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Kultur Bloß nicht in der zweiten Reihe
Nachrichten Kultur Bloß nicht in der zweiten Reihe
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00:15 09.07.2016
Von Stefan Arndt
Erfolgsverwöhnt: Markus Fein. Quelle: dpa
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Als der Bratscher Nils Mönkemeyer im vergangenen Jahr bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zu Gast war, gab es in der Reihe „360° Bratsche“ mehr als einen Rundumblick über das unterschätzte Instrument und seine Musik. Neben Konzerten mit Kompositionen in allen möglichen Stilen und Besetzungen konnte das Publikum an einem ganzen Wochenende mithilfe einer Minikamera auch Einblicke in das Innere einer Bratsche gewinnen. Und weil die auf Italienisch Viola heißt, was im Deutschen wiederum auch der Name für Veilchen ist, waren die Podien mit diesen Blumen geschmückt. Zum Abschluss konnten die Besucher schließlich mit der Viola auf Tuchfühlung gehen und sich mit Veilchenparfüm besprühen.

Das Programm trug mit seiner musikalischen Qualität und den vielen verspielten Details unverkennbar die Handschrift von Festspiel-Intendant Markus Fein. Dem geht es nämlich darum, „neue Erlebnisräume für das Publikum“ zu schaffen. Klassische Musik soll den Zuhörern nach seiner Vorstellung nahekommen und anfassbar werden. „Wir wollen hier die Top-Leute mit hohem dramaturgischen Anspruch präsentieren“, sagt er, „allerdings gebrochen durch eine große Zugänglichkeit und Nähe.“

Diese Prinzipien hatte Fein erstmals bei den Niedersächsischen Musiktagen erprobt. Dass er dabei viele neue Konzertformate entwickelt hat, wurde damals zu seinem Markenzeichen – und verschaffte Fein einen Ruf, der bald weit über die niedersächsischen Landesgrenzen hinaus zu hören war. Es war also kaum überraschend, dass er nach drei Jahren in Hannover auf einen Posten berufen wurde, der vielen in der Musikwelt als ein Traumjob erscheint: Er ging zu den Berliner Philharmonikern.

Lebensphilosophie in die Musik bringen

Doch richtig glücklich wurde der bis dahin stets erfolgsverwöhnte Musikmanager in Berlin nicht – schon nach anderthalb Jahren gab er den renommierten Job wieder auf. „Eigentlich war die gemeinsame Arbeit für einen erheblich längeren Zeitraum gedacht“, sagt er heute. Doch auch, wenn er den Berliner Chefdirigenten Simon Rattle für seine künstlerischen Visionen und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Motivator noch immer bewundert – die untergeordnete Position gefiel dem ehemaligen Intendanten nicht. „Für mich ist es spannender, bei einem etwas kleineren Apparat Chef zu sein, als bei einer riesigen Institution wie den Philharmonikern in der zweiten Reihe zu stehen“, sagt er. Fein löste seinen Vertrag auf – auch weil sich die berufliche Alternative bereits abzeichnete: Vor zwei Jahren startete er als neuer Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Das Festival wurde aus der Euphorie der deutschen Vereinigung 1990 in den letzten Tagen der DDR gegründet. Bei der Eröffnungsgala spielte der damalige Ministerpräsident (und ausgebildete Musiker) Lothar de Maizière ein Bratschenkonzert. Wie die Niedersächsischen Musiktage bringt es Musik an möglichst viele Orte im Land. Das macht es schwer, dem Festival ein klar erkennbares Profil zu verschaffen. „Schon als ich begonnen habe, war klar: Toller Künstler in der Scheune, das reicht nicht mehr“, sagt Fein. Es sei darum gegangen, eine Art Lebensphilosophie für das Festival zu schaffen.

Das ist Fein mit Festivalreihen wie „360°“ gelungen: mit liebevoll und detailreich gestalteten Programmen, die die Eigenarten der Künstler und der Veranstaltungsorte wie ein Vergrößerungsglas herausarbeiten. In der Summe ergeben sie ein Bild eines beispiellos fantasievollen Musikfestivals, das überdies auch finanziell erfolgreich und trotz seiner Größe fast immer ausgebucht ist. Die Auslastung bei den mehr als 130 Konzerten, die bis Mitte September in dem Land zu erleben sind, liegt zuverlässig bei über 90 Prozent.

Kein Wunder, dass Fein sich nach vielen eher kurzfristigen Engagements nun dauerhaft am rechten Ort fühlt. Mit Frau und seinem einjährigen Sohn Emil wohnt er in Schwerin.

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern dauern bis zum 17. September – dann spielt die NDR-Radiophilharmonie das Abschlusskonzert in Neubrandenburg. Die Reihe „360°“ widmet sich vom 8. bis zum 10. Juli in Ulrichshusen dem Klavier: Igor Levit hat dazu Kollegen wie Michael Wollny und Mahan Esfahani eingeladen. Am 5. und 6. August feiert Daniel Hope den 100. Geburtstag von Yehudi Menuhin. Karten und Programm unter Telefon (0 385) 5 91 85 85.

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