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Rocko Schamoni singt und liest im Pavillon

Songs & Stories Rocko Schamoni singt und liest im Pavillon

"Songs & Stories" heißt das Programm, das Rocko Schamoni singend und lesend am Dienstagabend im Pavillon vorgetragen hat. Auch wenn sich zum lässigen Konsum von Zigaretten und Bier mittlerweile ein Kamillentee gesellt, kann Schamoni sein Publikum wie gewohnt begeistern.

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Rocko Schamoni im Pavillon.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Lebt der Witz von Rocko Schamoni noch immer von punkiger Provokation? Oder ist der Punk bei ihm endgültig passé? Seit 20 Jahren ist Schamoni im Hamburger Kulturbetrieb etabliert, erst als Musiker zwischen Fun-Punk und Hamburger Schule, seit 2000 auch als Autor. Lesend und singend tourt er immer mal wieder, so auch jetzt in Hannover mit einem wie üblich vagen, mit „Songs & Stories“ überschriebenen Programm, das bestens geeignet ist für jemanden, dessen größte Stärke in einer improvisierten Situationskomik liegt. Mit dem Musiker Tex Matthias Strzoda hat Schamoni Verstärkung aus der musikalischen Heimat mitgebracht: Strzoda spielte mit Bernd Begemann und Frank Spilker, ist wie Schamoni Mitbegründer vom Comedy-Trio Studio Braun, ohnehin alles eine Sippe im Geiste.

"Songs & Stories" ist das aktuelle Programm von Rocko Schamoni eher vage umschrieben. Das passt, liegt seine Stärke doch in improvisierter Situationskomik.

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Tatsächlich ist Schamoni längst kein Punk mehr, da helfen auch beherzte Rülpser während einer Lesung nicht: „Ich find’s auch ordinär – aber es schockt!“, kommentiert er lachend. Aber so richtig schockt es eben nicht. Bier und Zigaretten konsumiert er gewohnt lässig, an diesem Abend gesellt sich außerdem ein Kamillentee dazu. „Ekelhaft“, schnarrt er immer wieder ins Mikro, wenn er einen Schluck nimmt.

Auch Schamoni wird halt älter, 50 Jahre sind es inzwischen. Mit Bier spült er dagegen. Er selbst kündigt sich beim Betreten der Bühne als die Tina Turner des Literaturbetriebs an – er wolle seinen „Private Dancer“ zum Besten geben. Schlecht ist der Vergleich nicht: Denn Schamoni liest aus einigen Kapiteln seines Erstlings „Risiko des Ruhms“, unter den Hamburger-Schule-Anhängern ein Kultbuch. Der Roman, der überspitzt und damit recht klamaukig alle Genres durchspielt, dabei gerne sexuelle Anzüglichkeit an der väterlichen Figur des „Bappa“ ad absurdum führt, ist auf Schamonis Lesungen immer wieder Garant für ein Tränen lachendes Publikum. Dafür sorgt auch der unveröffentlichte Text „Dummheit als Weg“, der mit seinen Differenzierungen von raumdumm (Frauen), sprachdumm (Männer), modedumm (Steuerbeamte) und ernährungsdumm (dicke Menschen) ein Allroundbashing betreibt. Grenzüberschreitungen als Witz nutzen, davon versteht Schamoni etwas. Der Abend solle „leicht angegeilt, aggressiv und dümmlich“ werden, aber mit dümmlich sei nicht er gemeint – sondern, unausgesprochen, wohl das Publikum. Und so tragen auch Publikumsbeschimpfungen zur Erheiterung der Fans bei.

Musikalisch gibt es dann Politik-Klamauk wie den Angela-Merkel-Song „Die Raute“ oder das Lied „Mauern“, das Schamoni als Spitzenkandidat von Die Partei vor gut zehn Jahren schrieb: „Wir wollen eine Mauer bauen“, singt er, passend dazu hat Die Partei einen Stand im Foyer aufgebaut. Alte, ernsthaftere Songs wie „Muster“ und „Leben heißt sterben lernen“ singt er wie auch Coversongs der Lassie Singers oder Freiwillige Selbstkontrolle von dem Cover-Album „Die Vergessenen“. gut gemachte Songs, witzige bis nachdenkliche Texte, Schamonis Programm ist halt ein Selbstläufer. Allerdings: alles ein bisschen zu routiniert. In „Der Mond“ besingt er sich selbst als Beobachter, der spürt, wie die Zeit vergeht. Wird langsam Zeit für Neues. Es gibt genug, die’s danken.     

Von Katharina Derlin

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