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Kultur Big Brother macht Krach
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00:17 09.03.2016
Ein wenig selbstverliebt: Die Metalband Dream Theater im Kuppelsaal.  Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Ein Dröhnen, ein Brummen, ein Bohren, ein Knarzen. Es ist nicht ganz leicht auszumachen, welches Geräusch der Noise Machines besonders an den Nerven sägt. Die fliegenden Maschinen überwachen das Musikverbot, das der Machthaber Lord Nafaryus in seinem Great Northern Empire of the Americas erlassen hat. Die Welt ist hart im Jahr 2285, und sie klingt auch so.

John Petrucci hat diese Dystopie erdacht. Der Gitarrist steht mit seiner Band Dream Theater auf der Bühne des Kuppelsaals in Hannover. Die vielleicht wichtigste Band des Progressive-Metal spielt „The Astonishing“, ein gerade veröffentlichtes Doppelalbum. Die New Yorker bringen dieses mehr als zwei Stunden lange Stück werkgetreu auf die Bühne – kein Vorprogramm, keine Zugabe, kaum Interaktion. Die Herangehensweise erinnert an Bands wie Pink Floyd, die zu Petruccis Vorbildern gehören.

Progressive-Metal im Kuppelsaal

Der Kuppelsaal mag ein ungewöhnlicher Ort für eine Metalband sein. Für diesen Abend ist er ideal. Hinter der Band ragen fünf hohe LCD-Wände in die Höhe, auf denen animierte Filme die Geschichte illustrieren sollen. Petrucci spielt am linken Bühnenrand, ganz in schwarz mit langem Bart und langem Haar. Sänger James LaBrie, der mit seinem großen Tonumfang zwischen den Rollen des Stücks wechseln kann, hat eine beeindruckende Präsenz, auch wenn er nach praktisch jedem Stück zur Trinkflasche neben dem Schlagzeug geht oder sogar die Bühne verlässt. Keyboarder Jordan Rudess dreht seinen Instrumententisch, der an eine Kommandobrücke eines Raumschiffs erinnert, dank Hydraulik im Minutentakt – und kann das Keyboard sogar seitlich absenken (was alles nichts zur Geschichte oder Musik beiträgt, aber ganz putzig ist).

Vor der Band sitzen (!) die Metal-Fans, im Parkett und den beiden Oberrängen des Saales – einige von ihnen versuchen sich im sitzenden Head-Bangen und schleudern das Haar umher – was auch ganz putzig aussieht. Der Sound im frisch renovierten Kuppelsaal ist exzellent. James LaBrie singt zum Klanggerüst seiner Bandkollegen von Nafaryus und wie er die Welt mit einem computergenerierten Geräuschbrei beschallen lässt. Doch im Dorf Ravenskill wartet Gabriel, der auserwählt ist, seine Stimme zu erheben.

Metal ohne Kitsch gibt es nicht

„The Astonishing“ ist ein abwechslungsreiches Werk, ein bisschen Kling-Klang, dann Klavierballaden, Sanftes zur Akustik-Gitarre, dann wieder schnell gespielter Metal. Der Kitsch zieht sich durch die Geschichte, durch Songzeilen und auch durch die animierten Sequenzen – aber Metal ohne Kitsch gibt es nicht.

Die Dystopie Petruccis hält viel Bekanntes parat. Gnadenloser Herrscher, fliegende Überwachungsgeräte. Und das mit dem Auserwählten ist in der Form auch nicht ganz neu. Und doch hat das Album und auch die Show ihren Charme. Der ist freilich auch ein wenig selbstverliebt. Denn die verstummte Welt kommt ausgerechnet 2285 wieder zu Stimme, 300 Jahre nach der Gründung der Band von Petrucci und Kollegen. Das Album löste unter den Fans einige Diskussionen aus, wie progressiv eine Progressive-Band denn sein darf und ob man die Fans mit dem recht überschaubaren Metal-Inhalt des Albums nicht enttäusche. Das Thema der Kunstfreiheit innerhalb von „The Astonishing“ hat bei den Fans von Dream Theater also bleibende Spuren hinterlassen.

Die Freunde der Konzertbewegung bekommen nach der 20-minütigen Pause ihren Einsatz. Das Werk nimmt an Fahrt auf – wie soll es auch anders sein, wenn der Gute dem Bösen das Zepter aus der Hand reißt. Beim großen Finale, dem Andrew-Lloyd-Webber-haften Titelstück „Astonishing“, sitzt kaum noch jemand der Metal-Fans auf den blauen Sesseln. Ende, aus, alles gut.

Von Gerd Schild

Nächste Veranstaltung im Kuppelsaal

Am Dienstag, 15. März gibt es im Kuppelsaal um 20 Uhr „Die Nacht der Musicals“.     

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