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Kultur Rainer Frank spielt „Abrahams Kinder“
Nachrichten Kultur Rainer Frank spielt „Abrahams Kinder“
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02:15 07.05.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Stühle, natürlich. Der Untertitel des Stückes scheint ihre Verwendung nahezulegen. Im Treppenhaus der Cumberlandschen Galerie hatte „Abrahams Kinder oder: Die Reise nach Jerusalem“ seine deutsche Erstaufführung. Der Schauspieler Rainer Frank schleppt sieben braune Caféhausstühle die Treppe hoch und platziert sie oben auf der Ebene. Er stapelt sie nicht, er stellt sie nicht - wie zum Therapiegespräch - in einen Kreis oder Halbkreis auf. Er steckt sie wirr ineinander, als hätte es gerade eine Explosion gegeben.

Das passt ganz gut, denn eine Gewalttat stand am Beginn dieses Theaterstückes. Der norwegische Schauspieler Svein Tindberg, der sich sehr für religiöse Stoffe interessiert, war vor zwanzig Jahren in Jerusalem unterwegs. Er wollte vor Ort für sein neues Projekt recherchieren: das „Markus Evangelium“. Bei der Besichtigung des Felsendoms gerät er in eine dramatische Situation: Die israelische Polizei erschießt einen jungen Palästinenser. Am nächsten Tag sucht er das Heiligtum erneut auf. Während er am Vortag mit einer christlichen Reisegruppe unterwegs war, lässt er sich die heiligen Stätten nun von einem arabischen Führer zeigen. Und damit gewinnt er eine neue Perspektive. Islam, Christentum und Judentum, so seine Erkenntnis, haben viel miteinander gemeinsam. Wichtigster Berührungspunkt der drei monotheistischen Religionen sind die Erzählungen vom Stammvater Abraham.

Also hat Svein Tindberg ein Monologstück über Abraham (und über seine eigenen Erfahrungen in Jerusalem) geschrieben und aufgeführt. Zuerst waren in Oslo nur zehn Vorstellungen vorgesehen. Aber der Erfolg war größer als gedacht: Vor ein paar Wochen hat Tindberg die 273. Vorstellung gegeben. Auch in Schweden und Dänemark wurde der Monolog bereits nachgespielt. Und nun ist „Abrahams Kinder“ auch in Deutschland zu sehen.

Es ist ein wichtiges Stück, denn in Zeiten, in denen die meisten nur die Unterschiede zwischen den Kulturen und den Religionen betonen, ist es nicht schlecht, die Gemeinsamkeiten herauszustellen. Wir sind nicht Burka, hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière jüngst gesagt. Tindberg aber sagt: Wir sind Koran! Denn Jesus wird erstaunlich oft im Koran erwähnt. Er gilt dort zwar nicht als Gottes Sohn, aber immerhin als Prophet.

Das Stück ist wichtig, aber es ist auch schwierig. Eine Person erläutert theologische Sachverhalte. Das kann leicht nach Konfirmandenfreizeit oder Volkshochschule klingen. Tut es aber nicht. Denn Regisseur Andreas Sigrist achtet sehr darauf, dass nicht zu viel doziert wird. Rainer Frank - ein wunderbarer Sprecher, der Worte nach Belieben GANZ GROSS oder ganz schmal klingen lassen kann - tritt hier nicht als Lehrer, sondern als Suchender auf. Er weiß eigentlich auch nicht … und gibt dem Nichtwissen durch ein kunstvolles Stammeln den passenden Ausdruck. Er ist ein Suchender. Und darin kann man ihm gut folgen.

Herzlicher Applaus nach anderthalb Stunden. Der Autor kam zur Verbeugung mit auf die Bühne und wirkte sehr zufrieden.

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