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Ford schreibt wieder über Frank Bascombe

Pulitzer-Preisträger Ford schreibt wieder über Frank Bascombe

Es ist eine gelungene Überraschung von Fans von den Romanen „Der Sportreporter“, „Unabhängigkeitstag“ und „Die Lage des Landes“: Richard Ford schreibt in einem vierten Buch noch einmal über seinen Alltagshelden Frank Bascombe.

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Richard Ford.

Quelle: dpa

Hannover. Er hat Glück gehabt. Vor einer Weile hat Frank Bascombe sein Haus an der Atlantikküste verkauft und ist wieder nach Haddam ins Landesinnere gezogen, wo er früher schon mal gelebt hat. So sind er und seine Frau von dem Hurrikan Sandy verschont geblieben, der im Herbst 2012 über die US-Ostküste fegte.

68 Jahre alt ist dieser Mann mittlerweile, und in seinem vierten Buch über ihn, „Frank“, läuft Richard Ford wieder zu großer Form auf. Vor beinahe 30 Jahren hat der amerikanische Autor den ersten Roman über Bascombe geschrieben, „Der Sportreporter“. Darin begegneten die Leser einem sympathischen, nicht sonderlich extravaganten Mann, der versucht, Job, Kinder, Ex-Frau und Freundin unter einen Hut zu bekommen. Früher wollte er Schriftsteller werden, gelandet ist Bascombe im Journalismus. Fords Romane „Unabhängigkeitstag“, 1996 mit dem Pulitzer-Preis und dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet, und „Die Lage des Landes“ (2006) folgten. Da hatte der Protagonist seinen Reporterjob schon aufgegeben und verdiente sein Geld als Immobilienmakler.

Einer der wichtigsten Autoren der Gegenwart 

Von Buch zu Buch wuchs Fords Ruhm. Der 1944 in Mississippi geborene Autor, der seit Langem an der Ostküste lebt, zählt zu den wichtigsten amerikanischen Gegenwartsautoren. Ford, der gerade auf Lesereise in Deutschland ist, hat von Bascombes Leben erzählt - und dabei auch geschildert, wie sich die USA verändert haben. In dem neuen Buch wirken Land und Leute ähnlich beschädigt wie die Häuser nach dem Sturm. Viele Menschen leiden noch immer unter den Folgen der Finanzkrise, Soldaten sind traumatisiert aus dem Irakkrieg zurückgekehrt, Ehen wurden geschieden, Karriereträume sind geplatzt.

Der Ich-Erzähler Frank, mittlerweile Rentner, ist eine Art Jedermann, einer aus der Mittelschicht. Man neigt dazu, ihn zu unterschätzen. Dabei ist er ein scharfer Beobachter und ein einfühlsamer Mann, der sich Rechenschaft über seine Gefühle abzulegen versucht. Auch wenn er darüber nur selten spricht.

„Frank“ besteht aus vier Erzählungen

„Frank“ besteht aus vier Erzählungen, die sich aufeinander beziehen. Die Handlung ist auf wenige Tage rund um Weihnachten 2012 konzentriert. Auch wenn die Küste verwüstet ist, Bascombe übers Altern und den Tod sinniert, seine Ex-Frau an Parkinson erkrankt ist: Ford erzählt das alles in einem gelassenen Tonfall. Das passt zur Gemütsverfassung seines Helden, der gerade eine Liste überflüssiger Redewendungen anlegt - wie „da bin ich ganz bei Ihnen“. Die Liste entsteht „aus der Überzeugung heraus, dass das Leben ein stetiges Wenigerwerden ist, bis wir bei einer solideren, immer annähernder vollkommenen Essenz angelangt sind ...“.

Wahrscheinlich teilt Ford die Einstellung seiner Hauptfigur: „Frank“ ist mit gerade einmal 219 Seiten weit kürzer und konzentrierter erzählt als die Vorgängerromane. Manchmal wirkt der Text fast spröde; dann wieder blitzen bei Bascombe Erinnerungen oder Gedanken auf, die dem Leser nahegehen oder ihn zum Nachdenken bringen. Etwa als er zu seinem früheren Wohnort fährt: „Die Rückkehr an die Küste versetzte mich in Hochstimmung, selbst wenn dort das Desaster herrscht. Unsere wahren Gefühle sind nie konventionell.“

Unkonventionell und überraschend 

Dass man Bascombes Werdegang seit Jahrzehnten neugierig folgt, liegt genau daran: Der Mann ist eine Spur unkonventionell, überraschend. Der handfeste Ex-Makler hat eine gefühlvolle Seite und ist doch immer für einen bitteren oder ironischen Kommentar gut. Das zeigt sich, als bei ihm eine Frau auftaucht, die als Kind in seinem jetzigen Haus gelebt hat. Die Frau erzählt ihm eine schaurige Familiengeschichte. „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“, sagt er im hilflosen Versuch zu trösten. Und weiter heißt es: „Natürlich glaube ich kein bisschen daran. Das meiste, was uns nicht umbringt, bringt uns später um.“

Nun, Bascombe lebt noch. Er hat vor Jahren den Tod seines kleinen Sohnes verkraftet, die Scheidung von seiner ersten Frau, er hat das Scheitern seines Schriftstellertraums überstanden und eine Krebserkrankung. „Könnte alles schlimmer sein“ ist eine Erzählung überschrieben. Man könnte kaum besser davon erzählen.

Richard Ford: „Frank“. Deutsch von Frank Heibert. Hanser Berlin. 219 Seiten, 19,90 Euro.

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