Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Reflexe 
allgemeiner
 Verunsicherung
Nachrichten Kultur Reflexe 
allgemeiner
 Verunsicherung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 19.09.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Was ist Realität, was ist Spiegelung? Franziska Stünkels Fotografien spielen mit den Ebenen. Quelle: Franziska Stünkel
Anzeige
Hannover

In der Bildmitte dümpeln Bosporus-Fähren. Doch davor ist statt Wasser und Wellen ein Gewirr von Stühlen und Tischen zu sehen. Und im Hintergrund schürt der Schriftzug „Pamukkale“ Ungewissheit darüber, auf welcher Realitätsebene er sich befindet: in der Spiegelung des Glases – oder im Restaurant dahinter.

Franziska Stünkel zeigt in der Galerie Robert Drees ihre Fotografien von einer Reise nach Istanbul.

Verunsicherung – wie sie hier von der Aufnahme der Reflexionen einer Restaurantscheibe auf Istanbuls Galatabrücke ausgeht – lösen alle Fotografien aus, die Franziska Stünkel ausstellt. Denn darauf hält sie stets Spiegelungen fest und verschränkt so mehrere Wahrnehmungsebenen. Nichts scheint die hannoversche Künstlerin dabei weniger zu interessieren als eine auf Eindeutigkeit abzielende Bildkomposition. Vielmehr dokumentiert sie Vielfalt, Brüche und Widersprüche. Und dabei bieten die Lichtreflexe der Spiegelungen Anlass zu Reflexionen, geraten ihre Fotos zu Sinnbildern einer fragmentierten Wirklichkeit, einer Lebenswelt gebrochener Identitäten.

„Im Film kulminiert alles, er ist das Medium mit dem Potential zum Gesamtkunstwerk – aber Fotografie kann die Vielschichtigkeit eines Augenblicks festhalten, die gleichzeitige Koexistenz von Realitätsebenen“, begründet die Regisseurin, warum sie neben ihrer Filmarbeit seit vier Jahren auch Fotoprojekte verfolgt, wie sie jetzt in der Galerie Robert Drees zu sehen sind. Die Ausstellung „Coexist“ zeigt Bilder aus der dritten Fotoserie, für die Stünkel systematisch fremde Weltregionen bereist hat. Zuerst war sie 2010 in asiatischen Metropolen, dann, 2012, in Großstädten Afrikas, und zuletzt hat sie Spiegelungen in Europa festgehalten – in Kopenhagen und Berlin, Cannes und Nizza, Wien und Istanbul.

Doch gleich, welche Metropole jetzt auf den großformatigen Fotografien in der Galerie Robert Drees zu sehen ist – gemeinsam ist allen die irritierende Wirkung auf den Betrachter. Und diese Verstörung scheint das Lebensgefühl moderner Großstädter, das man vor ein paar Jahren vielleicht noch als postmodern beschrieben hätte, auch in außereuropäischen Metropolen recht genau zu treffen.

Franziska Stünkel: „Coexist“, Galerie Robert Drees, Weidendamm 15, Eröffnung am Freitag um 19 Uhr durch Sebastian Lux, Kurator der F. C. Gundlach Stiftung für Fotografie. Details unter www.galerie-robert-drees.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Interview mit Lars-Ole Walburg - „Ich will keinen Grabenkrieg auf der Bühne“

Lars-Ole Walburg ist seit 2009 Intendant des Schauspiels Hannover. Mit seiner jüngsten Regiearbeit, „Im Westen nichts Neues“, wir die neue Spielzeit eröffnet.

Ronald Meyer-Arlt 18.09.2014
Kultur Spielzeitauftakt mit Mozarts „Zauberflöte“ - „Ach, ich fühl’s“

Beim Spielzeitauftakt am Hildesheimer Theater für Niedersachsen (TfN) ist Vieles, wie es sein sollte. Verdient gibt es begeisterten Applaus des Premierenpublikums.

18.09.2014
Kultur Tanztheater International - Taktgefühle

Mit zwei Choreografien von Ann Van den Broek und einer Erfolgsbilanz endet die 29. Ausgabe vom Tanztheater International

17.09.2014
Anzeige