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„Es müssen große Dinge passieren“

Zweite Amtszeit „Es müssen große Dinge passieren“

Es klingt nur scheinbar unspektakulär: Susanne Rode-Breymann bleibt für eine zweite Amtszeit Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. An anderen Ausbildungsstätten ist solche Konstanz beim Führungspersonal tatsächlich der Normalfall.

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Susanne Rode-Breymann bleibt Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Quelle: Kutter

Hannover. An der hiesigen Musikhochschule aber haben es die beiden letzten Chefs nur jeweils eine halbe Amtsperiode ausgehalten und mussten durch verschiedene Interimsleiter ersetzt werden. Acht Jahre lang gab es so einen ständigen Wechsel aus Aufbruch, Bremsen und Neuorientierung. Viele Dinge, die neu auf den Weg gebracht wurden, entgleisten bald wieder. „Das übersteht keine Hochschule unbeschadet“, sagt Rode-Breymann.

Seit 2010 steht die Musikwissenschaftlerin an der Spitze des Hauses am Emmichplatz – und musste zunächst viele Scherben aufkehren. „Es gab hier erhebliche Unruhe, viele Dinge hatten sich verknäult“, sagt Rode-Breymann über die Situation, die sie vor sechs Jahren vorgefunden hat. Inzwischen hat sie in enger Zusammenarbeit mit ihren Kollegen und Kolleginnen „gut aufgeräumt“ – für viel mehr allerdings hat die Zeit noch nicht gereicht.

Darum hat sie sich für ihre zweite Amtsperiode, die gerade begonnen hat, ein umfangreiches Programm vorgenommen. Zwar gehöre Hannover noch immer unbestritten zur „Spitzengruppe der 24 deutschen Musikhochschulen“. Doch das könne sich bald ändern. „Wir müssen jetzt dringend wieder Fahrt aufnehmen“, sagt die 57-Jährige. „Es müssen ein paar große Dinge passieren, sonst geht es nicht in Zukunft.“

Eines dieser „großen Dinge“ könnte auch für die Stadt keine kleine Sache sein. Das Hauptproblem der Hochschule ist die unbefriedigende Raumsituation. Und neben der Renovierung und vorsichtigen Umgestaltung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes wünscht sich die Präsidentin auch einen neuen, flexiblen und attraktiven Konzertsaal für Hannover, in dem sich nicht nur die Hochschule mit vielen Veranstaltungen präsentieren könnte. Sehr groß müsste der nicht sein: „Ein Raum für 300 Leute wäre ideal – so etwas fehlt hier völlig.“ Ohnehin sei die Stadt „wahnsinnig defensiv“, was den Status als Uncesco City of Music angehe, findet Rode-Breymann. Man bräuchte hier den „Quantensprung“, der für die Kunst gerade mit dem Anbau des Sprengel-Museums geglückt sei. „Warum soll so etwas in den kommenden zehn Jahren nicht auch für die Musik gelingen?“, fragt sie.

Ein möglicher Neubau wäre auch weithin sichtbarer Ausdruck eines veränderten Profils der Hochschule. Seit dem Umzug der Hochschule zum Emmichplatz im Jahr 1973 hat sich viel verändert. Die heute höchst erfolgreichen Blechbläserklassen gab es damals ebenso wenig wie die Studiengänge für Kammermusik. Darum hatte der Architekt Rolf Ramcke auch keine passenden Räume für diese Musiker vorgesehen. Die kleinen Übezellen sind für sie viel zu eng. Und auch die Bibliothek platzt inzwischen aus allen Nähten. „Irgendwann wird die Raumfrage für uns zum Existenzproblem“, sagt Rode-Breymann. Gerade in Konkurrenz zu vielen neu gestalteten Hochschulen werde sich Hannover nicht ewig behaupten können. „In der Infrastruktur gehören wir schon jetzt zu den Schlusslichtern“, sagt die Präsidentin: „Wir sind nicht mehr zeitgemäß.“
Doch nicht nur die Hülle der Musikerausbildung in Hannover wird nun kritisch begutachtet, auch der Inhalt soll neu hinterfragt werden. Für Rode-Breymann liegt eine zentrale Aufgabe darin, die Rolle der jungen Musiker in einer veränderten Kulturlandschaft zu finden. Zwar freut sich die Präsidentin, dass ihre Studierenden mehr Auftritte als je zuvor auf den Konzertpodien in Stadt und Land haben. Gleichzeitig wehrt sie sich aber dagegen, dass die Hochschule ein „Musiksupermarkt“ werden könnte – ein Dienstleister für etwas, das andere Institutionen wie etwa immer kleinere Sinfonieorchester nicht mehr bedienen können. „Natürlich wollen wir, dass die Hochschulen offen sind, aber Studierende dürfen die Profis nicht ersetzen“, sagt sie.

In einem neuen Kammermusiksaal würden sicher beide Gruppen in der richtigen Balance zu hören sein. Im Moment ist der zwar kaum mehr als ein Traum der Hochschulpräsidentin. Aber vielleicht gelingt es ihr tatsächlich, etwas Großes anzuschieben. Zeit dafür hat Rode-Breymann bis 2024. Sie hat längst gelernt, dass man Veränderungen nicht überstürzen darf. Kein Wunder, dass sie es jetzt eilig hat.

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