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„Ich werde mich nie ganz zufrieden geben“

Interview mit Roger Hodgson „Ich werde mich nie ganz zufrieden geben“

Am Dienstag kommt die monumentale Klassik-trifft-Pop-Show Night of the Proms wieder nach Hannover. Bereits zum fünften Mal ist auch der britische Musiker Roger Hodgson dabei. Im Interview spricht der ehemalige Supertramp-Sänger über Karriere, Träume und Sehnsucht.

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Roger Hodgson bei der Premiere von Night of the Proms in Hamburg.

Quelle: Torsten Volkmer

Hannover.   Der britische Musiker Roger Hodgson, Gründungsmitglied und Stimme der einflussreichen Band Supertramp, die er 1983 verließ, war in den vergangenen 20 Jahren bereits vier Mal Teil der monumentalen Klassik-trifft-Pop-Show Night of the Proms. Am Dienstag, 5. Dezember, gastiert die wieder in Hannover – und Hodgson ist ein fünftes Mal dabei. Gemeinsam mit einem 68-köpfigen Orchester singt und spielt er fünf seiner großen Supertramp-Hits. Nach der Deutschland-Premiere der Show in Hamburg sprachen wir mit Hodgson über Karriere, Musik, Träume und Sehnsucht. 

Was reizt Sie an der Night of the Proms? 

Es ist, als würde ich in eine große Familie zurückkehren. Die Leidenschaft des Erfinders Jan Vereecke, der immer dabei ist, ist für alle ansteckend. Für ihn ist das nicht nur ein Geschäft. Und deshalb ist es für mich nicht nur ein Konzert. Man spürt als Künstler, dass da etwas Magisches geschieht.  

Fühlt sich das an wie ein Rockkonzert? 

Es ist ein Alles-in-einem-Konzert. Eine Reise durch Klassik, Rock, Pop, Filmmusik und was auch immer noch.  

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Auch 2017 gibt es wieder eine Night of the Proms. Bevor die Tour jedoch in Hannover Halt macht, startete die Premiere in Hamburg.

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Sie bezogen schon früh für Rock ungewöhnliche Instrumente wie Saxofon oder Klarinette in Ihre Musik ein. Gab es damals schon eine Nähe zum Orchestralen? 

Wir experimentierten gern. Ich ließ mich von den Beatles inspirieren und fragte mich mit meinen Kollegen von Supertramp: Welche Grenzen können wir überschreiten? Heute klingt das natürlich alles vertraut.  

Während der Night of the Proms spielt die 16-jährige Emily Bear Klavier bei Ihrem Song „School“ von 1974. Wie jung ist Ihre Musik geblieben?  

Sie scheint nicht zu altern. Ich singe „School“ jetzt seit über 40 Jahren. Aber auch heute kommen noch viele junge Leute zu meinen Konzerten. Sie interessieren sich für die Musik der Sechziger, Siebziger und Achtziger, weil sie das als eine fruchtbare kulturelle Ära wahrnehmen.  

Verändern sich die Songs mit der Haltung, die Sie jeweils mit auf die Bühne nehmen?  

Ich glaube, ich singe sie heute besser als damals mit Supertramp. Und es macht mir mehr Spaß. Wenn man älter wird, hat man mehr Wertschätzung für die Dinge. Ich bin dankbar für das Leben, das hinter mir liegt, aber auch für das Privileg, auf Bühnen stehen zu dürfen, ein Publikum zu haben. Und meine Songs bedeuten mir noch viel. Nehmen Sie „Give A Little Bit“, das ist jetzt viel wichtiger, als damals 1977. Wir leben in Zeiten, in denen wir uns umso mehr um andere kümmern müssen, nicht nur um uns selbst. Oder der „Logical Song“ – immer mehr Menschen verlieren das Gefühl dafür, wer sie sind.  

Darin geht es ja auch um ein Verweigern von Kategorien. Haben Sie die eine oder andere Kategorie heute akzeptiert? Oder haben Sie eher das Gefühl, Sie müssten dem Song noch weitere Adjektive hinzufügen?  

Es gab eine Menge Adjektive, die ich schon beim Schreiben weglassen musste. Es ist die Kunst des Lebens, nicht steckenzubleiben, immer weiter zu wachsen. Das hält jung. Wer glaubt, er habe alle Antworten gefunden, hat ein Problem. Wir durchleben Prozesse von Erziehung und Ausbildung, die versuchen, uns in bestimmte Weltbilder zu pressen. Darum geht es aber für mich gar nicht im Leben.  

Sie widmen bei der Night of the Proms Ihren Song „Dreamer“ den Machern der Show für ihre Vision. Erleben Sie sich selbst auch als Träumer oder geht es um den Blick auf andere?  

Das Leben beginnt mit einem Traum, mit Motivation oder Zielen. Aber dann beginnt die Arbeit, den Traum umzusetzen. Man muss hartnäckig bleiben. Als ich mit 12 Jahren meine erste Gitarre bekam, war ich eindeutig ein Träumer: Ich wusste, wohin ich wollte, aber nicht wie. Schauen Sie sich an, wo ich damit gelandet bin. Aber mein Leben ist immer noch voller Träume. Ich werde mich nie ganz zufrieden geben.  

Wie vermeiden Sie Enttäuschungen?  

Ich glaube, wir gehen alle durch Zeiten der Enttäuschung. Wir sollten davon lernen und auch für schwierige Phasen dankbar sein. Vier Jahre nach meinem Abschied von Supertramp brach ich mir beide Handgelenke. Das erste was die Ärzte im Krankenhaus sagten, war, dass ich nie wieder Musik spielen können würde. Also musste ich mich damit konfrontieren, mir ein Leben ohne Musik vorstellen. Das war für mich ein Wendepunkt: Aus der Ernüchterung dieser Zeit schöpfte ich die Kraft, doch wieder so weit zu kommen – und es dann auf andere Weise zu schätzen.  

In fast allen Ihrer Songs steckt eine unspezifische Sehnsucht.  

Als ich mit 18 die Schule beendete, war ich ein sehr verwirrter junger Mann. Ich sehnte mich nach Bedeutung, Glück und Liebe, suchte nach Spiritualität und innerem Frieden. Ich bin immer noch unterwegs, diese Reise endet nie. Aber sie beginnt mit Sehnsucht. Die ist unverzichtbar.  

Die Night of the Proms findet am Dienstag, 5. Dezember, ab 20 Uhr in der TUI-Arena statt. Neben Hodgson sind außerdem Ex-Spice-Girl Melanie C, Ex-Chicago-Sänger Peter Cetera, die junge Pianistin Emily Bear und wie immer John Miles dabei. Tickets sind in allen HAZ-Ticket-Shops erhältlich und kosten zwischen 55 und 90 Euro.

Von Thomas Kaestle

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