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Nachrichten Kultur Pro Musica setzt auf Altbewährtes
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00:16 09.04.2016
Von Stefan Arndt
Klassikstar in Rockerpose: Anne-Sophie Mutter spielt in Hannover allerdings ein Konzert aus der Romantik. Quelle: Höderath
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Hannover

Als der hannoversche Kuppelsaal noch ein Konzertsaal von eher zweifelhaftem Ruf war, traute man zuletzt nur noch zwei klassischen Superstars zu, die riesige Halle zu füllen: Anne-Sophie Mutter und Lang Lang. Nach der Renovierung scheint der Raum nun erstmals seit Langem wieder eine eigene Anziehungskraft zu entwickeln. Beim Eröffnungskonzert im Februar waren die Reihen vollständig gefüllt, und auch die folgenden Konzerte waren ungewohnt gut besucht. In der kommenden Saison bringt Pro Musica nun beides zusammen: den attraktiv neu gestalteten Saal und die alten Zugpferde. Doppelt hält besser? Die beachtliche Riege der großen Namen wird jedenfalls von der deutschen Geigerin und dem chinesischen Pianisten angeführt.

Auch bei der Wahl der Programme hat sich der traditionsreiche Konzertveranstalter endgültig auf die sichere Seite geschlagen. Neuentdeckungen werden in Hannover künftig eher bei der Radiophilharmonie und beim Staatsorchester zu machen sein. Pro Musica setzt ganz auf die bewährtesten und beliebtesten Werke des Repertoires. Neue(ere) Musik ist in den Konzerten daher nur in homöopathischer Dosierung zu finden. Eine Ausnahme bildet ausgerechnet der Auftritt eines Musikers, der als besonders konservativ gilt: Der Dirigent Christian Thielemann, der am 4. Februar erstmals mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden in Hannover gastieren wird, hat ein druckfrisches Werk der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina im Gepäck.

Konzerte, die man nicht verpassen will

Doch allgemeine dramaturgische Einwände verfliegen schnell, wenn man das restliche Programm allein dieses einen Konzertes betrachtet: Thielemann – seit 2015 offiziell Musikdirektor der Bayreuther Festspiele – dirigiert im Kuppelsaal auch den ersten Akt aus Wagners „Walküre“ mit den Sängern Anja Kampe und Johan Botha sowie ein Best-of der Orchestermusik aus der „Götterdämmerung“. Dass der Wagner-Spezialist Thielemann tatsächlich mit Wagner in Hannover zu hören sein wird, gehört zum neuen Konzept des Konzertveranstalters, der bekannte Künstler gerade von ihrer charakteristischsten Seite präsentieren will. Das ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Man kann sich des Öfteren über die sehr naheliegende Programmgestaltung wundern – am Ende würde man aber gerade diese Konzerte nur ungern verpassen.

Die Beschränkung des Repertoires schafft manchmal sogar besondere Momente. Wann kann man schon das Mendelssohn-Konzert zunächst von Christian Tetzlaff (am 5. November) und gleich darauf von Anne-Sophie Mutter (10. November) hören? An herausragenden Geigern ist in der kommenden Saison ohnehin kein Mangel. Joshua Bell kommt am 16. Januar mit Beethoven und der Academy of St Martin in the Fields, die er in der Nachfolge von Sir Neville Marriner als Musikdirektor anführt. Frank Peter Zimmermann präsentiert am 23. April 2017 ein Bach-Programm, und die Lettin Baiba Skride führt am 16. Februar mit den Göteborger Symphonikern das nordischste der bekannten Violinkonzerte auf: das von Jean Sibelius.

Als einheimische Spezialität gehen die Auftritte des Pianisten Igor Levit durch, auch wenn der gerade nach vielen Jahren in Hannover nach Berlin gezogen ist. Am 21. und 23. Oktober spielt er (wie teilweise schon bei den Kunstfestspielen Herrenhausen vor drei Jahren) im Funkhaus das Programm seiner fabelhaften Doppel-CD mit Variationen von Bach, Beethoven und Frederic Rzewski.

Einheimische Spezialität: Igor Levit

Nach seinem mehrjährigen hannoverschen Beethoven-Zyklus ist Pianist Rudolf Buchbinder am 12. Mai 2017 mit dem ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms und den St. Petersburger Philharmonikern zu hören. Und die temperamentvolle Khatia Buniatishvili spielt am 1. Dezember gemeinsam mit der Tschechischen Philharmonie jenes Klavierkonzert von Robert Schumann, das mit fast zwei Millionen Klicks bei You-tube ihren Ruf als eine der aufregendsten jungen Pianistinnen der Gegenwart begründet hat.

Kammermusik ist in der kommenden Saison nur selten zu hören, dafür aber umso spektakulärer: Am 28. Januar ist einer der viel gepriesenen gemeinsamen Auftritte der Pianistin Hélène Grimaud (die zunächst am kommenden Donnerstag, 14. April, als Solistin im Kuppelsaal auftritt) mit der Cellistin Sol Gabetta im Funkhaus zu erleben.

Die verbesserte Akustik im Kuppelsaal ist besonders bei Sängern gut zu spüren: Gelegenheit dazu gibt es am 15. Dezember, wenn Ton Koopman und sein Amsterdam Baroque Orchestra & Choir Auszüge aus Bachs Weihnachtsoratorium aufführen. Sopranistin Simone Kermes dagegen singt ihre barocken Liebeserklärungen am 25. Februar im Funkhaus.

Dort wird die Saison am 23. September auch von einem herausragenden Dirigenten und einem echten Spitzenorchester eröffnet: Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie spielen ein Benefizkonzert für Live Music Now.

Karten und vollständiges Programm unter Telefon (05 11) 36 38 17 und im HAZ-Ticketshop.

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