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Kultur Bernd Mottl inszeniert "Fliegenden Holländer"
Nachrichten Kultur Bernd Mottl inszeniert "Fliegenden Holländer"
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00:16 09.02.2017
Von Stefan Arndt
Bernd Mottl Quelle: Eberstein
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Hannover

Schließlich kann nicht jeder Künstler seine Familiengeschichte bis in die Gründungstage der Bayreuther Festspiele zurückverfolgen. Doch Mottls Urgroßonkel, der Dirigent und Komponist Felix Mottl, war 1876 dabei, als Richard Wagner zum ersten Mal seinen „Ring des Nibelungen“ aufführte. Die Leitung des Orchesters vertraute der Komponist dabei ohne Weiteres einem Kollegen an: Der Dirigent Hans Richter übernahm die erste Einstudierung des umfangreichen Werks.

Für sich selbst hatte Wagner die schwierigere Aufgabe vorbehalten: Er war der Regisseur der ersten „Ring“-Produktion - und Mottl stand ihm als Assistent zur Seite. Er notierte Wagners szenischen Vorstellungen und sonstige Wünsche in die Partitur und schuf damit eine Quelle, die für Regisseure und Dirigenten bei diesem Stück bis heute größte Bedeutung hat.

Und auch wenn Mottl in der Folge noch weitere Wagner-Werke kommentierte - zum „Holländer“ sind keine Aufzeichnungen von ihm überliefert. Für seinen Nachkommen Bernd Mottl ist das aber kein Problem: „Es steht auch so genug in der Partitur“, sagt er. Und eigentlich würden die Noten ohnehin für sich sprechen. „Dort, wo in den Regieanweisungen steht, dass der Holländer einen Schritt macht, ist die Aktion auch komponiert. Man kann hören, wie er einen Schritt vor den anderen setzt“, sagt der Regisseur.

Darum ist es für ihn auch eine Selbstverständlichkeit, die Noten sehr genau zu lesen. „Ich will die Musik ja so reichhaltig wie möglich vergrößern“, beschreibt er seine Arbeitsweise.

Das bedeutet aber nicht, dass er alles, was in der Musik anklingt, auch wirklich auf die Bühne bringt. Die Spinnrad-Szene zu Beginn des zweiten Aktes wird bei ihm ohne die pittoresken Werkzeuge auskommen. Denn nichts liegt Mottl ferner, als ein musealer Regieansatz. „Wir haben es hier immerhin mit Wagner zu tun“, sagt er. „Da erwarten die Zuschauer schon, dass man die Gültigkeit des Werks für das Jahr 2017 unter Beweis stellt.“

Opern gehören in die Gegenwart

Allzu romantisch wird die „Romantische Oper“ in Hannover also wohl nicht erscheinen. „Opern waren nie historisch und rückblickend gedacht“, sagt er, „sie haben immer in die Gegenwart gehört.“ Darum zielt Mottl jetzt darauf ab, den Sturm ins Bild zu setzen, mit dem der „Holländer“ beginnt: „Es geht in dem Stück auch um die Frage, wie der Mensch mit Naturgewalten umgeht“, so der Regisseur. Man könne also fast von einer „Öko-Oper“ sprechen.

Allerdings geht es ihm zu weit, wenn man Senta, die den verfluchten Holländer mit bedingungsloser Liebe befreien soll, als Öko-Aktivistin beschreiben würde. „Bei mythologischen Stoffen wie hier ist es immer schwierig mit den Vereinfachungen“, sagt Mottl. Natürlich könne man den Holländer als Börsenmakler zeigen und seine Mannschaft als Flüchtlinge. „Auch wenn immer etwas Wahres dran ist - so etwas ist mir zu einfach.“ Mottl will lieber Assoziationen schaffen und dem Stoff das Märchenhafte belassen. Mal sehen, was im Sturm davon übrig bleibt.

„Der fliegende Holländer“: Premiere ist am Sonnabend, 11. Februar, 19.30 Uhr, in der Staatsoper Hannover.

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