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Radiophilharmonie spielt „Die Fledermaus“ im Funkhaus

Neujahrskonzert Radiophilharmonie spielt „Die Fledermaus“ im Funkhaus

Die NDR Radiophilharmonie spielt eine spektakuläre „Fledermaus“-Aufführung mit fulminanten Sängern – und doch lässt die Aufführung im Funkhaus manche Wünsche offen.

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Bereit zum Abheben: Lawrence Forster und die NDR Radiophilharmonie vor Beginn der Aufführung im Funkhaus.

Quelle: Clemens Heidrich

Hannover.  Es ist die klassische Erfolgsgeschichte am Beginn einer Karriere als Opernsängerin: Eine Kollegin erkrankt, man springt ein, der Auftritt wird überraschend ein rauschender Erfolg. Bei der amerikanischen Sopranistin Laura Aikin, die nun ihre derzeit viel gepriesene Kollegin Melody Moore als Rosalinde Eisenstein in einer konzertanten „Fledermaus“-Aufführung im Funkhaus ersetzt hat, liegt der Fall eigentlich ganz anders: Aikin gehört schon seit 20 Jahren zu den führenden Vertreterinnen ihres Fachs. Und doch ist ihr kurzfristig angesetzter Auftritt im Funkhaus von etwas Ereignishaftem umweht. Nach ihrem großen Bravourstück – dem Czardas „Klänge der Heimat“, mit dem sich die auf Rache sinnende betrogende Ehefrau Rosalinde überzeugend als ungarische Gräfin ausgibt – spenden nicht nur die Zuhörer im ausverkauften Saal frenetisch Beifall, sondern auch die Kolleginnen unter den Solisten und im Chor. 

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Die NDR Radiophilharmonie und die Solisten bei der Aufführung.

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Dabei ragt Aikin mit ihrer exquistiten Darbietung nicht einmal sehr weit aus dem übrigen Ensemble heraus: Selten dürfte die Operette von Johann Strauß, die zur eisernen Repertoirereserve jedes Stadttheaters gehört, so fulminant besetzt zu hören sein: Elisabeth Kulman gibt einen aufreizenden Prinzen Orlofsky, Annika Gerhards eine durchaus nicht immer ganz unschuldig leuchtende Adele, und Nikolai Schukoff ist als Eisenstein ein glaubwürdiger Charmeur, dem niemand etwas übel nehmen kann. Auch die übrigen Partien sind sehr rollentypisch mit hervorragenden Solisten besetzt: Ein Sängerfest, das in den engagierten Musikern der NDR Radiophilharmonie die passenden Begleiter gefunden hat. 

Dirigent Lawrence Forster beschränkt sich dann auch nicht einfach darauf, leichtfüßig durch die Partitur zu tänzeln. Mit einer gewissen Strenge lotst er das Orchester, den WDR Rundfunkchor und die Solisten durch die eben nicht nur walzerselige Musik. Auch die etwas rusikaleren Übergänge tönen so vergleichsweise logisch, das ganze Stück wirkt sehr elegant und geschlossen. Die Aufführung ist für eine CD-Produktion mitgeschnitten worden: Es wird wohl trotz der großen Konkurrenz eine der besten „Fledermaus“-Aufnahmen werden.

Zum ganz großen Operettenglück fehlte im Funkhaus aber trotzdem ein entscheidender Faktor: Diese Operette lebt wesentlich auch von ihrer turbulenten Handlung. In einer trockenen szenischen Aufführung geht mindestens der halbe Spaß verloren. Da hilft es auch nicht, wenn man statt auf Situationskomik auf Musikscherze für Fortgeschrittene setzt: Die tönenden Zitate von „Fidelio“ bis „Rigoletto“, von den „Meistersingern“ und der „Entführung“ bis zu Tauber-Schlagern  und sogar Wagners „Götterdämmerung“, für die vor allem der ehemalige Star-Bassist Kurt Rydl als vernuschelter Gefängniswärter Frosch zuständig war, riefen nur vereinzelt Lacher im Publikum auf den Plan. Umso einmütiger war die Reaktion am Ende: Großer Beifall für alle Beteiligten.

Von Stefan Arndt

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