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Pseudo-Doku über Joaquin Phoenix erscheint im Kino

„I'm still here“ Pseudo-Doku über Joaquin Phoenix erscheint im Kino

Alles Lüge: Wie Joaquin Phoenix ein Jahr lang Rapper war und sich dabei über die Medienwelt lustig machte, zeigt die Pseudo-Dokumentation „I'm still here“. Eine darstellerische Glanzleistung.

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Wer ist er und wenn ja – wie viele? Joaquin Phoenix als Rapper.

Quelle: Koch Media

Täglich wird in den Medien die Wirklichkeit inszeniert, nachgestellt, ja sogar gefälscht. Populär sind bei privaten Sendern sogenannte Scripted-Reality-Shows, Sendungen, in denen Laienschauspieler meist arg dürftig die Realität nachspielen. Das Ganze wird dem Zuschauer als erlebte Wirklichkeit verkauft. Das Fernsehformat ist billig und zum Glück zumeist auch leicht durchschaubar. Gleichwohl prägt es unsere Nachmittags- und Vorabendprogramme.

Dass es aber künstlerisch reizvoll sein kann, Wirklichkeit gleichsam filmisch zu erschaffen, das zeigt nach gelungenen komödiantischen Ausflügen von Sacha Baron Cohen („Borat“, „Brüno“) jetzt auf ernste Weise der fiktionale Dokumentarfilm „I’m still here“. Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsarbeit von Schauspieler Joaquin Phoenix („Walk the Line“) und Regisseur Casey Affleck, der zudem der Schwager von Phoenix ist. Das Zusammenspiel der beiden Freunde war lange Zeit so perfekt, dass die Öffentlichkeit und das Internet auf all die inszenierten Lügen und Tricksereien hereinfielen.

Am 11. August startet Casey Afflecks Regiedebüt „I'm Still Here“ über den imaginären Abstieg des Hollywoodstars Joaquin Phoenix (Bild) in den deutschen Kinos.

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Los ging es Ende 2008, als Phoenix anlässlich der Premiere seines Films „Two Lovers“ überraschend bekannt gab, dass er seine Schauspielkarriere endgültig beende und sich von nun an ausschließlich der Musik, genauer: dem Hip-Hop, widmen werde. Auch äußerlich veränderte sich der smarte Hollywoodstar drastisch: Seine Haare und sein Bart wurden länger und länger, er nahm zudem sichtbar an Gewicht zu und trug schließlich einen beachtlichen Schmerbauch vor sich her. Insgesamt machte der heute 36-Jährige einen leicht verwahrlosten Eindruck.

Ganz ähnlich verliefen seine öffentlichen Auftritte: Bei schrägen, ziemlich misslungenen Rap-Konzerten prügelte er sich schon einmal mit Zuschauern. In Interviews erzählte er unglaublichen Unsinn. Legendär ist dank eines YouTube-Mitschnitts sein Auftritt in der Talkshow bei David Letterman, den sein Gastgeber schließlich beendete mit den Worten: Schade, dass Joaquin Phoenix nicht persönlich habe kommen können. Dieser Vorfall wurde kurz danach bei der Oscar-Verleihung vor zwei Jahren von Phoenix’ Freund Ben Stiller böse parodiert.

Drogenexzesse und Sex mit Prostituierten

Dies alles und noch wesentlich drastischere Dinge – beispielsweise Drogenexzesse und Sex mit Prostituierten – zeigt dieser Film ungeschminkt. Dabei schont sich Phoenix weder physisch noch psychisch und liefert eine extreme darstellerische Leistung ab. Alles wirkt so echt, dass der Film bei seiner Premiere im Sommer 2010 die Zuschauer und die amerikanischen Kritiker schockierte und auch verärgerte.

Damals gab es allerdings schon Gerüchte, dass dieses ganze kaputte Leben nur gespielt sei. Heutige Zuschauer denken beim Betrachten von „I’m still here“ unweigerlich an Charlie Sheen, der ebenfalls aus seiner Starrolle gefallen ist und ganz ähnlich auftritt wie Joaquin Phoenix.

Im Film ist nichts echt

Erst im September 2010 gab Regisseur Affleck der „New York Times“ ein Interview, in dem er gestand, dass in seinem Film nichts echt sei.

Selbst die Kinderbilder am Anfang sind demnach ein Fake. Es gibt nur einen einzigen, ganz kurzen Filmschnipsel in den 105 Minuten, der authentisch ist: Er zeigt Phoenix mit seinen Geschwistern, wie sie als Kinder in Los Angeles einen Mini-Straßenauftritt als Gesangsgruppe haben.

Inzwischen hat der Schauspieler zum Glück für uns Zuschauer seine Rapperkarriere tatsächlich endgültig beendet. Nach zweijähriger Pause steht er wieder vor der Kamera und dreht unter der Regie von Paul Thomas Anderson („Magnolia“) den Film „The Master“.

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