Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Reine Freude

Weihnachtskonzert des Bachchors Reine Freude

Das Weihnachtskonzert des Bachchores mit Bach und Händel in der hannoverschen Marktkirche besticht auch mit etwas weniger bekannten Stücken.

Voriger Artikel
Bunter Teller voll Musik
Nächster Artikel
Harry Potter auf der Bühne

Hohes Niveau: Jörg Straube leitet Bachchor und -orchester seit vielen Jahren - Abnutzungserscheinungen gibt es aber nicht

Quelle: UWE_DILLENBERG

Hannover. Es muss ja nicht immer das „Weihnachtsoratorium“ sein. Zumindest nicht nur. Neben dem ersten Teil des adventlichen Gassenhauers hatte Dirigent Jörg Straube für das traditionelle Weihnachtskonzert mit dem Bachchor in der Marktkirche mit der Kantate „Unser Mund sei voll Lachens“, ebenfalls von Bach, und dem ersten Teil des „Messias“ von Händel in der Bearbeitung von Johann Adam Hiller eher unbekannte Werke ausgesucht. Besonders die Kantate erstaunte, hebt sie sich doch deutlich von den häufig musizierten Kantaten des Thomaskantors ab, wenn etwa Texte wie das „Ehre sei Gott in der Höhe…“ statt wie üblich vom vollen Chor von einem Solistenduo vorgetragen werden.

Dass Hillers Bearbeitung des „Messias“ heute kaum noch aufgeführt wird, liegt dagegen sicher nicht nur daran, dass es auch eine Bearbeitung von Mozart gibt. Viele musikalischen Besonderheiten des Händelschen Originals sind glattgebügelt und ausgemerzt. Historisch mag die Bearbeitung interessant sein, anhören tut man sich lieber das Original.

Was man zu hören bekam, war dafür aber die reine Freude. Der Bachchor unter der umsichtigen Leitung von Straube sang intonationssicher, mit sehr guter Textverständlichkeit (in der Marktkirche keine Selbstverständlichkeit) und vor allem sehr engagiert und stilsicher. Die gemischte Aufstellung stellte sich mit erhöhter Aufmerksamkeit und dadurch bedingt sehr guter rhythmischer Präzision als großer Gewinn heraus. Den ersten Teil des „Weihnachtsoratoriums“ sangen die Choristen auswendig: Erstaunlich wie sehr Präsenz und Klangvolumen dadurch noch gesteigert werden konnten. Das Stück wurde damit - zumindest von Seiten des Chores - zum Höhepunkt des Abends. Das klang agil, wenn nötig tänzerisch, aber auch kraftvoll und jubelnd. Hübsch zu beobachten, wie bei fast allen - Musikern und Zuhörern - zu Beginn dieser Kantate ein freudiges Lächeln übers Gesicht huschte.

Die vier Gesangssolisten bestätigten das hohe Niveau des Abends. Hilke Andersens Altstimme ist eher hell gefärbt als erdig-dunkel, was ihr eine prägnante Klarheit verleiht. Lange Melodiebögen zu spannen liegt ihr dabei mehr als eine ausgeprägte Binnenphrasierung. Sebastian Krummen (Bariton) singt beweglich mit eher tenoraler Färbung und einer kraftvollen Höhe. Die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Anna Nesyba umgarnte das Publikum mit ihrer noch sehr jugendlich leichten, teils fast knabenhaften Stimme und Martin Platz (Tenor) sang durchsichtig, herrlich beweglich und mit einer Leichtigkeit in der Höhe, die man nur selten hören kann. Das Bachorchester unterstützte die Sänger aufmerksam. Dass diese Instrumentalisten sich mit Barockmusik besonders gut auskennen, ist in jeder Phrase zu hören; dass sie aber auch nach vielen Jahren daran immer noch besondere Freude haben, ist auch zu sehen.

Von Michael Meyer-Frerichs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Milow spielt im Capitol