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Regisseur John Lasseter schaltet bei „Cars 2“ einen Gang höher

Filmkritik Regisseur John Lasseter schaltet bei „Cars 2“ einen Gang höher

Die Rache der Spritschlucker: US-Regisseur John Lasseter hat bei der Fortsetzung „Cars 2“ einen Gang höher geschaltet. Der Animationsfilm startet am 28. Juli in den deutschen Kinos.

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Spione unter sich: Allerdings weiß der rostige Abschleppwagen Hook (rechts) gar nicht, dass er einer ist.

Quelle: Disney/Pixar

Umtriebige Autosportmanager wie Bernie Ecclestone können von „Cars 2“ noch einiges lernen: Gegenüber den hier ausgebreiteten Machenschaften sieht die Wirklichkeit im Renngeschäft geradezu harmlos aus – und das will schon etwas heißen. Weltverschwörungspraktiker James Bond dagegen müsste neidisch werden: Diese abgedrehte Agentenstory bietet selbst für einen Meisterspion noch Überraschungen.

Als der erste „Cars“-Film vor fünf Jahren in die Kinos kam, waren die Zweifel groß: Autos als Helden? Kann ja sein, dass manchen rollenden Untersätzen Charakter nachgesagt wird (siehe VW-Käfer „Herbie“), aber dass man mit Blechbüchsen mitfühlt, die Kulleraugen statt Scheinwerfern und Münder statt Stoßstangen haben, schien schwer vorstellbar. Dann bretterten der egozentrische Rennwagen Lightning McQueen und seine treuen Kumpel über alle Einwände hinweg. Menschliche Figuren gibt es weder im ersten noch im zweiten Film. Wäre es nicht so widersinnig, müsste man sagen: Hier sitzen die Autos am Steuer.

Der Mann hinter „Cars“ ist ein wahres Genie. US-Regisseur John Lasseter, ein bekennender Autofreak, hat mit „Toy Story“ vor 16 Jahren das Zeitalter des Computertrickfilms eingeläutet. Darin ging es um Plastikspielzeug im Kinderzimmer. Mittlerweile haben die – mit insgesamt zwölf Oscars dekorierten – Pixar-Leute Fische („Findet Nemo“) und auch Ratten in der Sterneküche („Ratatouille“) animiert. Im Animationskino haben sonderbare Helden besondere Chancen.

Lightning McQueen, Hook und Co. sind zurück auf der Leinwand: Am 28. Juli startet „Cars 2“ in den deutschen Kinos.

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Schade allerdings, dass Lasseter sich von Hollywoods Fortsetzungsmanie hat anstecken lassen, der er selbst lange skeptisch gegenüberstand. Inzwischen gehört Pixar jedoch zu Disney, mit den unabhängigen Entscheidungen ist es vorbei. Glücklicherweise hat es dem Regisseur und seinem Drehbuchautor Ben Queen nicht an Einfällen gemangelt: Die beiden schalten ein paar Gänge höher als beim ersten Durchgang.

Auf einer Ölplattform mitten im Ozean beginnt das Abenteuer. Ein eleganter britischer Spion namens Finn McMissile (gesprochen von Daniel Craigs deutscher Synchronstimme Dietmar Wunder) ist einem global operierenden Verbrecherring auf der Spur. Der Agent erinnert auch in seiner Coolness an James Bond, doch werden die 007-Zitate mit kluger Ironie gestreut, von Anbiederung keine Spur. Wenig später schon jagt McMissile die Bösen in der großen, weiten Rennsportwelt, wo er auch auf die altbekannten Helden trifft.

Die eingeschworene Autotruppe aus dem kalifornischen Kaff Radiator Springs hat mit Spionage gar nichts im Sinn. Sie will Rennstar Lightning McQueen zum Sieg über einen italienischen Formel-1-Macho namens Francesco Bernoulli verhelfen. Bernoulli teilt seine Verbalattacken ungefähr so großzügig aus, wie es Boxer David Haye jüngst vor seinem Kampf gegen Wladimir Klitschko tat. Haye bekam dann einen auf die Nase, und ganz ähnlich soll Großmaul Bernoulli zum Schweigen gebracht werden.

Nun aber folgt die eigentliche Überraschung in diesem Film: Der Star ist nicht der smarte Lightning McQueen, sondern der rostzerfressene Abschleppwagen Hook. Der Dorftrottel vom (Abschlepp-)Dienst mit den vorstehenden Schneidezähnen findet sich unversehens in der Rolle eines Geheimagenten wieder, wenn es plötzlich – ganz zeitgemäß – um alternativen Kraftstoff, gigantische Ölfelder und verrückte Wissenschaftler geht. Die Rache der Spritschlucker und alten Gurken auf unseren Straßen, die fürchten müssen, in Zeiten des Biotreibstoffs abgemeldet zu werden: In diesem Film wird sie Wirklichkeit.

In Paris, London und an der italienischen Riviera wird die wilde Jagd auf und jenseits der Piste fortgesetzt – und ebenso in Tokio. Dieser Teil des Films war wohl schon vor dem Fukushima-Unglück fertig. Hollywood hält gemeinhin wenig von Krisenschauplätzen in einer Familienkomödie.

Hook weiß schon bald nicht recht, wie ihm geschieht. Plötzlich muss er die Welt und nebenbei McQueen das Blech retten. Die Freundschaft der beiden wird auf eine harte Probe gestellt. Letztlich ist „Cars 2“ ein echtes Buddie-Movie. Dellen im Kotflügel dienen hier als unübersehbarer Beleg für Freundschaft und Solidarität.

„Cars 2“ ist in Hollywoods Fortsetzungsgeschäft ebenso eine positive Überraschung, wie es im Vorjahr „Toy Story 3“ war. Für nostalgische Betulichkeit, wie sie im Original gepflegt wurde, bleibt allerdings keine Zeit mehr – für verschrobene Detailverliebtheit schon. Wer sehen will, wie die britische Queen in Gestalt eines Rolls-Royce einen zerbeulten Abschleppwagen zum Ritter adelt: In „Cars 2“ ist das kein Problem.

Eiliges Blechle: Rasante Fortsetzung. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.

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