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Jakop Ahlbom bringt "Horror" nach Hannover

Theater am Aegi Jakop Ahlbom bringt "Horror" nach Hannover

„Horror“ heißt die neue Show des schwedischen Regisseurs Jakop Ahlbom. In London und Amsterdam hat der blutrünstige Bühnenschocker schon für Furore gesorgt; jetzt ist die Truppe mit dem Gruselstück auch in Deutschland unterwegs. Der Kartenverkauf für das Theater am Aegi hat gerade begonnen.

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Ahlbom arbeitet mit ausgeklügelten visuellen und musikalischen Effekten.

Quelle: Sanne Peper

Hannover. Das wird böse enden. Als drei junge Leute – eine Frau und zwei Männer – vor einem Gewitter Schutz suchen und in einem verlassenen Haus landen, liegt von Anfang an eine düstere, bedrohliche Stimmung in der Luft. Und tatsächlich: Erst bewegen sich die verstaubten Fotos an den Wänden, dann schlüpfen vampirähnliche Gestalten aus einem Wandschrank – und bald darauf kämpfen die Besucher um ihr Leben.

Ahlbom hat in verschiedenen Bereichen Ausbildungen absolviert und gearbeitet: Er kennt sich mit Pantomime ebenso aus wie mit Tanz, er hat einen Film gedreht und an verschiedenen Bühnen, auch in Deutschland, inszeniert. Außerdem ist der Mittvierziger Kenner und Liebhaber von Filmklassikern wie Roman Polanskis „Rosemaries Baby“, Gore Verbinskis „The Ring“, „Der Exorzist“, „Blair Witch Projekt“ ... Hemmungslos bedient sich der Regisseur aus dem filmischen Erbe. Irgendwann im Laufe der „Horror“-Vorstellung greift Darsteller Reinier Schimmel sogar zur Axt und zertrümmert – wie einst Jack Nicholson in „Shining“ – eine Tür.

 „Horror“ heißt die neue Show des schwedischen Regisseurs Jakop Ahlbom. 

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In seinem Spektakel erzählt der Schwede eine genretypische Geschichte, die trotzdem immer wieder Sogkraft entwickelt: Die Frau, die vor dem Gewitter flüchtet (bei der Deutschland-Premiere gespielt von Silke Hundertmark), spürt bald eine seltsame Verbundenheit zu dem scheinbar verlassenen Haus. In einem früheren Leben wohnte sie hier mit ihren Eltern, die das aufmüpfige Mädchen auf brutale Art und Weise erst erziehen und dann loswerden wollten. Jetzt tauchen jedenfalls allerhand Gespenster der Vergangenheit auf, und zahlreiche Untote treiben ihr Unwesen.

Gesprochen wird auf der Bühne kein Wort. Wie in einem Stummfilm, mit übertriebenen Gesten und manchmal exaltierter Mimik, kämpfen da Gestalten ums Überleben. Oft sind die Schauspieler so kostümiert oder mit Blut beschmiert, dass man sie kaum erkennen und auseinanderhalten kann. Das passt zum Konzept des Abends: Hier erlebt man nicht Schauspieler, die ihren Figuren Persönlichkeit und individuelle Nuancen verleihen. Vielmehr sind die Darsteller Mosaiksteine einer opulenten Show, in der Licht, Musik, visuelle Effekte und Schockmomente den Zuschauer erschrecken sollen.

Eine simple Horrorshow habe er nicht machen wollen, sagte Regisseur Ahlbom beim Pressegespräch vor der Deutschlandpremiere in der Hamburger Kampnagel-Halle. Bewusst habe er viele Szenen überzeichnet. Der Grusel wird tatsächlich mehrmals von Zuschauergelächter unterbrochen. Dennoch weist Veranstalter Hannover Concerts, der die Schau ins Aegi holt, auf seiner Webseite vorsorglich darauf hin: „Wichtiger Hinweis: Die Veranstaltung ist nicht für Kinder unter 16 Jahren geeignet!“

Doch niemand muss befürchten, dass Ahlbom einen Splatterfilm auf die Bühne gebracht hat. Auch wenn das Blut üppig fließt, sich die Wiedergänger wenig appetitlich über die (noch) Lebenden hermachen und das alles in allem nicht unbedingt tiefschürfend ist – der Schwede arbeitet mit ausgeklügelten visuellen und musikalischen Effekten. Oft bringt er damit das Publikum zum Staunen: Es gibt Szenen, die man so ähnlich bislang nur vom Film kannte. Zum Beispiel bewegt sich in „Horror“ eine Hand über die Bühne und geht einzelnen Figuren an die Gurgel, ähnlich wie man das aus der „Addams Family“-Serie kennt.

Die Erinnerungen an die schaurige Kindheit der Heldin (oder ist es ihre Schwester?) sieht man auf einem hinteren Teil der Bühne, der durch Glas abgetrennt ist. Dadurch wirkt das geheimnisvoll verschwommen. Und mehr kunstvoll als gruselig.

„Horror“ ist jetzt auf Deutschland-Tournee und macht vom 12. bis 16. September 2017 Station im Theater am Aegi. Karten gibt es im HAZ-Ticketshop.

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