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Roxette feiert mit 6000 Fans in der TUI Arena

Zurück in der Reihe Roxette feiert mit 6000 Fans in der TUI Arena

2009 gab Roxette ihr letztes Konzert in Hannover. Ebenfalls in der TUI Arena, aber nach der Entfernung eines Hirntumors unter viel größerer Anstrengung. Am Donnerstagabend feierte Marie Fredriksson mit 6000 Fans ein fröhlich-melancholisches Wiedersehen.

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Dynamisches Duo: Marie Fredriksson und Per Gessle in der TUI Arena.

Quelle: Martin Steiner

Hannover . Es ist die gleiche Halle wie 2009, ein bisschen früher im Jahr, aber draußen ist es auch schon wieder ein bisschen herbstlich. Ist das wirklich fast zwei Jahre her, dass Marie Fredriksson bei der Nokia Night of the Proms in der hannoverschen TUI Arena auf einem Hocker Platz nahm und sich durch fünf Vier-Minuten-Lieder kämpfte, als ob es ein Dreistundenkonzert sei? Die ersten Auftritte der nach Entfernung eines Hirntumors zurückgekehrten Schwedin waren, aus heutiger Sicht betrachtet, eine ebenso mutige wie richtige Beweisführung. Es war kein kraftstrotzendes Comeback, sondern der Stand der Dinge, ein öffentlicher Lebenslagebericht – und eine Ausstellung des Unperfekten, wie man sie in der fusselfreien Fassadenwelt des Popzirkus nicht gewohnt ist und so manchem Fan damals ziemlich das Make-up verschmierte. Es war Mutholen und zugleich mehr Mutmachen als alle Juli- und Silbermond-Lieder zusammen. Es war ein Anfang. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Fröhlich-melancholisches Wiedersehen: Roxette feiert zwei Jahre nach dem letzten Auftritt in Hannover mit 6000 Fans am Donnerstagabend in der TUI Arena.

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Nun sind die Tränen getrocknet. Zwei Jahre, ein Album und eine Reihe von kompletten Liveshows später reiht sich Roxette wieder in den regulären Popbetrieb ein und wird entsprechend wieder an normalen, kommerziellen Maßstäben gemessen. Dazu gehört auch, dass die TUI Arena nicht voll ist, vielleicht, weil die Hitmaschine noch nicht wieder auf gewohnten Hochtouren läuft. Lediglich einen Chartserfolg warf das Rückkehralbum „Charm School“ ab, nicht fünf oder acht wie früher. Und Hits, da hat sich nichts geändert, bleiben die Währung, mit der auf dem Chartsmarkt gezahlt wird.

Vielleicht ist es aber auch ein gutes Zeichen, dass Marie Fredriksson auf der Bühne keine Sensation mehr ist, an deren Schicksal man unbedingt teilgenommen haben muss. Der Empfang der rund 6000 Fans ist trotzdem herzlich bis frenetisch. Es ist, als ob man ein bisschen näher zusammengerückt ist in der weltumspannenden Roxette-Familie.

Was beim musikalischen Programm des Abends auch nicht weiter schwerfällt. Die Sängerin und ihr Bühnenpartner Per Gessle legen von Beginn an ein Ass nach dem anderen auf den Tisch. „Dressed for Success“, „Sleeping in my Car“, „The Big L“, „Wish I could fly“. Das kann man routiniert heruntergespieltes Nostalgieprogramm nennen, das kann man ein Dankeschön an die geduldigen Fans nennen. Man kann es aber auch einfach Werkschau nennen. Es ging bei Roxette nie um Albenkonzepte oder tiefgründige Texte, es ging darum, in den Charts wie beim Darts möglichst viele Treffer ins Ziel zu bringen. Wer in die TUI Arena gekommen ist, kriegt einen guten Teil der besten Treffer zu hören und scheint diese Variante jedem Experiment vorzuziehen. „She’s got nothing on (but the Radio)“, der aktuelle Treffer, bleibt einer der wenigen neuen Titel.

Die beiden Protagonisten teilen sich mehr als früher das Rampenlicht, Gessle übernimmt einige Ansagen und gibt den Britrocker, seine Kollegin konzentriert sich auf das Singen und wirbelt nicht mehr wie ein Kreisel über die Bühne oder „schreit das ganze Haus zusammen“, wie Gessle sie in jungen Jahren einmal ein wenig direkt charakterisiert hat. Fredriksson meidet jetzt manchen hohen Ton, den sie in ihrem ersten Leben mit frappierender Leichtigkeit genommen hat. Sie singt tiefer, ruhiger, anders, aber nicht schlechter, vielleicht passt „reifer“ hier einmal ganz gut. Dass beide ihr Alter (sie 53, er 52) und die Falten nicht verstecken, ist ein erwähnenswerter Randaspekt. Vor 20 Jahren wäre es wohl ein Zankapfel gewesen.

Die Refrainzeile „Things will never be the same“ schwebt durch die Halle, wer will, kann sein pathetisches Grundmuster damit noch einmal ausmalen. Und bevor der Partyzug zum Ende des regulären Sets so richtig ins Rollen kommt, liefern Roxette und ihre langjährigen Begleitmusiker ihren vielleicht schönsten Schmachtfetzen mit einem ebenso schönen Titel ab: „Crash! Boom! Bang!“.

Es endet mit dem Anfang: „The Look“, der erste Hit ertönt in der Zugabe. Jubel, Winken. Schluss. Für heute. Neue Songs sind schon in Arbeit. Roxette ist Zukunftsmusik. Auch das erwähnenswert. Aber kein Randaspekt.

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