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Nachrichten Kultur Ridley Scotts Youtube-Film startet in den deutschen Kinos
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16:59 06.06.2011
„Life in a Day“ zeigt das Leben von morgens bis abends, von der Geburt bis zum Tod. Quelle: dpa
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Die Hochzeitsfeier des besten Freundes, die Geburt des ersten Kindes oder sogar der Vollrausch von Samstagnacht: Bei Youtube werden solche privaten Clips zuhauf ins Netz gestellt. Viele erscheinen recht banal und oft sogar peinlich, Spielfilm-Potenzial würde ihnen wohl niemand zutrauen. Regie-Altmeister Ridley Scott („Blade Runner“, „Alien“) sah das anders und beteiligte sich als Produzent an „Life in a Day“ - einem Kinofilm aus tausenden Youtube-Videos unter der Regie von Oscar-Preisträger Kevin Macdonald. Sämtliche Clips entstanden an einem einzigen Tag: dem 24. Juli 2010.

Wer nun denkt, dass er sich die Videos ebenso gut im Netz statt auf der Kinoleinwand anschauen kann, der irrt. Nüchtern betrachtet ist „Life in a Day“ zwar nicht mehr als eine Aneinanderreihung zahlloser Video-Clips ohne Drehbuch und ohne Schauspieler. Tatsächlich macht aber gerade das den Reiz des Films aus - echte Menschen, echte Gefühle und auch ein wenig Voyeurismus.


Der wichtigste Unterschied zur Video-Plattform im Internet: Der Film zeigt nicht nur einen Tag im Leben der Darsteller. Er zeigt an diesem einen Tag eigentlich auch das ganze Leben - vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Von der Geburt eines Kindes (der werdende Vater wird beim Filmen ohnmächtig) über die erste Rasur (eine blutige Angelegenheit) bis hin zum Heiratsantrag (natürlich auf Knien) und schließlich dem Tod ist alles dabei.

Dokumentiert wird das anhand verschiedenster Darsteller aus insgesamt 197 Ländern. Sie alle haben ihr Leben am 24. Juli gefilmt und damit einen globalen Tagebucheintrag geschaffen. „This is the best day ever“, lallt einer angetrunken in die Videokamera. Für den jungen Mann ist es der beste Tag seines Lebens. Für andere ist es der letzte. Bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg verlieren an diesem Tag 21 Menschen ihr Leben. Der Film dokumentiert auch dieses Ereignis.

„Ich wollte dieses friedfertige Beieinandersein der Menschen filmen, die einfach nur Spaß haben“, sagte Mareike Sehr, deren Video auf der Loveparade entstand. „Dass es so schlimm wird, konnte ja keiner ahnen.“ Nun sorge ihr Video dafür, dass die Katastrophe nicht in Vergessenheit gerate. Es wurde aus 80.000 Beiträgen ausgewählt.

Trotz des fehlenden Drehbuchs ist im Film nicht alles dem Zufall überlassen. Mehr als 4500 Stunden Material kürzten die Macher auf 95 Minuten Spielfilmlänge und brachten die Videos in eine mehr oder weniger stringente Chronologie. Innerhalb der zeitlichen Abläufe wird auch die Spannbreite menschlichen Lebens dokumentiert. Dabei setzen die Macher auf die Gegenüberstellung verschiedenster Emotionen.

Während eben noch eine Kuh geschlachtet wird, verspeist in der nächsten Szene ein Mann genüsslich seine Spaghetti Bolognese. Freude und Leid liegen ebenso dicht beieinander wie Leben und Tod. Nicht selten entsteht durch die filmischen Schnitte jedoch eine ganz eigene Komik.

Kleiner Wermutstropfen: Einige Sequenzen wurden offensichtlich nicht von Laien, sondern von den Machern selbst gedreht. So wirken Bilder aus den abgelegensten Regionen der Erde eher wie eine unkommentierte Dokumentation. Denn woher sollten vollkommen mittellose Menschen, die irgendwo in den Bergen von ihrem Vieh leben, eine Videokamera haben - geschweige denn Zugang zu Youtube?

Und: Was auf der Internet-Plattform gilt, gilt auch für den Kinofilm. „Die Rechte an den Videos mussten wir an Youtube abtreten“, sagte Mareike Sehr. Bedenken, ihr Privatleben öffentlich zu machen, hatten ohnehin die Wenigsten. Der Düsseldorfer Mario Obst folgte dem Aufruf ebenfalls - und filmte sich beim Zähneputzen. „Mir war schon klar: Wenn ich das Video reinstelle, kann es jeder sehen.“

Deutscher Kinostart: 9. Juni

dpa

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