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Römische Elegien im Kuppelsaal

Pro-Musica-Konzert begeistert Zuschauer Römische Elegien im Kuppelsaal

Strahlender Mittelpunkt: Hélène Grimaud ist mit dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia beim Pro-Musica-Konzert im Kuppelsaal zu Gast. Hélène Grimaud verdunkelt Beethoven, Antonio Pappano bringt Rossini zum Leuchten

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Die Pianistin Hélène Grimaud im Kuppelsaal.

Quelle: Kutter

Hannover. Ob Musiker laut oder leise spielen, ob sie schneller oder langsamer werden sollen, erfahren sie auf italienisch. Diese Sprache ist neben den Notenzeichen seit Jahrhunderten die übliche Form der Kommunikation zwischen Komponist und Ausführenden. Erstaunlich also, dass italienische Musiker im internationalen Klassikgeschäft heute nur selten die erste Geige spielen. Eine Ausnahme war nun beim Pro-Musica-Konzert im Kuppelsaal zu erleben: Das römische Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia und der (offiziell britische) Dirigent Antonio Pappano bewiesen eindrucksvoll, dass sie die Musiksprache ihres Nationalkomponisten Gioachino Rossini doch noch etwas besser verstehen als die meisten ihrer Kollegen. Zumindest ist die Ouvertüre zur dessen Oper „La Cenerentola“ selten so radikal detailscharf zu hören.

Die Pianistin Hélène Grimaud spielte am Donnerstagabend im Kuppelsaal in Hannover. Begleitet wurde sie vom Orchestra di Santa Cecilia, einem der bekanntesten Symphonieorchester Italiens.

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Im Staccato der Streicher kann man die Doppelbedeutung dieser (italienischen) Spielanweisung noch deutlich spüren: Außer „abgetrennt“ bedeutet sie auch „sich abstoßen“. Selbst die kürzesten Noten bekommen hier so viel Energie, dass sie die Herzschlag der Zuhörer beschleunigen können. Gern vergleicht man Rossinis Musik mit prickelnden Champagner. Bei den Römern wirkt sie eher wie hochdosierter Grappa: umwerfend. Doch natürlich war auch diese Ouvertüre nur ein Vorspiel zu anderer, deutlich schwerblütigeren Musik. Erst ganz am Ende griffen die Musiker mit einem zugegebenen Tanz aus „Guillaume Tell“ noch einmal auf ihren Paradekomponisten zurück. Die meisten der rund 2200 Zuhörer waren ohnehin eher gekommen, um Orchester und Dirigent als Begleiter der französischen Pianistin Hélène Grimaud zu erleben. Auf dem Programm stand das vierte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven, über dessen Musik Grimaud sagt, man zerstöre sie, wenn man sie leicht und locker spiele. Tatsächlich kommt sie nicht einmal im schwungvollem Rondo in die Versuchung, die dunkle Seite dieses Stücks zu übertönen. Sie vermeidet glänzend polierte Töne und perlende Läufe. Der Klang des Flügels behält auch in der größten Lautstärke etwas Schwebendes und Transparentes. Allerdings tönt es nie licht und klar, sondern eher verhangen wie Rauch.

Das passt nicht schlecht, wenn Beethoven die Stimmen auf das Schlachtfeld seines Tonsatzes führt. Es wirkt auf die Dauer aber auch etwas einfarbig. Selbst bei der Zugabe ändert sich daran kaum etwas: Auch die „Étude-Tableaux“ von Rachmaninow tönt wenig plastisch. Dafür griffen Pappano und die Accademia nach der Pause umso beherzter in den Farbkasten. Die „Orgelsinfonie“ von Camille Saint-Saëns ist ein Showstück für Orchester mit himmelhoch aufgetürmten Akkorden, schwelgenden Melodien und lärmenden Paukenwirbeln. Für die bei Rossini so vorbildlich disziplinierten Römer ist auch dieser breite Pinselstrich kein Problem. Viel Applaus für die Musiker, die sich schließlich mit einer wunderbar schlichten Version von „Nimrod“ aus Edward Elgars „Enigma-Variationen“ verabschiedeten. Am 2. Mai kommt das Radio-Sinfonieorchester Wien mit seinem hannoverschen Chefdirigenten Cornelius Meister, dem Organisten Cameron Carpenter und Dvořáks 9. Sinfonie in den Kuppelsaal. 

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