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Kultur Punk-Legende Jello Biafra spielt in der Faust
Nachrichten Kultur Punk-Legende Jello Biafra spielt in der Faust
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00:16 04.08.2016
Prediger, Sänger, Spaßmacher: Jello Biafra in der Faust. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Jello Biafra mag klare Worte. Und er hat das Talent, sie zu geflügelten zu machen. Im Jahr 1981, als ihm die US-Punk-Szene zu gewalttätig wurde, definierte der Sänger der damals erst drei Jahre alten Band Dead Kennedys seine kritische Version der Bewegung: „Punk ist kein religiöser Kult. Punk bedeutet, eigenständig zu denken.“ Niemand sei hardcore, der nur seine Haare aufstelle, dabei aber ein dummer Schläger bleibe.

Die moralisch differenzierte Kollegenschelte machte Biafra nicht etwa bei allen unbeliebt. Vielmehr wurde der Song „Nazi Punks Fuck Off“, der diese Zeilen enthält, zur Hymne der politisch linken Punks und ziert seither T-Shirts und Aufkleber. Für die aktuelle Europa-Tour mit seiner Band Guantanamo School Of Medicine hat Jello Biafra, der sich bereits 1986 von den Dead Kennedys trennte, den Slogan aufgefrischt. Plakat und T-Shirts ziert nun das durchgestrichene Konterfei des umstrittenen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Und abermals klare Worte: „Nazi Trumps Fuck Off“.

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Der Ex-Dead Kennedys Sänger Jello Biafra rockt die Faust mit der Guantanamo School of Medicine.

An seiner politischen Meinung lässt der fast 60-jährige Punk-Vordenker in der ausverkauften Sechzigerjahre-Halle der Faust keinerlei Zweifel. Wozu auch: Jello Biafra begnügt sich nicht mit Statements. Schon 1979 erreichte er bei den Bürgermeisterwahlen seiner Heimatstadt San Francisco immerhin den vierten Platz. Und im Jahr 2000 wäre er fast statt Ralph Nader Präsidentschaftskandidat der US-amerikanischen Grünen geworden, deren Mitglied er bis heute ist.

Die „Green Party“ entspricht in ihren Positionen eher den linken Fundamentalisten der deutschen Grünen. Und so bringt Jello Biafra nicht nur seinen treibenden, schnellen, kompromisslosen Punk mit nach Hannover, den die Band immer wieder auch durch Elemente aus Hardcore und Metal anreichert. Mit unverkennbarer, hoher, fast quengelnder Stimme singt er über Kapitalismus und Feudalismus, Klimaerwärmung und Gier, Polizeigewalt und Rassismus. Das ist bei ihm keinesfalls eine vage Protesthaltung, weil es etwa schick wäre, dagegen zu sein. In langen Ansagen erläutert er vielmehr informiert und differenziert die Zusammenhänge und warnt vor einem Bruch der Gesellschaft. Jello Biafra bringt den US-Wahlkampf in die Faust.

Er wiederholt dabei seine Forderungen von 1981. Niemand lasse sich durch einen Streit überzeugen, auch ein linker Punk sei am effektivsten mit guten Argumenten. „Wenn ihr Freunde habt, die die AfD wählen, setzt euch mit denen hin und redet,“ geht Biafra sogar auf die deutsche Politik ein, „keiner hat was davon, wenn ihr nur Menschen überzeugt, die schon eurer Meinung sind.“

Doch Jello Biafra doziert und predigt nicht nur. Er sieht sich selbst vor allem als Entertainer. Tatsächlich füllt er die Bühne, mit Worten, Botschaften, Gesten. Aber auch mit bester Laune, Albernheiten und fast opernhaftem Klamauk. „Holiday in Cambodia“, ein Hit der Dead Kennedys von 1980, illustriert das ganz gut. Der Text macht sich lustig über kommunistische Studenten aus wohlhabenden Familien, denen Biafra empfiehlt, doch mal einen Urlaub im damals von der Diktatur der Roten Khmer schwer angeschlagenen Kambodscha zu verbringen. Die Musik hat bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren. Und nachdem Biafra die Bühne für seine großen Gesten zu klein geworden ist, springt er kurzerhand ins Publikum und lässt sich ein wenig von den Fans tragen. Natürlich nicht, ohne dabei weiter zu singen.

Von Thomas Kaestle

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