Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Ring Barock mit Hannoverscher Hofkapelle

Historische Instrumente Ring Barock mit Hannoverscher Hofkapelle

Im Ring Barock des NDR greift normalerweise die Radiophilharmonie im Galeriegebäude Herrenhausen zu den Noten. Nun machte sie (wie auch in der kommenden Saison geplant) auf dem Konzertpodium Platz für die auf historische Instrumente spezialisierte Hannoversche Hofkapelle.

Voriger Artikel
Roskilde rockt auch Deutsche zu Tränen
Nächster Artikel
„Transformers 3“ mit drittbestem Filmstart der Kinogeschichte

Im Galeriegebäude in den Herrenhäuser Gärten hat die auf historische Instrumente spezialisierte Hannoversche Hofkapelle gespielt.

Quelle: Dröse

Hannover. Angeführt von Konzertmeisterin Anne Röhrig startete sie gleich behände mit Johann Bernhard Bachs 4. Orchestersuite, die wie die 4. Suite seines Vetters Johann Sebastian ebenfalls auf unbekümmertes D-Dur setzt. Der Verzicht auf Pauken und Trompeten (mit denen der berühmte Verwandte auf pompöse Klänge zielt) gibt gleich dem Anfang duftige Züge – für die Hannoversche Hofkapelle der Auftakt für viel pointierten musikalischen Feinschliff. Da wurde nicht nur der vorletzte Satz („La Joye“ – Die Freude) zum puren Hörgenuss.

Worauf der kanadische Flötist Brian Berryman gleich im nächsten Werk mit fingerfertiger Virtuosenkunst konterte. Kaum zu glauben, dass dieses D-Dur-Flötenkonzert von Johann Joachim Quantz erst in neuerer Zeit entdeckt wurde. Doch so waren die Sitten: Friedrich der Große hielt seinen Hofkomponisten Quantz an der kurzen Leine. Dessen Werke waren für den flötenden König und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und verschwanden deshalb nicht selten in dunklen Archiven. Mit seinem Soloauftritt bewies der regelmäßig in der Hannoverschen Hofkapelle mitwirkende Berryman nach der CD-Einspielung 2010 nun auch live, wie mitreißend, differenziert und feinnervig er dieses Juwel der Flötenliteratur angeht.

Schade nur, dass danach Anne Röhrigs Präsentation von Bachs Violinkonzert E-Dur abfiel. Im Ring Barock des NDR darf man mehr solistische Präsenz erwarten. Den schnellen Ecksätzen fehlte die lupenreine Intonation, dem langsamen Satz hätte auch im Orchester etwas weniger Nüchternheit gutgetan. Doch gegen Mattigkeit gibt es ja ein Mittel: Kaffee! Dem setzte Johann Sebastian Bach in seiner Kaffeekantate ein Denkmal. Anke Briegel (Sopran), Florian Lohmann (Tenor) und Albrecht Pöhl (Bass) stolzierten mit vokaler Wonne durch die Geschichte ­kleiner Nickligkeiten zwischen Vater Schlendrian und Tochter Liesgen.

Es konnte nur drei Sieger geben: die Tochter, den Kaffee und die Zuhörer im sehr gut besuchten Galeriegebäude.

Günther Helms

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Briefe der Geschichte mit Anke Engelke und Devid Striesow

Anke Engelke und Devid Striesow lesen im Theater am Aegi historisch bedeutende Briefe vor.