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Kultur Klassik in der Stahlhalle
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00:15 20.06.2017
Von Stefan Arndt
Quatuor Ébène in der Stahlhalle. Quelle: Stefan Arndt
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Hannover

Der Bratscher braucht eine neue Saite? Wenn in den all den Witzen auch nur ein Körnchen Wahrheit steckt, die man über dieses Instrument und seine angeblich stets etwas langsamen und trägen Spieler macht, kann das doch gar nicht sein. Die unauffälligen Mittelstimmen, die die Bratscher spielen, bieten normalerweise keine Gelegenheit, die Saite bis zum Reißen anzustreichen. Aber was Adrien Boisseau hier mit seiner Stimme anstellt, ist eben nicht normal. Der Bratscher des französischen Quatuor Ébène kann nicht nur dezent dafür sorgen, dass der Klang dieses Streichquartetts so außergewöhnlich homogen und geschlossen wirkt. Er kann mit dem Bogen auch sehr energisch zulangen. Und so dauert die Pause des Eröffnungskonzertes von Liepe & Co. ein wenig länger, weil er eine Saite ersetzen muss.

Bei dem neuen Klassikfestival, das die Brüder Nils und Niklas Liepe jetzt am Südbahnhof auf die Beine gestellt haben, sind solche Verzögerungen leicht auszuhalten. Schließlich ist das Ambiente der Konzerte spektakulär: Man spielt in den weitläufigen Lagerhallen der Stahlhandlung Nettlenbusch & Syrowy zwischen gewaltigen Schwerlastregalen, die Stahlstangen, -träger, -bleche und -rohre in allen möglichen Größen und Formen tragen. Um die Bühne aufzustellen, hat man den Kran an der Decke auf seiner lang geschwungenen Führungsschiene an die Seite gefahren und einige Schneidemaschine verrückt. Hier gibt es für Konzertbesucher auch ohne Musiker genug zu gucken.

Noch dazu klingt die Halle sehr gut, egal, wie hart die Akustik vom Quatuor Ébène auf die Probe gestellt wird. Mozart etwa spielen die Franzosen manchmal so leise und licht, dass das Gefühl aufkommen kann, man habe es auch mit anderen Elementen zu tun als nur mit Tönen. Und doch tönt das berühmte d-Moll-Quartett aus der Reihe der Haydn gewidmeten Werke hier jederzeit plastisch und intensiv. Ein kleines Kammermusikwunder.

Umso handfester geht es dann in Beethovens „Quartetto serioso“ zu, bevor die fein gewebte und klangsinnliche Ébène-Version von Ravels Streichquartett eindrucksvoll die Frage beantwortet, ob französische Musiker bei französischer Musik einen Heimvorteil haben. Als Zugabe improvisieren die vielseitigen Musiker schließlich über Miles Davis‘ Stück „Milestones“. Dann ist der Abend trotz noch immer heftigen Beifalls vorbei. Bleibt die Vorfreude auf das nächste Jahr: Dann soll es die zweite Ausgabe von Liepe & Co. in den Stahlhallen geben.

Liepe & Co. an diesem Wochenende: Am Sonnabend, 17. Juni, gibt es um 11 Uhr ein Familienkonzert, um 18 Uhr eine musikalische Lesung und um 22 Uhr das Programm "Disco" vom Orchester im Treppenhaus. Am Sonntag, 18. Juni, eröffnet Pianist Markus Becker den Festivaltag um 11 Uhr mit Haydn und Jazz, um 18 Uhr schließt ein Galakonzert das Festival ab

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