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Mit Wookie "Kautabakka" durch die Galaxie

HAZ-Rezension zu Star Wars 1 (1977) Mit Wookie "Kautabakka" durch die Galaxie

"Spektakuläre Trickfilmtechnik", eine "grandiose" Soundkulisse, das "kinotechnisch perfekteste Zelluloidmärchen unserer Tage": Nicht erst der siebte Teil der Star-Wars-Reihe fasziniert Kino-Fans und Film-Kritiker gleichermaßen.  Wir haben die Rezension der HAZ zum allerersten Star-Wars-Film von 1977 für Sie aus dem Archiv geholt.

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Am 21. Juli 1977 rezensierte die HAZ den ersten Star-Wars-Film. 

Quelle: dpa/M

Schon 1977 erreichte Star Wars Rekordzahlen an den Kinokassen. Und was uns heute am ersten "Krieg der Sterne"-Film technisch altbacken vorkommt, begeisterte seinerzeit die Kritiker. Anlässlich des Kinostarts von Star Wars VII lesen Sie hier noch einmal die HAZ-Kritik von 1977 im Wortlaut:

Die Brüder Grimm in der Galaxis

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…“ – so beginnt das optisch schönste vom Drehbuch her intelligenteste und kinotechnisch perfekteste Zelluloidmärchen unserer Tage: „Star Wars“ („Krieg der Sterne“), eine Kinophantasie in der Tradition großer Comic strips der fünfziger Jahre.

Regisseur George Lukas, 33, hatte in seinem zweiten Spielfilm „American Graffiti“ (1973) – Nummer 11 in der Weltrangliste der erfolgreichsten Filme – eine atmosphärisch vorzügliche Rückblende auf die verlorene Halbstarkengeneration der frühen sechziger Jahre geliefert. Dieser Kassenerfolg verschaffte ihm einen Produktionskredit von 9,5 Millionen Dollar für ein weiteres Nostalgieprodukt: die Rückkehr des großen, familiengerechten Abenteuerfilms auf die von Sex- und Brutalstreifen überstrapazierte Leinwand.

„Star Wars“ weckt Erinnerungen an legendäre Comic-strips-Helden wie Superman, Akim, Flash Gordon, Lash La Rue, Sigurd, Batman, die die Magie einer verschnörkelt-futuristischen Illusionswelt über mathematische und physikalische Logik siegen liegen und der Unschuld zum galanten Triumph über das Böse verhalfen. Dieser heroische Einsatz wurde zwar in Pop-art-Gemälden von Roy Lichtenstein und Andy Warhol für Museen und Kunstkataloge verewigt; nachfolgende Generationen mussten jedoch in Kino und Fernsehen mit rüden Serien-Stereotypen wie James Bond, Richard Kimble oder Kojak vorliebnehmen.

Lucas hat nun all die glorreichen Klischees der Comic-strips-Epoche zu einem Abenteuerfilm voller Tempo, Witz und technologische Brillanz zusammengebaut: Rebellen gegen das finstere galaktische Imperium haben die geheimen Pläne der gigantischen Satellitenstation „Death Star“ gestohlen, deren ungeheures Vernichtungspotential die Galaxis in Schach hält. Die Anführerin der Rebellen, Prinzessin Leia vom Planeten Alderaan, wird jedoch von den Oberschurken des Imperiums, dem Großen Moff Tarkin und seinem Feldherrn Lord Darth Vader, gefangengenommen. Vorher kann sie aber noch den beiden Robotern Zee-Dreipeo (C3PO) und Errzwei-Deezwei (R2D2) die Pläne zuspielen, die sich damit auf den Planeten Tatooine absetzen. Von dort macht sich mit ihnen eine recht gemischte Gesellschaft zur Rettung der Prinzessin und zur Zerstörung des Todessterns auf: der Bauernjunge Luke Skywalker, dessen Vater im Kampf gegen das Imperium von Darth Vader getötet wurde, der Abenteurer Han Solo mit seinem lichtschnellen Raumschiff und dem hundertjährigen, affenähnlichen „Wookie“ Kautabakka als Kopilot sowie der Eremit Obi-Wan Kenobi, einst einer der verdienstvollsten Krieger der alten Republik, wie sein missratener Schüler Vader, im Besitz geheimnisvoller transgalaktischer Kräfte.

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Natürlich glückt die Expedition des Guten; nur der böse Darth Vader kann sich mit einem Rettungsschiff vom explodierenden Todesstern absetzen – die Hintertür für eine Fortsetzung in klassischer Comic-strip-Manier ist also offen.

Was „Star Wars“ über ähnliche Produktionen der letzten Kinosaison wie „Willkommen im 23. Jahrhundert“ hinaushebt, ist die spielerische Distanz und stilistische Sicherheit, mit der Lucas die Stereotypen dieses Genres handhabt. „Krieg der Sterne“ ist kein Science-fiction-Film wie „2001“ (1968), dessen cinematographische Brillanz durch Fortschritte in der Computerprogrammierung und Trickfilmtechnik spektakulär übertroffen wird. „Der Film ist mehr mit den Fabeln der Gebrüder Grimm verwandt“, meint Lucas. „Er gibt den jungen Leuten wieder eine komplette Phantasiewelt, wie damals, als wir Piraten- oder Westernfilme oder die Abenteuer vom Mädchen Dorothy im „Zauberhaften Land“ hatte. Zu einer solchen an keinerlei reale Bezüge gebundenen Märchenwelt passt es denn auch, dass beide beiden Computer C-3PO und R2D2 wie ein Komikerteam vom Schlage Laurel & Hardy durch die Galaxis stolpern, die Raumschiffe schon ein bisschen angerostet sind (Lucas: „Alles sollte wie im täglichen Gebrauch aussehen“) und die Akteure bisweilen mit einem amüsanten Pathos in interstellarem Gelsenkirchener Barock chargieren, als kämen sie frisch aus dem Stummfilmatelier von Fritz Langs „Metropolis“.

Der visuellen 70-mm-Makellosigkeit von „Star Wars“ entspricht die grandiose stereophonische Geräuschabschmischung im klangverbessernden Dolby-Verfahren. Dieses galaktische „Vom Winde verweht“ brach am Premierenwochenende in 50 US-Kinos alle Einspielrekorde seit dem „Weißen Hai“: 2,5 Millionen Dollar. Weltweit wird „Star Wars“, nach Schätzungen des Branchenfachblatts „Variety“, etwa 150 Millionen Dollar einspielen und sich damit an die Spitze aller Kassenmagneten setzen. Doch schon droht ein „Krieg der (Kommerz-)Sterne“: Im Herbst legt „Hai“-Regisseur Steven Spielberg seinen Weltraumfilm „Close Encounters of the Third Kind“ vor, und eine Saison später wird dann der 20 Millionen teure „Superman“-Film (mit Marlon Brando und Gene Hackman) uraufgeführt. Hollywood setzt also voll auf die Renaissance des komischen Heldenepos. 

Von Barry Graves

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Eine Rezension zu Star Wars VII - Das Erwachen der Macht lesen Sie hier.

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