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Salut Salon unterhält mit musikalischer Zoologie

Kammermusik mit Brisanz Salut Salon unterhält mit musikalischer Zoologie

Salut Salon erobert mit intelligenten Respektlosigkeiten seit fast 15 Jahren die internationalen Bühnen. Und schafft es, in einer höchst unterhaltsamen Melange aus klassischen Klängen, Pop- und Filmmusik, Parodie, Instrumentalakrobatik und Klamauk ein großes Publikum zu begeistern. Am Sonntag spielten sie im Theater am Aegi.

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Hannover. Es war Kammermusik mit Brisanz. Nachdem Camille Saint-Saëns seinen „Karneval der Tiere“ vor genau 130 Jahren uraufgeführt hatte, beschloss er, die Veröffentlichung der Komposition zu seinen Lebzeiten nicht zu erlauben. Nicht etwa, weil er Grund hatte, sich für die musikalische Qualität der einfallsreichen „zoologischen Fantasie“ (so der französische Originaltitel) zu schämen. Vielmehr hatte er nicht nur eine ungewöhnliche Reihe von Tierstimmen musikalisch verarbeitet, sondern darüber hinaus auch geschickt die Kollegen Jacques Offenbach, Hector Berlioz und Gioachino Rossini parodiert. Ein so unterhaltsamer und lebendiger Umgang mit großen Vorbildern der Musik erschien im 19. Jahrhundert dann doch zu unerhört.

Das Hamburger Quartett Salut Salon erobert mit genau dieser Art von intelligenten Respektlosigkeiten seit fast 15 Jahren die internationalen Bühnen. Und schafft es, in einer höchst unterhaltsamen Melange aus klassischen Klängen, Pop- und Filmmusik, Parodie, Instrumentalakrobatik und Klamauk ein großes Publikum zu begeistern. Die vier Musikerinnen vermitteln mit niedriger Hemmschwelle und auf hohem Niveau genau die Freude an ihrem Stoff, die sie selbst antreibt. Die Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried begegneten sich bereits mit zehn Jahren in einem Schulorchester und entdeckten einen gemeinsamen Sinn für Humor.

Was sie heute zusammen mit Sonja Lena Schmid am Cello und Anne-Monika von Twardowski am Klavier (im Theater am Aegi hervorragend vertreten von Olga Shkrygunova) auf die Bühne bringen, lebt nicht nur von Talent und Timing. Wesentlich sind dabei vor allem die kongenialen Arrangements, mit denen sie jede Art von Musik für ihr Format adaptieren.

Salut Salon nimmt sich ähnliche Freiheiten wie schon Saint-Saëns, von dem sie Miniaturen aus „Das Vogelhaus“, „Hühner und Hähne“ oder „Das Aquarium“ destillieren. Die Musikerinnen erweitern seinen Assoziationsrahmen für ihre Revue um originelle Kombinationen quer durch die Zeiten und Genres. Da fließen im „Haimedley“ die Soundtracks aus „Der weiße Hai“ und „Das Boot“ in Kurt Weills „Moritat von Meckie Messer“, die Schlange Ka aus Disneys „Dschungelbuch“ singt „Hör auf mich“, nachdem gerade noch Astor Piazollas argentinischer Hai „Escualo“ als Tango erklang. Die wilde Dramaturgie geht auf, die Zuhörer brechen am Ende der Show in Jubel aus. Wie einst Saint-Saëns wagt es das Projekt, musikalischem Purismus etwas entgegenzustellen. Und wie vor 130 Jahren ist das erhellend und macht bei aller Virtuosität oft ganz einfach Spaß.

Von Thomas Kaestle

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