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Kultur Riesenwippe wird Einheitsdenkmal in Berlin
Nachrichten Kultur Riesenwippe wird Einheitsdenkmal in Berlin
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19:34 13.04.2011
Von Michael Grüter
Eine begehbare, riesige Schale soll bald in Berlin nahe der Museumsinsel stehen. Quelle: dpa

Eine leicht gebogene große Schale aus Glas und Metall soll künftig in Berlins Stadtmitte an die Freiheits- und Demokratiebewegung im Osten Deutschlands erinnern, die vor über zwei Jahrzehnten den Weg zur Wiedervereinigung bahnte. Der Kulturausschuss des Bundestages billigte gestern mit großer Mehrheit die Entscheidung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, das vom Bundestag beschlossene Freiheits- und Einheitsdenkmal nach dem gemeinsamen Entwurf des Stuttgarter Architekten Johannes Milla und der Berliner Choreografin Sasha Waltz zu realisieren.

Damit findet eine seit über einem Jahrzehnt geführte Debatte ihren Abschluss in einem Werk, das ebenso gut als Mach-Mal wie als Denk-Mal anzusprechen ist. Die 50 Meter große Schale ist begehbar. Auf ihrer Innenseite sollen Zitate von DDR-Bürgerrechtlern eingeschrieben werden. In großen Lettern wird sich auch die Widmung des Denkmals finden: „Wir sind das Volk, wir sind ein Volk“ – die Schlüsselsätze der friedlichen Revolution. Versammeln sich die Besucher auf einer Seite der Schale, so neigt sich mit ihrem Gewicht das Kunstwerk nach Art einer Wippe sanft nach Norden oder Süden. Auf der Außenseite finden sich Bilder der revolutionären Ereignisse.

„Bürger in Bewegung“ nannten Milla und Waltz ihren Entwurf. „Uns kam es darauf an, ein Denkmal zu schaffen, das die Menschen nicht nur betrachten oder fotografieren, sondern bei dem sie aktiv und selbst Teil des Denkmals werden“, beschreibt der Architekt die Motivation.

Das Werk, dessen Kosten mit 15 Millionen Euro veranschlagt werden, soll auf dem Platz des ehemaligen Nationaldenkmals von Kaiser Wilhelm I. an der Schlossfreiheit errichtet werden. Die Reiterstatue zur Verherrlichung des Kaisers wurde vor 130 Jahren an der Westfassade des Berliner Stadtschlosses in die Spree gebaut und 1950 in der DDR bis auf den Sockel abgetragen.

Anders als beim Vorläufer weist hier künftig nichts gebieterisch nach oben. Der Betrachter wird eingeladen, seine eigene Perspektive zu wählen, ähnlich wie bei dem Mahnmal, mit dem an die Ermordung der europäischen Juden erinnert wird. Die dominante geschwungene Horizontale verleiht der neuen Arbeit etwas Beschwingtes.

Im Jahr 2001 hatte sich der Kulturausschuss des Bundestages zum ersten Mal mit dem Vorschlag eines Freiheits- und Einheitsdenkmals befasst. Im November 2007 sprach sich das Parlament mit der Mehrheit von Union, SPD und FDP und gegen das Votum der Grünen und der Linkspartei für das Projekt aus. Im Jahr 2008 entschied sich der Bundestag für den Platz an der Schlossfreiheit und eröffnete den ersten Wettbewerb.

Hunderte Arbeiten wurden eingereicht, die überwiegend Kopfschütteln auslösten. Die Jury weigerte sich, eine Auswahl zu treffen. Ein zweiter Wettbewerb fand mit 400 Einreichungen eine ähnlich große Resonanz. Die Jury traf eine Vorauswahl von 28 Arbeiten und prämierte drei Werke als gleichberechtigte erste Preise, unter denen der Siegerentwurf ausgewählt wurde.

Zur Wahl stand bis zum Schluss auch ein von Andreas Meck entworfenes rechtwinkliges und transparentes „Dach“ über dem Grundriss der Bundesrepublik Deutschland. In dem Dach sollten ähnlich wie in der Schale Zitate aus der friedlichen Revolution eingraviert werden. Gleichermaßen preiswürdig erschien der Jury eine Arbeit des Bildhauers Stephan Balkenhol, dessen farbig angemalter Bronzeguss einen überlebensgroßen knienden Mann zeigt, der nach Osten blickt. Der Blick wurde als zuversichtlich, freudig erstaunt gedeutet.

Diese Arbeit zog spitze Anmerkungen auf sich – genauso wie der Siegerentwurf, der als „Einigkeit und Recht und Halfpipe“ umschrieben wurde. Auch vom hohen Spaßfaktor war die Rede. Das ist eine Zuschreibung, die von Milla und Waltz angenommen wird.

Linke und Grüne wollten sich auch jetzt nicht den Plänen anschließen. In einem Antrag der Grünen-Fraktion wird eine „verfahrene, nicht entscheidungsreife Situation“ beklagt und ein „öffentlicher Diskurs“ gefordert. SPD-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sagte dazu dieser Zeitung: „Wer jetzt sagt, die Entscheidung würde durchgepeitscht, muss die vergangenen zwölf Jahre geschlafen haben.“

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