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19:51 08.12.2013
Passivrauchen: Völkerball im Capitol. Quelle: Küstner
Hannover

Die Aufgabe einer Coverband ist es, das Werk eines Künstlers so detailgetreu wie möglich wiederzugeben. Es gibt geradezu inflationär viele dieser Bands, die nah am Original bleiben und damit selbst Kultstatus erreicht haben. Den hat längst auch Völkerball erreicht, eine Band, die sich der Musik von Rammstein verschrieben hat. Der Bandname geht zurück auf ein Album der Originale – heute, im achten Jahr ihres Bestehens, schafft Völkerball es mühelos, auch größere Hallen zu füllen. Nun war die Band im Capitol in Hannover zu Gast. Zu hören sind die Songs Rammsteins, zu sehen ist eine Art minimartialische Inszenierung der Berliner Vorbilder. Und es funktioniert: Im Capitol war Völkerball schon öfter, diesmal feiern rund 1.600 Besucher ihr Konzert – und zwar frenetisch.

Zum Verwechseln ähnlich: Die Band Völkerball covert nicht einfach nur Rammstein, sie imitiert sie mit viel Liebe zum Detail. Am Freitag spielte die Coverband im Capitol – mit imposantem Bühnenbild und aufregender Pyroshow.

Sänger Rene Anlauff schafft es, so zu klingen und so auszusehen wie Till Lindemann, der Rammstein-Sänger. Auch die roboterhaften Bewegungen und das rrrollende R. gelingen ihm sehr gut. Er hat die großen Gesten gut drauf und die einfachen Bilder: Bei „Mein Herz brennt“ brennt ein Herz auf der Bühne. Die Gäste stören sich nicht an derartigen Plattitüden, im Gegenteil, sie erwarten sie. Heino, Hosen, Hagen: Anlauff hat gut zugehört bei den Größen der Neuen deutschen Härte. Bei „Haifisch“ begibt er sich in einem Schlauchboot auf eine Fahrt über die Köpfe der Zuschauer; er wird von vielen Armen getragen und kommt heil wieder auf der brennenden Bühne im Capitol an.

Großes Kino ist es, was die fünf Herren da veranstalten, die Pyrotechnik ist auch in der Miniaturausgabe sehenswert, die Musik ist oft tanzbar, Techno- und Shantyelemente machen Spaß. Das Publikum ist bunt gemischt, die Gothic-Fraktion verträgt sich mit den Älteren, die Dancefloor-Kids zappeln neben Alt-Metallern. Hände recken sich mit ausgestrecktem Zeige- und kleinem Finger – dem Metal-Zeichen – gen Himmel. Daniel, ein großflächig tätowierter Zwei-Meter-Mann im Publikum, bringt es auf den Punkt: „Ich mach’ die Augen zu und höre Rammstein“, sagt er, und streckt den Arm hoch.

Von Michael Krowas

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