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Kultur Realistische Plastiken im Garten
Nachrichten Kultur Realistische Plastiken im Garten
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11:17 22.07.2010
Birgid Helmy: „Springerin" (2009). Quelle: Stoeber

Vor der Tür des weitläufigen Landhauses in Isernhagen schauen „I Grandi“ (Die Großen) von Guido Messer hochmütig und herrisch auf den Besucher. Die Büsten des Künstlers sind aus edler Bronze geformt, was man jedoch nicht mehr erkennt, weil sie in roter Lackfarbe förmlich ertrinken.

Schädel, Brillen, Anzüge, alles ist signalrot bis auf die protzigen, goldfarbenen Schlipse. Mit seiner aggressiven Farbwahl betont der schwäbische Bildhauer, für wie brandgefährlich er die von ihm dargestellten Herren hält. Soziologisch sind die Figuren eine Mischung aus Mafia- und Politbossen; ästhetisch stehen sie als Plastiken in der Tradition eines kritischen Realismus.

Das ist eine Visitenkarte ganz nach dem Geschmack der Hausherrin Karina Türr. Viele Jahre lang hat sie sich als Professorin der Kunstgeschichte an den Universitäten von Duisburg, Köln und Erlangen ausgiebig mit dem Realismus beschäftigt. Nun, da sie im Ruhestand in ihrem aus- und umgebauten Elternhaus das Skulpturen-Forum Isernhagen betreibt, stellt sie Künstler aus, die sie bereits als Lehrerin und Theoretikerin geschätzt hat.

Dazu gehören allen voran das Berliner Künstler- und Professorenpaar Christa und Karl Heinz Biederbick, die für Türr große Meister der realistischen Plastik sind. Sie geben zugleich das Maß vor, nach dem sie jüngere Künstler aussucht.Auch wenn der Geist der Biederbicks über der Veranstaltung schwebt, sind sie in der aktuellen Ausstellung mit zehn Künstlerinnen und Künstlern nicht mit Werken vertreten.

Durch die Bündelung von Kräften wollen die Künstler der Schau gemeinsam versuchen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt Ausstellungsmöglichkeiten für sich zu finden und Geld für ihre Kunst zu akquirieren. Zu der national zusammengesetzten Künstlergruppe gehört auch die bekannte hannoversche Bildhauerin Ulrike Enders, deren erzählende, von ironischem Witz grundierte Werke Karina Türr ins Herz geschlossen hat.

Viele der Plastiken finden sich in dem parkähnlichen, sehr schön zu begehenden Garten hinter dem Haus. Unter ihnen überzeugen vor allem die ebenso dynamischen wie konzentrierten Holzskulpturen von Peter Nettesheim, etwa sein „Sprayer“ oder seine „Inlinerin“, die den Vergleich mit den Werken des allseits beliebten Stefan Balkenhol mühelos aushalten. Auf dem Dach eines Anbaus sitzend, schaut eine von Birgid Helmy meisterlich geformte Schwimmerin mit Flossen etwas zögerlich in den Garten. Völlig zu Recht, da unter ihr kein Wasser sich ausbreitet, in das sie eintauchen könnte, was der ganzen Situation etwas Surreales gibt.

Bis zum 25. September, Burgwedeler Straße 178, Isernhagen H. B.; telefonische Anmeldung erwünscht unter (05 11) 7 79 58 58.

Michael Stoeber

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