Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
"Hool" als ganz großer Theaterzauber

Premiere am Schauspiel "Hool" als ganz großer Theaterzauber

Ein starker Text in einer starken Inszenierung: Das Schauspiel Hannover hat Philipp Winklers Roman „Hool“ in einer Version von Lars Ole Walburg auf die Bühne gebracht. „Hool“ erzählt die Geschichte eines hannoverschen Hooligans.

Voriger Artikel
Volksbühne nimmt Stellung zu Besetzung
Nächster Artikel
Goethe-Fan Macron plant Besuch der Buchmesse

Premiere für "Hool" von Philipp Winkler am Schauspiel Hannover.

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Der Roman des 1986 in Hagenburg bei Hannover geborenen Winklers war eines der erfolgreichsten Veröffentlichungen des vergangenen Jahres und stand auf der Shortlist des deutschen Buchpreises. Der Aufbau-Verlag hat den Stoff schnell dem hannoverschen Schauspiel zur Dramatisierung angeboten - und dort hat man gern zugegriffen. Der lokale Bezug sei ein Glücksfall, hat Intendant Lars Ole Walburg gesagt. Er selbst hat den Stoff jetzt erstmals für die Bühne eingerichtet und inszeniert - und seine Arbeit ist ein Glücksfall auch für den Roman.

Denn Walburg vertraut auf die starke Vorlage. Er stellt Winklers Sprache nicht mit Bildern zu. Egal ob in den fast schmerzhaft plastischen Beschreibungen der Prügelszenen oder in den zarten Andeutungen, mit denen Winkler von der Liebe erzählt und von Verletzungen, die viel tiefer gehen, als eine geplatzte Lippe: Walburg illustriert nicht zusätzlich, was der Autor schon so gut ausdrücken kann.

Das bedeutet aber nicht, dass er kaum mehr als eine Lesung auf die Bühne gebracht hat. Er entfaltet im Gegenteil den ganz großen Theaterzauber. Die Bühne von Robert Schweer ist zunächst eine Art Tonstudio, in dem Schauspieler den Text einzusprechen scheinen. Doch bald dreht sich dieser gleichsam neutrale Raum und wird als Teil eines abweisenden Metallgestells deutlich, das Teil einer Stadiontribüne sein könnte, aber es doch nie eindeutig ist. Das Gestell ein abweisender Lebensraum, an dem man sich überall stoßen muss. Manchmal wird ein Sofa hineingehängt - in zwei Metern Höhe: Gemütlichkeit ohne Absturz kann es hier nicht geben.

doc6wtojml4oghgke8nodb

Fotostrecke Kultur Allgemein: "Hool" als ganz großer Theaterzauber

Zur Bildergalerie

Die Figuren hängen und klettern über dieses Lebensgerüst, ohne je an ein Ziel zu kommen. Ähnlich abstrakt und doch beziehungsreich ist auch die Rollenverteilung. Das fabelhafte, her auch sportlich gefordert Ensemble mit Nicola Fritzen, Philippe Goos, Carolin Haupt, Matthias Meyer, Daniel Nerlich und Sebastian Weiss teilt alle Rollen wechselnd untereinander auf. Die Hauptfigur Heiko wird wie alle anderen im fliegenden Wechsel von allen Schauspielern gespielt - für jede Temperamentslage gibt es einen anderen Akteur.

Am Ende großer Beifall für den Romanautor, den Regisseur und das sichtbar erschöpfte, aber glückliche Ensemble.

Wieder am 29. September sowie 7., 22. und 26. Oktober im Schauspiel Hannover

arn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Briefe der Geschichte mit Anke Engelke und Devid Striesow

Anke Engelke und Devid Striesow lesen im Theater am Aegi historisch bedeutende Briefe vor.