Uhlichs Bühnenpartnerin Virginie Roy in frei fließenden Bewegungen dazu getanzt hat, übersetzt Roy das Gedicht ebenso frei ins Deutsche. Uhlich tritt in schwarzen langen Hosen und einem eierschalenfarbenen Top auf, das vorn geschlossen ist und hinten ein Knoten zusammenhält, dazu High Heels. Roy trägt Schwarz, Jeans, T-Shirt und Sportschuhe.

Pudertanz in der Kunstwolke

Später wird sich Uhlich mit demonstrativer Gelassenheit ganz ausziehen. Und sie wird im ausverkauften Ballhof Zwei, in dem die gut einstündige Performance „Mehr als genug“ im Rahmen des Tanztheater International gastiert, den Sechzigerjahre-Ohrwurm „Can’t Take My Eyes Off of You“ trällern und Piafs Chanson „Non, je ne regrette rien“ in einer fantasievollen Gebärdensprache begleiten. Nichts ist zu bedauern. Zwischendurch telefoniert Uhlich in Echtzeit. Mit einer Kollegin in Brüssel, die zur Companie von Teresa De Keersmaeker gehört. Mit einem Thomas, der seine Glatze „cool“ findet. Mit einem Otto, der das Berühren von Füßen sinnlich spürt. Und mit Susanne, einer langjährigen Tänzerin beim Wiener Staatsopernballett, für die Schlanksein eine religiöse Seite hat.

Wir erfahren nicht, ob diese Susanne den „Pudertanz“ kennt, den Uhlich dann aufführt: Zum „Allegro non molto“ aus Vivaldis „Winter“ stäubt sie sich zuerst mit Körperpuder ein, um danach in der wohlriechenden Wolke ihre Haut von den Oberschenkeln bis zu den Oberarmen schwabbeln zu lassen. „Das Fett tanzt“, sagt Uhlich. Und das klingt allenfalls komisch. Denn an diesem Abend erleben wir einen durchaus ernst gemeinten philosophischen Exkurs über unsere schrägen Vorstellungen eines Idealkörpers. Vorgetragen von einer Frau mit perfekt sitzender Ananas-Frisur.

Heute beim Tanztheater International: „Boom Bodies“ von Doris Uhlich, 20 Uhr, in der Orangerie Herrenhausen. Restkarten gibt es noch an der Abendkasse.     

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Werke aus der Sammlung von Georg Girardet werden unter dem Namen "Grafik Ost" im Sprengel-Museum gezeigt. Die Ausstellung feierte jetzt Premiere. 

04.09.2017

„Viva la Vida!“: Helene Fischer probt in Dortmund für ihre neue Tour, deren Auftakt am 12. September in Hannover ist. Gleich fünf Konzerte gibt sie innerhalb von sechs Tagen in der Tui-Arena.

07.09.2017
Kultur Die Qualität des Unüberschaubaren - Zinnober-Kunstfest präsentiert 59 Kunstorte

Das 20. Zinnober-Kunstfest präsentiert mehr Kunstorte denn je: Die Szene gerät in Bewegung.

03.09.2017
Anzeige