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Kultur Pur feiern mit 5000 Fans in Hannover
Nachrichten Kultur Pur feiern mit 5000 Fans in Hannover
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10:54 27.08.2016
Alles schwingt: Hartmut Engler und seine Pur-Kollegen auf der Parkbühne. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Da steht er nun, der Hartmut Engler, und er kann nicht anders. Die Arme, die Hände, der ganze schlanke Mittfünfziger in seinem leuchtend roten T-Shirt, alles schwingt, er ballt die Faust, zeigt die Daumen nach oben, die Zeigefinger, während die Fans vor der Gilde-Parkbühne in Hannover singen, dass es „Lena“ oft nicht leicht hat. Kein Mensch schafft ein Lächeln, das vom linken bis zum rechten Ohr reicht, die Wangen sind im Weg. Engler versucht es trotzdem. Und winkt glücklich in die untergehende Sonne.

Nach einer Hallentour im Frühjahr ist Engler mit seiner Band Pur nun auf Freiluftreise durchs Land. Die 5000 Karten für das Konzert in Hannover waren schon vor einiger Zeit vergriffen. Pur gehören zu den erfolgreichsten deutschen Bands der vergangenen 25 Jahre. Und zu den am meisten belächelten.

Der Satiriker Wiglaf Droste schrieb einmal: „Das einzig Erstaunliche an Pur ist, dass sie nicht aus dem Osten kommen“; die Band sei ostrockiger und damit noch weniger sexy als die alten Gitarren-Granden Puhdys oder Karat. „Lindenstraße des Pop“ gehört noch zu den freundlicheren Umschreibungen, die Kritiker für die Band finden. Engler textet direkt und singt auf Deutsch - das ist oft kitschig, das macht angreifbar.

Wo so viele Schatten geworfen werden, da darf man auch viel Licht erwarten. Und tatsächlich haben Pur eine der treuesten Fangruppen in Deutschland. Der bisherige gemeinsame Glanzpunkt war die Eröffnung des neuen Schalker Fußballstadions im Jahr 2001. Zwei Abende hintereinander spielte die Band vor ausverkauftem Haus, auf einer Bühne in der Mitte der Arena. Mittendrin, statt nur dabei.

Die Gilde-Parkbühne gibt ein derartiges Rundum-Erlebnis nicht her. Und doch ist die Nähe zwischen der Band unter dem weißen Zeltdach und den Fans auf Wiese und Tribüne fast greifbar - bei bei Liedern wie „Indianer“ (zu dem sich Engler einen Plastikfederkopfschmuck aufsetzt), „Freunde“ oder auch vielen Stücken vom neuen Album „Achtung“. Nett, ehrlich, bodenständig - das sind die Worte, mit denen die Fans die Band oft umschreiben. „Mir wird warm ums Herz“, sagt eine junge Frau am gut besuchten Getränkewagen, die mit ihren Freundinnen aus dem Harz nach Hannover gekommen ist. Engler singe aus dem Leben und schäme sich nicht für seine Gefühle, etwa, wenn ihm bei der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ die Tränen kämen.

Tatsächlich gilt Engler als Gegenentwurf zum glamourösen Popstar: heimatverbunden, offen, nahbar. In die Klatschpresse ist er nie wirklich geraten - obwohl es Anlässe gegeben hätte. Scheidungen, Depressionen, Alkohol, Burn-out, Klinik, Regeneration - Engler hat das alles durch und auch darüber gesungen. Seine Lieder bewegen sich meist zwischen den Polen „Alles wird gut“ und „Falls nichts, lasst uns wenigstens zusammenhalten“. In Hannover spricht Engler mit freundlichen Worten zum Publikum. Brücken müsse man Bauern, Menschlichkeit zeigen, gerade jetzt, in diesen schlimmer werdenden Zeiten mit Anschlägen und Amok­läufen.

Die Fans klatschen, dann gibt’s ein Medley, weil sonst nicht alle Hits in den Abend passen - das macht auch nicht jede Band. Die Fans in Hannover feiern ein mehr als zwei Stunden langes Fest mit gleich mehreren Zugaben, ein bisschen Pop, ein bisschen Rock und ordentlich Schlager. Im nächsten Jahr gibt es nur ein Pur-Konzert, da spielen Engler und Kollegen wieder in der Arena in Gelsenkirchen. Bei „Pur&Friends auf Schalke“ sind dann auch Musiker wie Andreas Bourani und Andreas Wirtz, aber auch Comedian Bülent Ceylan mit auf der Bühne. Bis zu 60.000 Fans werden kommen. Die günstigsten Karten gibt es dabei schon für knapp über 30 Euro. Das freut die Fans. Und die Tickets werden schnell weg sein. Jede Wette.

Von Gerd Schild

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