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Romanbiografie über Hermann Löns erschienen

Hannoverscher Dichter Romanbiografie über Hermann Löns erschienen

Der Journalist und Buchautor Heinrich Thies hat eine Romanbiografie über Hermann Löns und seine zweite Frau Lisa geschrieben. Kulturredakteur Ronald Meyer-Arlt stellt das Buch vor. 

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Beim „Hannoverschen Anzeiger“ begann die Beziehung zwischen Hermann Löns alias „Fritz von der Leine“ und der „Telephon-Stenographin“ Lisa Hausmann.

Quelle: Archiv

Hannover. Den Preis für den besten ersten Satz dürfte dieses Buch wohl nicht bekommen. „Es war einer dieser Novembertage, die am besten mit dem Wort grau beschrieben sind“ beginnt Heinrich Thies seine Romanbiografie über Hermann Löns und seine zweite Frau Lisa. Warum so umständlich? Warum sagt uns der Autor, wie etwas am besten beschrieben wäre, statt es einfach zu beschreiben? So ein Einstieg ist ärgerlich – vor allem, weil das Buch, das so beginnt, am Ende doch ein starkes Buch ist.

Keine dreißig Seiten später berichtet Thies über den 16. März 1888; eine Woche zuvor war der Kaiser gestorben, jetzt wurde der Leichnam vom Berliner Dom ins Mausoleum nach Charlottenburg überführt. Die Straßen waren voll von Schaulustigen. „Unter ihnen war auch eine junge Dame aus Hannover: Lisa Hausmann, noch keine siebzehn Jahre alt, aber erfüllt von dem Wunsch, Journalistin zu werden und die Luft historischer Großereignisse zu atmen.“ Die Luft historischer Großereignisse zu atmen? Schön klingt das auch nicht. Das ist auch wieder so eine Ärgerstelle.

Die Lesung

Heinrich Thies stellt das Buch am Dienstag, 15. März, um 19.30 Uhr in der Schalterhalle im Anzeiger-Hochhaus vor. Karten gibt es für 8 Euro zuzüglich Gebühren in den HAZ-Ticketshops und HAZ-Geschäftsstellen. Inhaber der AboPlus-Karte sparen einen Euro.

Aber die junge Dame ist eine interessante Person: Luisa Dorette Karoline Hausmann, genannt Lisa, geboren am 2. September 1871. Ihre Reportage von der Beisetzung des Kaisers wollte keine Zeitung drucken, aber im Jahr 1900 bekam sie eine feste Stelle bei einer Zeitung. August Madsack, Herausgeber des „Hannoverschen Anzeigers“, stellte sie ein. Zwar nicht als Redakteurin, sondern als „Redaktionssekretärin und Telephon-Stenographin“. Neben ihrer Sekretariatsarbeit durfte sie jedoch schreiben. Immerhin. Ihr Vorgesetzter hatte es als „Fritz von der Leine“ beim „Hannoverschen Anzeiger“ zu einer gewissen Berühmtheit gebracht: Er war Hermann Löns. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Beziehung, die schnell über das rein Berufliche hinausging.

Heinrich Thies, der lange als Redakteur bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ gearbeitet hat, beschreibt in „Mein Herz gib wieder her“ die Liebe, die Ehe und das spätere Zerwürfnis von Lisa Hausmann und Hermann Löns. Es handelt sich um eine Romanbiografie, der Autor nimmt sich die Freiheit, Eigenes dazuzudichten. Er schaut seinen Figuren in die Köpfe, teilt mit, was sie fühlen und denken. Das klingt dann so: „Er ging jagen, traf sich mit seinem Braunschweiger Freund Hermann Meerwarth zu Spaziergängen durch den Heiligen Hain und Ausflügen in die Umgebung, spazierte mit Ernestine oder allein durch die Heide, aber die Schattengestalten ließen nicht locker, seine inneren Dämonen begleiteten ihn. Was ihn einst so beglückt hatte, widerte ihn nur noch an.“ Die Schattengestalten ließen nicht locker – wieder so ein merkwürdig unelegantes Bild.

Aber das ist nur die eine Seite. Die andere sind Fakten. Und die vermittelt Thies reichlich. Er muss viel Zeit in Bibliotheken und Archiven zugebracht haben. Und die Mischung aus Fakten und Fantasie funktioniert. Mit zunehmender Spannung verfolgt man die ungewöhnliche Liebesgeschichte. Die sprachlichen Ungenauigkeiten und die gelegentlich auftretenden Phrasen spielen bald keine Rolle mehr: denn das Schicksal der Figuren vermag den Leser zu packen.

Thies gelingt ein erstaunliches Doppelporträt: auf der einen Seite der Dichter Hermann Löns, der viele psychische Krisen durchlebt, der säuft und gewalttätig wird und sich Wahnvorstellungen hingibt, auf der anderen Seite Lisa, die Vernünftige, die Pazifistin, die Frauenrechtlerin und die, die sich um Dettmer, den behinderten Sohn der beiden, kümmert.
Später verwaltet sie den Nachlass von Hermann Löns und bemüht sich, dem Löns-Kult und der Vereinnahmung des toten Dichters durch die Nationalsozialisten und die Kitschindustrie der Nachkriegszeit entgegenzutreten. Mit durchwachsenem Erfolg. An sie zu erinnern allerdings ist sehr ehrenwert.

Heinrich Thies: „Mein Herz gib wieder her – Lisa und Hermann Löns. Romanbiografie“. Mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Zu Klampen, 368 Seiten, 24,80 Euro.

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