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Tanz mit dem Vulkan

"Perplex" in der Cumberlandschen Galerie Tanz mit dem Vulkan

Am Sonnabend hat "Perplex" von Marius von Mayenburg, inszeniert von Intendant Lars-Ole Walburg, in der Cumberlandschen Galerie Premiere gefeiert. Dabei schwankt das Stück zwischen unheimlich witzig und einfach unheimlich.

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Zuweilen witzig, manchmal unheimlich, stellenweise originell: "Perplex".

Quelle: Ribbe

Hannover. Das Leben ein Traum? Nein, es sind viele Träume, die ein Leben ausmachen – und manche davon sind gar nicht schön. Ein typisches unangenehmes Albtraumgefühl etwa ist es, am falschen Ort zu sein. Alle, wissen, was gespielt wird, nur man selbst fühlt sich wie im falschen Film. Oder wie im falschen Theaterstück: Etwa in „Perplex“ von Marius von Mayenburg. Das Drama ist ein kurioses, gleitendes Traumgeschehen. Es beginnt mit einem Paar, das aus dem Urlaub zurückkehrt und sich in der falschen Wohnung wiederfindet, und es endet mit einem Paar, das feststellt, dass Bühnenarbeiter beginnen, die Wände der Wohnung abzubauen.

Zwischendurch wird ein Sohn zum Nazi, ein Mann hat Sex mit einem Elch und eine Frau in einem Vulkankostüm explodiert vor Wut. Dieses Theateralbtraumgeschehen ist zuweilen witzig, manchmal unheimlich, stellenweise originell. Böswillig gesehen, ist es eine Aneinanderreihung von Sketchen. Allerdings sind es Sketche mit viel Spielpotential. Die Figuren – zwei Pärchen, die in immer neuen Konstellationen aufeinandertreffen (und manchmal auch aufeinanderliegen) nennen einander bei den Vornamen der Schauspieler, die sie spielen, also Carolin (Haupt), Katja (Gaudard), Janko (Kahle) und Philippe (Goos). Aha: Es geht hier ums Theater. Die Theatersituation bricht öfter mal ins Stück ein: jemand darf nicht monologisieren, man inspiziert die Vierte Wand, und wenn einer allein auf der Bühne steht, kann der immer ganz zuversichtlich sein, dass gleich schon jemand kommen wird – dafür, so heißt es an einer Stelle, hat man hier ja schließlich auch die Tür eingebaut. Und tatsächlich: Da kommt auch schon jemand, und das Spiel geht weiter.

Am Sonnabend hat "Perplex" von Marius von Mayenburg, inszeniert von Intendant Lars-Ole Walburg, in der Cumberlandschen Galerie Premiere gefeiert.

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Es ist wie in einer Boulevardkomödie – allerdings nicht unheimlich komisch, sondern vor allem unheimlich. In seiner Inszenierung für die Cumberlandsche Bühne hat Intendant Lars-Ole Walburg das Bedrohliche des Traumgeschehens noch weiter herausgearbeitet: Einmal kommt Gelächter aus dem Off, die Schauspieler gucken irritiert nach oben. Jeder fühlt sich hier fremden Mächten hilflos ausgeliefert.

Und macht das Beste daraus. Alle Figuren sind Stehaufmännchen. Das Fremde wird angelächelt, fortgelächelt, irgendwie wird man sich schon durchwursteln. Carolin Haupt sieht man als ratlose Ehefrau die allgemeine Verunsicherung am deutlichsten an. Philippe Goos legt seine sonore Stimme wie einen Schutzmantel über alles Verstörende, Janko Kahle scherzt die Angst weg. Katja Gaudard legt ihr verschiedenen Rollen ähnlich an, sie malt mit grellen Farben, oft entsteht so ein zu greller Comic. Wenn aber alles nur Slapstick ist, fehlt die Fallhöhe. Wenn alles abgestürzt ist, kann niemandem mehr der Boden unter den Füßen weggerissen werden.

In einem Interview hat der Autor über sein Stück gesagt: „Ich fand es schlüssig, dass man in einer Welt, in der alles in Frage gestellt wird, auch die Verabredungen des Theaters in Frage stellt.“ Davon ist eigentlich nicht viel zu spüren. Oder man hat sich schon so daran gewöhnt, dass es gar nicht weiter auffällt.

Was bleibt? Ein Lächeln über Einzelheiten, Spaß an den originellen Kostümen (von Tine Becker) und ein merkwürdiges Gefühl. Es ist ein bisschen wie nach einem Traum. Keine große Sache, nicht weiter wichtig, denkt man, aber es bleibt dann doch so ein merkwürdiges Gefühl, das einen noch ein paar Stunden begleitet.

Weitere Vorstellungen am 25. und 29. November, sowie am 12., 26. und 31. Dezember. Karten: (05 11) 99 99 11 11

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