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Kultur Renate Behle kehrt an die Staatsoper zurück
Nachrichten Kultur Renate Behle kehrt an die Staatsoper zurück
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02:16 01.06.2018
„Altersgemäße Rolle“: Renate Behle singt mit über 70 noch an der Scala – und wieder in Hannover. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Als Renate Behle eine der größten Ehrungen bekam, die Sängerinnen in ihrer Karriere erreichen können, sang sie noch gar nicht die Rollen, für die sie später in aller Welt berühmt werden sollte. 1987 verlieh ihr Hans-Peter Lehmann, der damalige Intendant der hannoverschen Staatsoper, den Titel einer Kammersängerin. In der Rolle des Komponisten in Richard Strauss’ Oper „Ariadne auf Naxos“ war sie so überzeugend, dass Lehmann sich entschloss, die Sängerin besonders auszuzeichnen, die damals schon fünf Jahre lang zum Ensemble gehörte. Behles Freude allerdings war eher zurückhaltend: „Ich dachte, Kammersängerin wird man erst, wenn man keine Stimme mehr hat“, sagt die 73-Jährige heute.

Renate Behle singt an der Staatsoper Hannover

Es mag aber auch an dem neuen Titel gelegen haben, dass Behle fortan selbstbewusster in der Wahl ihrer Rollen wurde. Im bald darauf folgenden „Rosenkavalier“ sollte sie ihrem Stimmfach gemäß eigentlich den Octavian singen. „Ich habe aber gesagt, dass ich die Marschallin sein möchte.“ Lehmann stimmte zu – und gab ihrer einen neuen Vertrag, der aus der Mezzosopranistin zunächst auf dem Papier eine Sopranistin machte. Diese neue Stimmlage erwies sich als mindestens ebenso geeignet für Behle wie die bisherige – vor allem, weil sie sich die neuen Partien auf eine ganz eigene Weise aneignete. „Ich habe mich immer bemüht, die Rollen mit meiner eigenen Stimme zu singen, anstatt die gängigen Klischees zu erfüllen“, sagt sie.

Von der Staatsoper an die Met

Dem Schicksal vieler ihrer Kolleginnen, die mit zu dramatischen Partien ihre Stimme ruinieren, blieb ihr so erspart. Vielmehr entwickelte sie sich bald sogar weiter zum hochdramatischen Sopran und sang die kräftezehrenden großen Rollen in Wagner-Opern. Damit erregte sie so viel Aufmerksamkeit, dass sie ihren Vertrag in Hannover 1997 nach 15 Jahren kündigte, um fortan als freie Sängerin zu arbeiten. Nach Erfolgen in Hamburg, wo die 1945 in Graz geborene Sängerin bis heute lebt, eröffneten sich ihr bald alle Möglichkeiten: Sie sang an der Met in New York, an der Wiener und Münchener Staatsoper, an der Scala in Mailand und bei den Salzburger Festspielen.

Nach Hannover kehrte sie in dieser Zeit selten zurück. Nur als ihr Sohn überlegte, auch Sänger zu werden, stelle sie ihm ihren einstigen Chef Hans-Peter Lehmann vor, um dessen Urteil zu hören. Der Sohn gab sein Posaunenstudium auf und begann eine Gesangsausbildung – heute ist Daniel Behle als Tenor ebenso erfolgreich wie seine Mutter als Sopranistin.

2010, als sie auch als Lehrerin an der Hamburger Musikhochschule in den Ruhestand trat, beschloss Behle, keine der großen Partien mehr zu singen, die ihre Karriere so lange getragen hatten. Das Ende ihrer Karriere war das aber nicht: Rund zwei Produktionen leistet sie sich pro Jahr – wenn die Rollen „altersgemäß“ sind, wie sie sagt. Neben Auftritten an der Scala feierte sie mit einer solchen Rolle sie auch ihre Rückkehr nach Hannover: Zunächst vor zwei Jahren als Sara in Giorgio Battistelli Oper „Lot“ und nun – in einer weit umfangreicheren Partie – als alte Priorin in Francis Poulencs Oper „Dialogues des Carmélites“, die am Sonnabend an der Staatsoper Premiere hat.

Die Rückkehr nach Hannover ist für sie noch immer mit Heimatgefühlen verbunden – auch, wenn von den Sängern, mit denen sie damals im Ensemble zusammengearbeitet hat, nur noch der Tenor Latchezar Pravtchev am Haus ist. Immerhin hat sie hier nicht nur einen Koffer, sondern noch eine eigene kleine Wohnung in der List. Wohnen kann sie dort jetzt aber nicht. Sie ist seit dem dem Ende ihres festen Engagements vor 21 Jahren vermietet.

Poulencs Oper „Dialogues des Carmélites“ hat am Sonnabend, 2. Juni, 19.30 Uhr, Premiere an der Staatsoper. Renate Behle singt die Madame de Croissy, Kapellmeister Valtteri Rauhalammi dirigiert. Regie führt Dietrich W. Hilsdorf.

Von Stefan Arndt

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